Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Cornelia Füllkrug-Weitzel

Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel ist Direktorin der Aktion „Brot für die Welt“ und Vorsitzende des Dachverbandes der protestantischen Hilfswerke in Europa.

Friedenspädagogik kann FriedensstifterInnen eine Stimme geben: Weltweit setzen sich Partner von „Brot für die Welt“ in verschiedenen Projekten für Frieden und zivile Konfliktbearbeitung ein. Friedenspädagogisch Tätige können diese Erfahrungen zugänglich machen und den vielen FriedensstifterInnen in der Welt eine Stimme geben. Gesellschaft und Politik in Deutschland erhalten auf diesem Weg die Möglichkeit, die Akteure in den Konfliktländern wahrzunehmen und von ihnen zu lernen.

Friedenspädagogik ist nicht nur etwas für Menschen in Konfliktregionen, sondern eine globale Bewusstseinsbildungsaufgabe: Nur wenn die beteiligten Konfliktparteien sich Friedensprozesse zu eigen machen, Frieden von innen wächst, kann nachhaltiger Frieden erzielt werden, pflegen wir zu sagen. Aber: Wo ist „außen“ in der globalisierten Welt? Bei Konflikten über Ressourcen wie Erdöl und andere Bodenschätze sind wir viele Akteure in unterschiedlicher Art und Weise beteiligt und in der Pflicht: Abnehmerländer, internationale Organisationen und die VerbraucherInnen. Sie alle müssen einen Beitrag zur nachhaltigen Veränderung der Situation leisten und die Voraussetzungen für kreative Friedensprozesse in Konfliktregionen schaffen. Medien müssen Teil einer Kultur des Friedens werden: Berichterstattung über Gewalt und Krieg dominiert die Nachrichten in Presse, Funk und Fernsehen. Friedenspolitisch gebildete Journalisten sehen mit anderen Augen und vermitteln andere Perspektiven als Kriegberichterstatter. Deshalb muss Friedenspädagogik Eingang in die Aus- und Fortbildung von Medienschaffenden finden.

Friedenspädagogische Maßnahmen sollen sich auch gezielt an PolitikerInnen wenden: Über Sinn und Unsinn von Bundeswehreinsätzen wird endlos debattiert. Maßnahmen der zivilen Krisenprävention und Konfliktbearbeitung führen dagegen ein Schattendasein in Deutschland. Obwohl in einem Aktionsplan der Bundesregierung verankert, sind sie leider nicht Gegenstand öffentlicher Debatten und entwickeln sich nur sehr langsam. Damit sie sich entwickeln können, braucht es kreative, mutige und friedensgebildete PolitikerInnen.

Friedenspädagogik soll Hoffnung geben und zum Handeln ermutigen: Gewaltsame Konflikte haben komplexe Ursachen und lange Geschichten – es gibt keine einfachen Lösungen und Rezepte. Angesichts der Ungerechtigkeiten, der Komplexität der Konflikte und der übermächtigen Akteure sind Gefühle der Empörung und Frustration, der Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit weit verbreitet. Friedenspädagogik soll Hoffnung und Perspektiven schaffen, die Menschen zum Handeln bewegen – auch dann, wenn die Auswege aus der Gewalt nicht sichtbar sind.

Eine dynamische Friedenspädagogik, die Gerechtigkeit und Frieden in der einen Welt im Blick hat, kann in den Köpfen und Herzen der Menschen die Grundlagen schaffen, damit sich Frieden entwickeln kann.

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Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. (Hrsg): Promote Peace Education! Viele Stimmen für den Frieden. Tübingen 2006, S.32f.

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