Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Botho Priebe

Botho Priebe ist Direktor des Instituts für schulische Fortbildung und schulpsychologische Beratung des Landes Rheinland-Pfalz.

Seit fast dreißig Jahren bin ich der Arbeit des Instituts für Friedenspädagogik bzw. des früheren Vereins für Friedenspädagogik in Tübingen verbunden in gemeinsamer Wertorientierung für Frieden und Freiheit, für Menschenwürde und soziale Gerechtigkeit, für Solidarität und Nachhaltigkeit. Im Rahmen unserer Zusammenarbeit in Schule und Lehrerbildung haben sich unsere Wege immer wieder in fruchtbarer Zusammenarbeit gekreuzt; dabei sind qualifizierte Handlungsmodelle und Materialien, Fachtagungen und Seminare für Schule und Unterricht, für Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung entstanden.

Friedenspädagogik ist schon lange kein isolierter und unter den Bedingungen des vergangenen „Kalten Krieges“ vielfach belächelter Arbeitsbereich der „Gutmenschen“ mehr. Mit der größten Selbstverständlichkeit wird heute der Anspruch eines humanen und sozial gerechten Bildungswesens vorgetragen, dem wir in Deutschland, wie wir seit PISA wissen, nicht immer entsprechen; mit der größten Selbstverständlichkeit arbeiten wir an zivilgesellschaftlichen Verhältnissen in unserem Land, auch wenn rechtsextreme Pendelausschläge und Gewaltbereitschaft unter Heranwachsenden zur Zeit viel Sorge bereiten; mit der größten Selbstverständlichkeit treten wir Deutschen, die insbesondere im vergangenen Jahrhundert unsägliches Elend und Leid in die Welt gebracht haben, seit Jahrzehnten dafür ein, dass sich das „NIE WIEDER“ ereignet, nie wieder vorkommt. Wir haben eine Menge gelernt, und die Friedenspädagogik ist in den Jahrzehnten ein immer wichtigerer und zugleich auch immer selbstverständlicherer Anspruch an Bildung und Erziehung geworden.

Das Institut für Friedenspädagogik ist für viele Lehrkräfte, Schulen und Fortbildungsinstitute, für Studienseminare und Hochschulen ein kompetenter, engagierter und verlässlicher Partner gewesen und ist es weiterhin. Das Institut hat in den großen theoretischen Diskursen zur Friedens- und Sicherheitspolitik
der vergangenen Jahrzehnte Stand gehalten und dabei vor allem die Frage im Blick gehabt, wie arbeiten wir darüber mit Schülerinnen und Schülern, Studierenden und Lehrkräften. Die Gebrauchswerte der Arbeit waren immer auf innovative und aufgeklärte Praxis gerichtet, die in den „Mühen der Ebenen unseres Bildungswesens“ neue Perspektiven und Alternativen aufzeigten.

Heute, zum dreißigjährigen Bestehen des Instituts, möchte ich in den vielen Jahren der Zusammenarbeit inne halten und allen ein herzliches DANKE sagen. Wir im Bildungswesen brauchen das Institut für Friedenspädagogik auch in den nächsten Jahrzehnten. Die Nachkriegszeit mit ihren eigenen Strukturen, Mentalitäten und Konflikten, mit Kaltem Krieg und globaler Konfrontation ist zu Ende. Damit sind die großen Weltkonflikte und ihre Folgen für die jeweils innergesellschaftlichen Verhältnisse aber keineswegs beendet; wir stehen in neuen und vielfach noch nicht richtig überschaubaren Konfliktfeldern und Bedrohungszonen. Internationaler Terrorismus mit seinen vielfältigen Ursachen, „Kampf der Kulturen“, die Globalisierung und ihre Opfer sowie viele, viele (alte) und neue drängende bis katastrophische Zuspitzungen verunsichern uns – teilweise bis zur Hilflosigkeit. Wir im Bildungswesen bemühen uns darum, einen Beitrag dazu zu leisten, dass es freier und friedlicher, gerechter und nachhaltiger, solidarischer und sozialer in der Welt zugeht – wenigstens in unserem Land. Dazu muss die Friedenspädagogik ihren Beitrag leisten, und dazu brauchen wir alle das Institut für Friedenspädagogik. Hartmut von Hentig hat auf die Frage, was Bildung sei, geantwortet: „Die Sachen klären, die Menschen stärken!“. Das ist zugleich ein Leitsatz für die Friedenspädagogik, wie wir sie bisher verstanden haben und wie wir sie weiterhin leisten müssen.

Ich wünsche Euch, dass Ihr so qualifiziert und erfolgreich aber zugleich auch so glaubwürdig und kollegial weiterarbeitet und an Zuspruch, Nachfrage und Bedeutung gewinnen werdet.

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Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. (Hrsg): Promote Peace Education! Viele Stimmen für den Frieden. Tübingen 2006, S.65-67.

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