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Berthold Meyer

Prof. Dr. Berthold Meyer ist Gründungsmitglied der Tübinger Arbeitsgruppe Friedensforschung und des Vereins für Friedenspädagogik. Er arbeitet als Projektleiter bei der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und lehrt am Zentrum für Konfliktforschung der Philipps-Universität Marburg.

Bundespräsident Köhler hat in seiner „Berliner Rede“ am 21. September diesen Jahres „Bildung für alle“ gefordert und dies mit einer Vielzahl guter Argumente begründet: Vieles davon, angefangen von der Verhütung schulischer Gewalt und die Bedeutung der Bildung, um die eigene Urteilskraft zu schärfen, damit man zwischen Gut und Böse zu unterscheiden vermag, über die Herausbildung von Empathie und Solidarität
bis zum schulischen Islamunterricht in deutscher Sprache ließe sich auch in einem Forderungskatalog zur Friedenserziehung niederschreiben. Doch wenn man Köhlers Redemanuskript nachliest, wird man den Begriff der Friedenserziehung darin vergeblich suchen. Dies soll kein Tadel sein, denn möglicherweise stößt der Bundespräsident dank seiner Autorität damit mehr an, als wenn Friedenspädagogen ein Positionspapier dazu veröffentlichen.

Trotzdem zeigt diese Leerstelle in der Begrifflichkeit des Bundespräsidenten, wie schwer es noch oder wieder ist, Aufmerksamkeit für eine am Frieden orientierte Erziehung zu finden. Wurde die Keimzelle des Instituts für Friedenspädagogik, die Tübinger Arbeitsgruppe Friedensforschung, bei ihren Bemühungen, Unterrichtsmodelle in Schulen zu erproben, Mitte der 1970er Jahre von der Kultusbürokratie noch verdächtigt, als „rote Zelle“ den Wehrkunde-Erlass zu unterwandern und zur Kriegsdienstverweigerung aufzurufen, so flaute das Interesse an der Friedenserziehung mit dem Ende des Ost-West-Konfliktes erst einmal ab, ähnlich, wie auch die Friedensbewegung an Zulauf verlor. Heute sind Konzepte der Friedenserziehung vor allem gefragt, wenn es darum geht, Gewalt in der Schule und im Alltag zu verhindern. Doch wo werden sie angefordert, um die zunehmende Gleichgültigkeit unserer Gesellschaft gegenüber einer Bundeswehr aufzubrechen, die mittlerweile nahezu rund um den Globus im Einsatz ist, ohne dass ernsthaft nachgefragt wird, ob das immer dem Frieden dient oder welchen anderen Interessen?

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Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. (Hrsg): Promote Peace Education! Viele Stimmen für den Frieden. Tübingen 2006, S.57f.

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