Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Anne Frommann

Dr. Anne Frommann war Akademische Rätin am Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Tübingen.

Das Institut für Erziehungswissenschaften – unterteilt in mehrere Arbeitsbereiche – ist ein anerkannter Teil der altehrwürdigen Tübinger Universität. Sicher ist es nicht so bedeutend wie die forschungsintensive Medizin und Biochemie. Es braucht keine Laboratorien und ist sehr zufrieden mit dem ältesten Hochschul-Gebäude aus dem 16. Jahrhundert. Wenn sich auch vielleicht die Kinder seitdem nicht vollkommen verändert haben, ihre Erziehung und Bildung, ihr Aufwachsen in der Gegenwart und ihre Vorbereitung auf gesellschaftliche Aufgaben bietet genügend Herausforderungen für Studierende und Lehrende.

Das Institut für Friedenspädagogik ist ein Unikat, ein „Kind“ friedensbewegter Jahre, inzwischen bewährt und ausgezeichnet, unterstützt von weit blickenden Bürgern, eine öffentliche Einrichtung mit privatem Träger, unabhängig und weise sich selbst begrenzend auf die Aufgaben, denen es gewachsen ist. Nach Jahrzehnten in einem winzigen Altstadthaus residiert es noch nicht lange luftig und leicht auf einem Tübinger Hügel. Was soll ein Vergleich der beiden Institute klären? Ist es die Wissenschaft, die den Raum schafft und professionelle Kräfte heranzieht für die „richtige“ Erziehung der jeweils nächsten Generation? Und ist es die Anwendung gesicherten Wissens auf einem Teilgebiet der Pädagogik, die ein eigenes Seminar rechtfertigt? Ich meine, beides stimmt nur zu einem kleinen Teil. Eigentlich müssten beide Institute sich vereinigen und
ein Beispiel abgeben für die Untrennbarkeit von Wissenschaft und Praxis, gleichzeitig aber auch für die einigende Kraft, die vom Frieden als einzigem Ziel aller Pädagogik ausgeht. Sind wir doch die erste Generation, die den im Grundgesetz verankerten Zusammenhang von Demokratie und Frieden zu verstehen und zu befolgen versucht. Ohne Frieden ist alles nichts. Entweder wir lernen das und lehren es die Generation, die nach uns verantwortlich leben muss, oder wir hängen die gesamte Pädagogik an den Nagel der Sinnlosigkeit. Alle wichtigen Entwicklungen pädagogischen Denkens und Handelns der letzten Jahrzehnte sind eigentlich Friedenspädagogik: Das soziale Lernen, die Untrennbarkeit von Politik und Erziehung, die Mediation als Methode und als Konflikt-Schlichtung, die Aufklärung über Gewalt, Aggression, Destruktion und Terror, die reflexive Einübung der eigenen Anteile an Konflikten für Erwachsene und Jugendliche, die Geschlechter-Pädagogik, die Erkenntnis des Zusammenhangs weltpolitischer Interessen von Nationen und „Blöcken“ mit erklärten oder unerklärten Kriegen. Dem wäre noch sehr Vieles hinzuzufügen.

Dank sei dem Institut für Friedenspädagogik in Tübingen dafür, dass es mit seinem Namen zufrieden ist, obwohl es eigentlich „Institut für die einzig mögliche Pädagogik“ heißen müsste.

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Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. (Hrsg): Promote Peace Education! Viele Stimmen für den Frieden. Tübingen 2006, S.30f.

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