Home / Themen / Friedenserziehung / Friedenspädagog... / 1980 - 1990 / Anne Frommann: Friedenserziehung als Interaktion (1987)
Aus: Dies.: Da-Sein in Stellvertretung. Ausgewählte Aufsätze zur Heimerziehung 1960-1986. Frankfurt/Main 1987, S. 150-164.
Nachdenken darf ich, ruhig im Zimmer sitzend, gesättigt und gekleidet, im Frieden. Keinen Blick in eine Zeitung darf ich tun, ohne daß bedrohlich die "Außenseite" der Welt auf mich zukommt. Und außer einem schmalen Lichtstreifen ist die Geschichte finster, finster von Rauch und Trümmern, dick von geronnenem Blut, ein sich langsam perfektionierendes Schlachthaus - zum Schluß rapide zunehmend an Gelehrsamkeit, quasi naturgesetzlich böse, quasi zwangsläufig gewalttätig. Ein anderes Bild: Ich sehe vor mir den jeweiligen Sieger, besiegt vom noch Stärkeren. Wo nehmen wir nur die Fähigkeit in uns her, adäquat zu trauern, Schmerz zu empfinden über die Wirklichkeit, auf deren Schultern wir gut ernährt stehen und in der wir unseren Lebensgeschäften nachgehen?
Kann es etwas anderes sein als Abwehr, Verdrängung und Panzerung, was uns erlaubt, Kinder zu haben und mit ihnen zu leben, Liebe zu üben, Wissenschaft, Kunst, Eingedenken zu betreiben? Sind wir unfähig, die ganze Wahrheit zu ertragen und deshalb kompensieren wir die Grausamkeit und Skrupellosigkeit, die lineare Überwältigung der Natur und das hybride Bauen auf den Sieg über die Feinde mit Ordnung, Schmuck, Systematik und Ideologie? (Vielleicht wollen wir sogar eine Kommission Friedenserziehung in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft aus solchen Gründen aufbauen?)
Ich sitze und schreibe also, von "innen" nach "außen", ich schreibe nach der erlaubten Verarbeitung von Erlebtem und Bewegtem, nach einer Innen-Sicht. Ich schreibe über die soziale Innenseite unseres Kampfes ums Leben, aber diese Innenseite Erziehung (oder Bewegung, Interaktion der Menschen in kleinen überschaubaren Räumen) steht der Außenseite des Friedensringens nicht gegenüber - das ist einer Innenseite unmöglich. Sie ist eher innen, nicht nur innen, sie steht in bezug zur Außenseite, deren Innenseite sie ist, wie auch umgekehrt. Wenn Kampf und Sorglichkeit sich heute "in" der Friedensarbeit aufeinander beziehen, dann hilft mir das zur Überwindung von Halbheit und Schwäche.
Auch wenn mein Teil die Radikalisierung des friedenschaffenden Umgangs, der Interaktion ist, so ist dies zusammen zu sehen mit dem Widerstand und dem Widerstreben nach außen gegen Unerträgliches von oben, außen und - innen.
Der Durchgang durch mich als Subjekt im Sinne von Unterworfener und Selbständiger zugleich erlaubt mir keine Trennung und keine gegenseitige Beschwichtigung von Pädagogik und Politik. Dieser Durchgang hebt die Trennung von Pädagogik und Politik auf, jedenfalls insoweit, als die Perspektiven oder Ziele verglichen und aneinander kritisiert werden können. Die zentralen menschlichen Angelegenheiten sind immer Politik, aber auch immer Interaktion.
So kam ich zu meinem Thema, mit dem ich angesichts der politischen und mitmenschlichen Wirklichkeit beitragen möchte zur Arbeits- und Liebes- und Kampf-Befähigung.
Ein Wort zur Wissenschaft: Meine Disziplin (!) Erziehungswissenschaft hilft mir hierbei nicht viel. Sie verlangt von mir, ich verlange von mir als Wissenschaftlerln Hermeneutik, Kritik, Empirie und Praxistheorie, aber sie bietet mir wenig an. Sie stellt Standards auf, denen alles, was neu gefaßt,, gedacht, geforscht und gelehrt wird, genügen soll - sie verlangt als strenge Hüterin der Standeslehre Legitimation für Neulinge. Sie öffnet als Teil der Wissenschaft ihr Haus nicht bereitwillig den dringlichen Anliegen der Zelt. Warum nicht? Besteht Wissenschaft nicht aus lebendigen, bedrohten, bemühten Menschen? Ist sie ein Teil des entfremdeten Systems? Ich möchte mir jedenfalls das kleine - mit Kollegen zusammen etwas größere - Stück Wissenschaft aneignen, das Klärung erlaubt und aufgeklärte Solidarität stärkt. Ich möchte mich mit meiner Wissenschaft bewegen.
Was ist und was kann sein Friedenserziehung als Interaktion? Was gibt es von ihr in Wirklichkeit schon? Was ist also von meinem Thema schon zu erkennen?
Interaktion bzw. Interaktionismus ist zusammen mit anderen Denk- und Erklärungsansätzen Teil einer weniger feindlichen, weniger überwältigenden Denkbewegung, etwas hochtrabend ausgedrückt: eines erkennbar neuen Paradigmas. Diese Denkbewegung verzichtet wegen der Betonung der Teilhabe auf Überheblichkeit und Vollständigkeit, ihre Erklärungskraft liegt mehr in der Haltung der Beweglichkeit des Sehens und der Aufnahmefähigkeit als in der "Fest-Stellung" von Daten und Fakten. Die Entwicklung der Ansätze, z.B. "Mensch in der Situation", "Selbst- und Fremddefiniton".
"Aushandeln von Bedeutungen und Bedingungen" und vieles andere stammt aus der Soziologie und hat nach dem Auftreffen auf psychologische Erkenntnisse (Watzlawick u.a.) zu neuen Umgangs- und Therapieformen geführt. In der Pädagogik und der Sozialpädagogik sind diese Denkansätze und Denkweisen eher über Personen als über wissenschaftstheoretische Auseinandersetzungen eingedrungen. Die kommunikationstheoretischen Jahre haben die heute tätigen Pädagogen so nachhaltig geprägt, daß heute zusammen mit der disziplinübergreifenden Systemtheorie interaktionistisches Bemühen eine Art unausgesprochener Grundlage für - Erziehung bedeutet. Eine Erziehung allerdings, die diesen Namen eher vermeidet, die eher vom gemeinsamen Leben mit Kindern, vom Ermöglichen spricht. Warum?
Wenn Erziehung als Interaktion, vergleicht man etwa so unterschiedliche Autoren wie Freire und Mollenhauer, Herzstück und Spitze unserer pädagogischen Diskussion zugleich stellt, so trifft dies umsomehr für Friedenserziehung als Interaktions-Bemühung zu. Diese Interaktionsbemühungen, die ich im folgenden auf vier Ebenen darstellen will, stellen zugleich Erkenntnisrichtungen dar. Es handelt sich um:
1. Interaktion miteinander
2. Interaktion des Subjekts mit sich selbst
3. Interaktion mit der Umwelt
4. Interaktion mit Neuem, Fremdem, Bedrohlichem.
Zu 1
Gemeint ist hier eine Friedenserziehung als Interaktion, die das Miteinander, die gemeinsame soziale Wirklichkeit so wichtig nimmt, daß dahinter andere Belange sogar zurücktreten. Das Inter ist mehr und wichtiger geworden als das Ego und der Alter. Die Bedeutung dieses gemeinsamen Zwischen ist selbstverständlich nicht nur verbal vermittelt und vermittelbar. Daß Konflikte und Sympathien zwischen Menschen nicht weggeschoben oder stumm erduldet bzw. wegbeherrscht werden, daß Gleichrangigkeit konkret als Netzwerk ohne "Spitze" erscheint und gestärkt wird, ist lebensausfüllender Auftrag. Ist er schon verwirklicht? Gibt es wirklich Dialoge mit Kindern, Gespräche und gemeinsames Tun zwischen Menschen verschiedenen Alters, verschiedener Bildungsstufe? Wenn es sie und wo es sie gibt, kann eines festgehalten werden: Jede Interaktion dieser Art verhindert Manipulation und stummes Sich-fügen. Sie ist damit nicht nur Inter-Aktion, sondern Co-Aktion, etwas Gewaltiges in aller Stille, nämlich die Überwindung von Rivalität einerseits und Passivität andererseits.
Natürlich darf hier nicht psychologisiert werden, ebenso wenig aber harmonisiert, sondern Sachen und Interessen stehen weiterhin hart im Raum und immer auch in Spannung zu den Menschen im Mittelpunkt der Interagierenden Aufmerksamkeit. Aber Sorgfalt, gegenseitige Berücksichtigung der Subjektlage, Consensus in Verschiedenheit, Anerkennung von Abhängigkeiten sind möglich.
Noch immer Ist es allerdings vielerorts ein Lehrer, eine Mutter, ein Abteilungsleiter etc., die oder der für Abhängige in dieser Weise ein Klima bildet und damit die Abhängigkeit beenden oder vermindern kann. Die Frage bleibt: Wer will das? Wer tut das?
Zu 2
Die Interaktion des Subjekts mit sich selbst ist die nächste Voraussetzung für Frieden im doppelten Sinne. Vielleicht ist es die Intimste. Manchmal bin ich versucht, diese Art der Interaktion für besonders modern, für die zeitlich letzte zu halten. Doch dann belehren mich das Tao-te-king, die Psalmen und griechische Dramen eines besseren. Viele Autoren, z.B. H.E. Richter, R. Jungk und der kürzlich verstorbene Friedrich Heer (um drei Vertreter ganz verschiedener Fächer zu nennen) betonen die Einsicht und die Tatsache, daß "Frieden im Menschen eine Schwebelage ist" (Heer), ein Zustand der hereingenommenen und zugelassenen Konflikte, ein dauernd drohender Balanceverlust, der allein das dauernde Auswerfen der feindlichen Angeln in andere Gewässer verhindert. Der das Leben schwieriger macht, aber den Binnenraum der Person vergrößert durch Inter-Agieren. Ganz hierhergehörend lautet z.B. in einem anglikanischen Gebet die Bitte: "My heart is so small, enlarge it." Eine schöne bildkräftige Formulierung für die Notwendigkeit der Ausweitung des Innenraums, in dem das jeweilige Subjekt interagieren kann.
Die Fähigkeit nämlich, mit sich selbst in dieser Weise umzugehen - sich zu erinnern, zu "lernen" im Sinne der jüdischen Tradition, auch zu meditieren, sich zu be-sinnen - ist wahrscheinlich ebenso jedem Menschen als Potenz zugedacht wie umgekehrt die der Projektion, der Verwechselung von mir und anderen möglich ist. Die Überlegungen von Hörn, Lorenzer, Stierlin u.a. legen nahe, daß das menschliche Kind - draußen beginnt, daß es tatsächliche Szenen sind, die zu inneren Mustern werden, die die Zugänglichkeit und Verläßlichkeit der äußeren ebenso wie der inneren Realität bedingen. Noch einmal Friedrich Heer:
"Das Ich kann nur zur Person reifen, seine eigene Menschwerdung weitertreiben, wenn es diesen Bürgerkrieg in der eigenen Brust auf sich nimmt. Ihn so moduliert, so ausformt, daß er nicht zur Selbstzerstörung führt, oder, wie bei sehr vielen Menschen, zu einem Verdrängen, Abblocken, Abschieben in überschwiegene, überherrschte Tiefenschichten des Ichs. Dies bedeutet ein ständiges Ringen um Erweiterung des Innenraumes der Person, so, daß diese offen, weiträumig Platz hat, zunächst die inneren Konflikte aufzunehmen, die mit der Genesis ihres Ichs, mit ihrer Kindheits-Passions-Geschichte, mit den Traumata des eigenen Lebens vom ersten Lebensjahr an entstehen und im Wachstum nach innen und außen verarbeitet werden müssen, wenn sie nicht zu tödlichen Aggressionen umschlagen sollen." (1)
Das Ausbrechen von Kriegen, die, wie alle Wissenschaftler der Politik übereinstimmend feststellen, nicht aus der Kumulation der Einzelaggressionen zu erklären sind, muß dann auch eine Kapitulation vor der Spannung im Inneren sein, eine Dislozierung - von allen Geschäften und Machtinteressen in diesem Augenblick einmal abgesehen, die "eigentlich" die Weltläufe bestimmen. Friedenserziehung in dieser Hinsicht ist gerade das Gegenteil von Anpassungsfähigkeit und Friedfertigkeit, ist der offene Prozeß des Integrierens der Schatten, der Uneinheitlichkeit und der dauernden Kränkung der Größenphantasien, aber auch der Möglichkeit der Versöhnung und Geburt neuer Kräfte der Tiefe, also nicht zeitloses genügsames Innen, sondern Teilnahme am eigenen Leben.
Zu 3
Wir wissen nicht, welche Gefahr noch größer ist: die rüstungstechnische oder die ökologische. Vor lauter Entsetzen und Scham möchten wir davonlaufen vor Betonwüsten, sterbenden Bäumen, Schadstoffen in Milch und Salat ... Aber wo sollen wir denn hin? Zu den Raketen oder zu den Hungernden, denen Entwicklungshilfe noch nicht zu unserem entwickelten Zustand verholfen hat? Aufs Land, in die Berge, auf eine Insel..., wieder zurück in den Berufsalltag? Wir haben den Tierbändigerstandpunkt gegenüber der Natur (Bloch) so viele Generationen hindurch gelehrt und gelernt, daß wir nun - zusammen mit den jüngeren - Anfänger in der ökologischen Lektion sind. Nicht, daß wir die Richtung nicht wüßten. Einiges wissen wir genau, so z.B. die Grenze des Erlaubten, die Übertretungen, wir kennen die vielen Gesichter der Hybris - Wasser, Dünger, Vergeudung -, neben denen sich die Vogelfängerei und die Jagd früherer Jahre ganz harmlos ausnehmen. Wir entschuldigen uns: Es ist ja die Technik, die sich dazwischengeschoben hat, die uns die Ausbeutung abnimmt; die Programmierung hat das Bewußtsein ausgeschaltet, die Phantasie hat resigniert vor der Wiedergutmachung, vor den Alternativen. Dieselbe Phantasie, die lebendig war, als Ausbeutung und Fortschritt glänzten. Wir wollten zu lange siegen, vorwärtskommen, also nicht inter-agieren, und wenige, zu wenige erst stimmen mit dem tiefen Wunsch von Christa Wolf überein: "Wenn ihr aufhören könnt, zu siegen, wird diese eure Stadt bestehen." (2)
Das alte Wort "Macht euch die Erde untertan" haben wir bisher befolgt, ein einseitiges Herrenwort, und Friedenserziehung kann nur heißen, in der Interaktion mit unserer Umwelt weniger zu herrschen, die Untertänin Natur zu erkennen als unsere Mutter, die Wirklichkeit des Alltags zu erkennen als den Stoff unserer Gedanken, als das Vorbild für Krieg oder für Frieden. Nicht, daß wir keine großen und kleinen Vorbilder hätten - es fehlt nur das Zerreißen des Schleiers zwischen unserer Scheinwelt der Größe und Sicherheit und dem Erkennen der Wirklichkeit, und die heißt Interdependenz oder auch Teilhabe an der Natur, an allem, was lebt, mit dem wir tausendfach durch Nabelschnüre verbunden sind. Auf die Dauer kann das Teil nicht das Ganze kontrollieren und nur ein Einschwingen in den Takt des Ganzen, den wir nicht schlagen, erlaubt Bewegung. (3)
Oder sind wir Zauberlehrlinge, im Stupor, die Katastrophe erwartend, die wir selbst vorbereiten? Wenn Erziehung das Vorangehen im Guten ist, dann muß ökologische Pädagogik diesen Namen ablegen. Wir können nicht vorangehen, sondern nur mitten in der Gefahr, in der schlechten und schädlichen Situation solidarisch mit Jüngeren aufbrechen in eine bekannte Richtung, ins offene. Die folgenden Worte von Einstein (4) zeigen sehr deutlich, daß in diesem offenen Raum die ethische Forderung zur Ehrfurcht vor dem Leben (Albert Schweitzer) identisch ist mit ganzheitlichen Wahrnehmungsweisen der Natur und mit ästhetischem Genuß: "Das Menschenwesen ist Teil eines Ganzen, das wir Universum nennen, ein zeitlich und räumlich begrenzter Teil. Der Mensch erfährt sich selbst, seine Gedanken und Gefühle als etwas von allem anderen Getrenntes - eine Art optischer Täuschung seines Bewußtseins. Diese Täuschung ist eine Art Gefängnis für uns, das uns auf unsere persönlichen Wünsche und auf die Zuneigung zu wenigen, uns besonders nahestehenden Personen beschränkt. Unsere Aufgabe muß es sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir den Bereich unseres Mitleidens auf alle lebenden Geschöpfe und auf die ganze Natur in Ihrer Schönheit ausweiten."
Zu 4
Jetzt kommt die Probe aufs Exempel: Geht denn das, ist Friedenserziehung als Interaktion möglich, auch unter erschwerten Bedingungen? Kommt nicht Machtstreben und Auftrumpfen bis hin zur Wut aus der Angst, aus der elementarsten Angst, überwältigt, vernichtet zu werden? Ist es das Aufwachen und Aufwachsen als unterlegenes, ohnmächtiges, nicht durchblickendes Kind, das uns verführt zu den Allmachtsphantasien und Egozentrizitäten, zu starrer Defensive gegenüber Neuem und zum Ausspielen unserer einmal errungenen Dominanz? Natürlich gibt es überall vitale Konkurrenz zwischen Menschen, und natürlich kann die Offenheit jedes Systems - Organismus, Gruppe, Großgruppe als System - wohl nicht grenzenlos sein. Immer bleibt das lebendige Wesen auch eingesperrt in sein So-Sein, gesondert von anderen, angewiesen und isoliert zugleich. Deswegen ist Friedenserziehung hier eine Interaktion des Grenzgehens, der Exzentrik, des bewussten Risikos als Lebensbewegung, als Lernprogramm für Weltbürger oder für arme Pilger - Je nachdem.
Heute ist jedenfalls Friedenserziehung, Menschenerziehung, zu einer nüchternen Form der Nächsten- und Fernstenliebe geworden. Sie ist nichts Besonderes mehr, nichts Neues, nichts darüber hinaus. Neu ist nur die durch Gefahr erzwungene Einlösung des Gebots, die praktische und politische Realisierung, d.h. Entidealisierung desselben: Liebe deinen Nächsten, er ist wie Du (In einer Übersetzung von Martin Buber). Der Idealismus wird von der Not durchlöchert.
Also kann es denn überhaupt nicht sein, daß das Zentrum des Bösen von uns, den Guten, bekämpft werden muß? Waren und sind alle Kreuzzüge Irrtümer? Wie war das mit Hitler? Wo steht der Feind? Außen? Das nüchterne Liebesgebot negiert Bösesein nicht, weder "in" mir noch in Anderen. Es verlangt nur zwei Unterscheidungen: Erstens die Unterscheidung bzw. die Überwindung des Verwechselns von Stärke und Güte oder Recht; zweitens die Unterscheidung von menschlichen Taten und von Menschen erdachten und zugelassenen Verhältnissen, Systemen im unorganischen Sinne.
Die Verwechselung von Überlegenheit oder Stärke mit dem Guten, dem Besseren, dem Rechthaben beruht auf unserer Kurzsichtigkeit und Beschränktheit. Teile der biologischen Welt scheinen dieses Erfolgsdenken zwar zu stützen - aber seit David und Goliath können wir es besser wissen. Wir haben noch kaum angefangen, bei Gandhi in die Schule zu gehen. Die Kreatürlichkeit kann auch anderes als Überlegenheit von Stärke lehren: Aus dem Anderen, dem Fremden, dem Bedrohlichen wird dann ein Feind, wenn ich mich durch ihn oder es bedroht fühle. Wenn ich ihn nicht bedrohe, aber meinen Weg gehe, ist das dann nicht mein Beitrag, mein einzig möglicher Beitrag zu "vertrauensbildenden Maßnahmen"? So gut ist es also nicht, nicht in jedem Fall, stark zu sein. Das können Frauen besser wissen als Männer.
Viel schwieriger scheint mir die Unterscheidung von menschlichen Taten und den geronnenen Verhältnissen zu sein. Ein Polit-Büro, ein Pentagon, eine Europäische Gemeinschaft etc. widersetzt sich jeder Inter-Aktion, erlaubt weder Nächstenliebe noch Widerstand, erklärt sich Demonstrationen mit Blutspritzern z.B. und Menschenteppichen gegenüber für unzuständig, ist zwar von Menschen beauftragt und gebildet, hat aber anderes zu tun, als von Mensch zu Mensch zu denken und zu handeln. Vielleicht sind verselbständigte Systeme unsere Feinde? Vielleicht heißt Friedenserziehung hier nur: Unterwirf dich keiner anonymen Macht. Interagiere nicht. Vielleicht heißt das: Laßt uns im Erleiden des Falschen, Schlechten, des Banalen und Bösen nicht aufhören, uns selbst und andere zu achten. Laßt uns die schlechte Normalität, laßt uns die zur Struktur gewordene Feindschaft der Enttäuschten nicht als Freibrief dafür nehmen, selber mittelmäßig und systemgerecht zu resignieren, mitzuspielen, um der Macht willen. Vertrauensbildende Maßnahme Nr. 1 ist hier: ökologisch denken und handeln, d.h. doch entsprechend der Logik des menschlichen Beieinanderwohnens.
Ob das in den verhärteten Systemen unserer Zeit geht? Bisher ließen sich Konturen erkennen im Halbdunkel: Das also kann Friedenserziehung sein. Ist sie es? Ist sie denn da? Kann sie so existieren und wirken?
Ich komme nun zur Frage, was Friedenserziehung in diesem Sinne behindert, was unklar ist. Meine bisherigen Bemerkungen könnten ja verstanden werden als Aufforderung oder gar Anweisung: So macht man das. Oder, noch schlimmer, als unverbindliche pädagogische Poesie. Die Gefahr abgehobener Theoriebildung oder schönen Scheins droht in jedem Augenblick. Es kann sein, daß ebenso wie jeder kranke oder alte Mensch nicht stündlich vis-a-vis mit seinem Ende lebt, daß so wir Zeitgenossen uns etwas vormachen - z.B. auch Theorie und mögliche Praxis der Friedenserziehung. Stattdessen wäre zu fragen: Wie lebt man angesichts des Unerträglichen? Wie werden die Gewalttäter und die Gewalt-Zulasser unter uns abgerichtet? Dies sind zwei verschiedene Fragen.
Zunächst zur ersten Frage. Wie lebt man angesichts des Unerträglichen? Der Richter Martin Diem, Sigmaringen, hat zusammen mit anderen eine Verfassungsklage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht, in der er ausführt, wie und wodurch die Regierung der Bundesrepublik Deutschland gegen das Grundgesetz verstößt. Er fühlt sich und die seinen in der physischen und personalen Existenz so bedroht, daß er ausführt: "Die menschliche Seele geht nicht ohne gegenwärtige Beschädigung mit der Wahrscheinlichkeit alsbaldiger Vernichtung um. Meine Menschenwürde und die meiner Kinder ist weiter dadurch verletzt, daß unsere Möglichkeiten, uns als sittliche Persönlichkeiten zum Nächsten als Du zu verhalten, beschränkt werden und durch den anstehenden neuen Schub an Unmenschlichkeit entscheidend weiter beschränkt werden. Sehr viele Menschen versuchen, die Bedrohung der Zukunft dadurch auszuhalten, daß diese innerlich gerechtfertigt wird. Indem die Bedrohung durch einen Feind auf einen Feind verlagert wird, den es im Ernstfall zu vernichten gilt wie massenhaftes Ungeziefer oder als Zentrum des Bösen, wie sich Reagan ausgedrückt hat."
Hier ist jemand überzeugt, daß wir nicht unbeschadet mit den Mitteln der Rüstungsabschreckung etwas zu schützen versuchen, das durch diesen Schutz mehr und mehr verdirbt. Aber er, Diem, leistet Widerstand gegen "das System" und seine Protagonisten, er läßt sich - als Beamter - nicht abschrecken. Im Protest stellt er, und stellen vielleicht auch wir anderen, fest, wo wir nicht kooperieren dürfen, wo Interaktion Im Mut besteht, Nein zu sagen.
Wie aber, das war der Inhalt der zweiten Frage, werden Menschen rekrutiert (!) zu Dienern der Gewalt? Was haben sie erlebt, daß sie nun Folterknechte sind, mobile Einsatztruppen, Spezialpolizei, Technologen der Machtausübung, Wissenschaftler im Kriegsdienst, Ideologieproduzenten, hochbezahlte Ablenker etc.? Seit Adorno u.a. die Studie über den Autoritären Charakter vorlegten (1950), können wir wissen, wie im Inneren des Menschen die Positionen gebildet werden, die dann Taten heraufführen, wie interaktionistisch es "in" uns zugeht, mit uns umgeht, von uns ausgeht. Freud hatte nicht recht mit seiner Triebmetaphysik, er hatte aber nur allzu recht mit seinem Blick auf die verborgen bleibende Dynamik, die aus früheren Handlungen mit uns gespeist wird und wiederum zu Handlungen, die von uns ausgehen, treibt.
Chaim Shatan (5) hat als Psychoanalytiker und als Berater der Arbeitsgruppe von Vietnam-Veteranen gewirkt. Sein Beitrag enthält in erschütternder Dichte das moderne Rüstzeug des Unmenschen und seiner Kriegserziehung. Wie wird aus dem Opfer der Täter? "Institutionalisierte Brutalität, konstante Deprivation und Gewöhnung ans Erdulden fördern De-lndividuation und psychische Regression. Regression in frühere Stufen der Entwicklung begünstigt Abhängigkeit, Verlust von Selbstachtung und Unterwerfung. Diese bestärken blinden Gehorsam und reflexartige, taktische Reaktion auf jede Art von Bedrohung." Genauer habe ich das noch nie gelesen. So wird es gemacht - das ist das Pendant zu unserer Friedenserziehung, und die Produkte dieser Erziehung hat Shatan jahrelang gekannt, behandelt, sich in sie eingefühlt, bis zur eigenen Identifikation. (Der Autor teilt übrigens mit, daß er erst nach vierjähriger Praxis mit Kriegsveteranen und der Begleitung von deren Weg erstmalig vermocht habe, Überlebenden aus Konzentrationslagern zuzuhören. Die Leiden der Opfer sind noch schwerer nachzuvollziehen als die Verwüstungen der Täter: "Während des Unterrichts schießen Instruktoren plötzlich mal in die Wand, in den Boden, in den Tisch." Shatan beschreibt die Abrichtung zum Krieg).
Das ist auch Interaktion, wenn auch erzwungene, partielle, pervertierte, und sie wirkt bei den jungen Männern während der letzten entscheidenden Phase vor Ihrem Erwachsenwerden. Statt der Identität bilden sie eine weggeliehene, ausgehängte Un-Person aus, über die verfügt werden kann. Shatan entwickelt aus seinen Erfahrungen die "psychohistorische Hypothese", daß durch die Differenzierung, besser durch die Entfernung der beiden Geschlechter voneinander die Männer Zärtlichkeit und Trauer verlernen mußten und, weil besonders diese nicht zu unterdrücken war, sie, die Trauer, "militarisiert" werden mußte. Damit meint er das Ersticken des Schmerzes und der Anerkennung des Verlustes in Aggression, in Rache und in Verachtung von Schwäche. Nichts mehr erinnert an den ritterlichen Kämpfer, den es doch einmal - wann? - gegeben hat. Ganz folgerichtig muß der junge Soldat abgetrennt werden von seinen Liebesbindungen. Nur die Symbiose mit dem militärischen Verband zählt, "das Über-lch wird liquidiert", und als Ersatzbefriedigung darf der Kämpfer paranoid das Böse im Feinde niedermachen.
Shatan kommt zu dem Beschluß, daß es die Schmerzen und die Trauer sind, die uns wandeln können und die uns vor der Grausamkeit beschützen. Als "Alternativmodelle für das Mannwerden" empfiehlt er, "die Abgründe zwischen den emotionalen Bereichen, die dem einen Geschlecht zugewiesen und dem anderen verweigert sind, zu überbrücken." Das ist in großer Nähe angesiedelt zu Christa Wolf, wenn sie Kassandra zu Aineas sagen läßt:
"Der Schmerz soll uns an uns erinnern. An ihm werden wir uns später, wenn wir uns wiedertreffen, falls es ein Später gibt, erkennen. (6)
Wie kann ein solcher Anruf verstanden und aufgenommen werden? Was bedeutet er praktisch und theoretisch?
Natürlich läßt sich sowohl aus Shatans Überbrückungsvorschlag als auch aus Christa Wolfs tiefster Konsequenz etwas entnehmen, was unmittelbar in der Praxis von Kindergärten und Schulen, Elternkursen und Jugendgruppen gebraucht wird. Wenn dies auch keine Rezepte sind, Wegweiser sind es schon. Für mich ist allerdings noch etwas anderes wichtig, entscheidend: Wenn Friedenserziehung Interaktion ist und sich als solche zwischen Personen ereignet, aber Kriegserziehung ebenfalls - wie ist dann die offensichtliche Determination zu durchbrechen, die festzulegen scheint, was dem einen und was dem anderen zugeteilt und zugemutet wird und wozu die jeweilige Formung in der Kindheit führt? Woher kommen denn Erkenntnis, Wille und Hoffnung zur Friedensarbeit? Liegt alles beschlossen in den frühen Jahren, wird tradiert von den Familien, so oder so, in gefährlicher oder in segensreicher Interaktion? Wo ist die Möglichkeit, Frieden zu lernen, außerhalb und nach der glücklichen Kindheit?
Zwei Erfahrungen der letzten Zeit sprechen gegen eine scheinbar eindeutige und eher entmutigende Linearität, entmutigend deshalb, weil es mehr prägende Militaristen als Friedensarbeiter in unserem Lande gibt.
1. Die Friedensbewegung erzieht Erwachsene und Jüngere gleichzeitig - sie ist insofern das Ende der intentionalen Pädagogik, als sie keine oder kaum souveräne Erwachsene kennt, die Kindern viel voraus haben, sondern eher Solidargemeinschaften der Aufgestörten, der gemeinsam in eine Richtung Schauenden. Hierfür ist sehr bezeichnend z.B. die Diskussion zwischen Eltern, die ihre Kinder ein ganzes Stück weit in die Friedensarbeit einbeziehen, mitnehmen, und solchen Eltern, die das für unverantwortlich halten. Sicher gibt es einen Ernst der Lage, der keinen gesonderten Kinder-Raum mehr zuläßt. Oft frage ich mich, wie die Pädagogik während der Wüstenwanderung der Juden des Alten Testaments wohl ausgesehen haben mag...
2. In einem friedenspädagogischen Seminar erhoben wir unsere Kindheitsmuster, die jeder als wichtig für das heutige friedenspolitische Engagement erinnerte. Es stellte sich heraus, daß es sowohl Vorbilder waren als auch Gegenbilder, daß es sowohl Bilder des Nachstrebens wie des Widerstandes waren. Wir können Nahrung ziehen aus verschiedenen Böden - bis zu einem gewissen Grade - und wir können trotz oder wegen unserer Erlebnisse so oder so leben, arbeiten.
Diese Unsicherheit in den Kausalreihen weist darauf hin, wie wenig linear, wie ganzheitlich und wie beweglich das wirkt, was wir Lebens-Leit-Bilder, Lebens-Themen nennen. Nur an den extremen Rändern ist offenbar eindeutig, was wie einwirkt. Sonst aber, wenn und solange wir Luft und Spielraum haben - wievielen fehlt beides -, ist diese Ganzheitlichkeit, diese Unfestigkeit und Unfertigkeit des Kontextes unsere Hoffnung und kann unser Bemühen stärken. Wie das? Ich sehe drei Möglichkeiten.
1. Die Berechenbarkeit kann nicht unser Hauptanliegen sein. Neben der genauen Analyse und der Kalkulation, die wir brauchen, nicht nur bei Raketen, steht der Aufbruch aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit (Kant), die denkende und praktische Entscheidung und die Inter-Aktion mit nicht-hierarchischen Vor-Bildern. Ich nenne drei solche möglichen Vor-Bilder aus vielen anderen. Z.B. den Brunnenbohrer als ein Vor-Blld der Tiefe, die verschüttet ist, aber wieder freigelegt werden kann, nach der Formulierung aus dem 84. Psalm, Vers 7: "Wohl den Menschen..., die durch das Jammertal gehen und machen daselbst Brunnen." Ich denke weiter etwa an den Lückenverzäuner als Vor-Bild der Verbindung von Divergentem, das entfremdet ist und so nichts nützt, etwa nach dem Propheten Jesaia, Kapitel 58, Vers 12, wo dieser Gedanke in Verbindung gebracht wird mit dem Wohltun: "...und sollst heißen: der die Lücken verzäunt und die Wege bessert, daß man da wohnen möge." - Ich denke weiter an die gänzlich paradoxe sogenannte heilige Familie als Vor-Bild, besonders in der Weihnachtszeit, nämlich an die heilige Familie, in der der Vater eher unmännlich erscheint, eher dient als herrscht, in der sogar seine Vaterschaft unklar ist, und in der er hauptsächlich warten muß; an die Mutter, die aus allen Bindungen herausspringt, eher stark ist als milde, die Angewiesenheit nicht verwechselt mit Abhängigkeit; das Kind schließlich, das nicht erzogen wird, ein Eigenwesen ist, um dessentwillen die anderen, die Eltern, handeln und leiden, ein Eigenwesen, das als Potentialität verehrt wird.
2. Die Wahrheit und der Frieden sind keine Institution und können von uns nicht "gehabt" werden. Wir schwanken hin und her zwischen Dogmatismus, Rechthaberei und Ziellosigkeit, aber wir können mehr nicht erkennen als eine Richtung, ein Muster, eine Gangart. In bezug darauf können wir eindeutig sein, sonst ist Toleranz die Bedingung unseres Lebens, hinter die wir nicht mehr zurückkönnen.
3. Die Systemtheorie hat uns allerhand zu sagen. Merkwürdigerweise spricht sowohl der enttäuschte Soziologe vom System, wenn er unsere Unfähigkeit zur direkten verändernden Interaktion und die scheinbar geschlossenen, unangreifbaren "Sachzwänge" meint, aber auch der Biologe und der Philosoph, wenn diese unsere Interdependenz und unsere partielle Autonomie als Organismus mit anderen Organismen kennzeichnen wollen. Im letzteren Verständnis sind wir Teil, aber auch Eigenwesen, sind verknüpft wie Capra "als Physiker" schreibt, in einem komplexen Gewebe von Beziehungen", und zwar derart, daß "Grundprinzipien der Organisation", insbesondere der Selbstorganisation, nicht feste Grundbausteine uns bedingen. (7) "Systemdenken ist immer Prozeßdenken; Form wird assoziiert mit Prozeß, Verknüpfung mit Wechselwirkung. Gegensätze werden durch Schwingungen vereinigt." - "Die Theorie der Selbstorganisation beschreibt...einerseits Prozesse der Selbsterhaltung..., andererseits die Tendenz zur Selbsttranszendenz." (8) Wenn das biologisch, psychologisch, medizinisch und ethnologisch "stimmt", dann kann Friedensarbeit daraus eine Bestätigung ihrer Arbeitsrichtungen ableiten: Wir wollen ja Kleinheit, Überschaubarkeit, menschliche Maße, Direktheit, Unverfügbarkeit, und wir brauchen Universalität, Internationalität, Grenzüberschreitung, Perspektive. Wir brauchen also das Prinzip der Selbsterhaltung und die Tendenz zur Selbsttranszendenz, und das beides in gleicher Stärke und in ununterbrochener Wechselwirkung. Es hat sich schon gezeigt, daß die Friedensbewegungen vieler Länder sich in diesem doppelten Anspruch verstehen und unterstützen, interagieren können. Das Macht-Konstrukt dazwischen - der Staat, der Block - ist die Gefahr.
Am Schluß steht die Anfangsfrage, was nämlich diese Denkbemühung, die sich auf bewegende Interaktion richtet, selber bewegt. Die Antwort ist offen, ebenso wie die Sache und die Anstrengung offen ist, die uns zusammenführt. Der Blick auf Friedenserziehung als Interaktion fordert und fördert Bewegung. Dabei werden nahezu alle bisherigen wissenschaftlichen Zugänge zur Erziehungswirklichkeit und zur Erziehungsmöglichkeit gebraucht und einbezogen. Die Hermeneutik tritt aus ihrem scheinbaren Nur-Verstehen heraus und schärft sich an der Perspektiven-Diskussion. Die Kritische Theorie schaut genauer und duldsamer hin, was schon zu sehen ist, und gewinnt dadurch an Fülle und an Farbe. Die Empirie, die vor lauter genauem Prüfen und Rechnen das Handeln oft nicht erreichte, trifft auf die Praxistheorie, die ihrerseits so leicht den Überblick verliert. Zusammen können sie vielleicht dem Mißbrauch leichter entkommen, der darin liegt, den Menschen um sogenannter höherer Zwecke willen abzurichten. Wenn Menschen Frieden brauchen, zuallererst und zuallerinnerst, zuerst und zuletzt, dann müssen und dann können sie sich und einander interagierend dorthin in Bewegung setzen, wo sie keinen Krieg führen müssen, die Katastrophen fürchtend und der möglichen Rettung eingedenkend, sie findend als ein Muster und erfindend als einen Plan. Dazu kann die Wissenschaft von der Erziehung dienend ihr Teil beitragen.
Anmerkungen
(1) Heer, Friedrich, Krieg und Frieden, in: Niess (Hrsg.), Zum Krieg geboren - fähig zum Frieden? Freiburg/Heidelberg 1983, S. 24
(2) Wolf, C., Kassandra, S. 132
(3) vgl. Bateson, G., Ökologie des Geistes, Frankfurt/Main 1981, S. 563
(4) zit. nach Nagler, N., Friede als Paradigmenwechsel, in: R. Lutz (Hrsg.), Bewußtseinsrevolution, Weinhelm und Basel 1983, S. 158
(5) Shatan, C., Militarisierte Trauer und Rachezermoniell, in: P. Passett/E. Modena, Krieg und Frieden aus psychoanalytischer Sicht, Basel und Frankfurt/Main 1983
(6) Wolf, C., Kassandra, S. 156
(7) Capra, F., Krise und Wandel in Wissenschaft und Gesellschaft, in: F. Lutz (Hrsg.) Bewußtseinsrevolution, Weinheim und Basel 1983
(8) Capra, F., 1983, 31-32