Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Christel Küpper: Studiengesellschaft für Friedensforschung München (1973)

Die Studiengesellschaft, die bereits 1958 (als erste Gründung im Bereich der Friedensforschung in der BRD) ihre Arbeit aufnahm, versuchte in den ersten Jahren ihres Bestehens durch Publikationen (Arbeitsplan mit Katalog von für die Friedenssicherung vorrangigen Themen aus den verschiedenen Disziplinen - 1958 - Noel-Baker, Wettlauf der Waffen, 1959; Küpper - Bericht über Aufbau und Entwicklung friedenswissenschaftlicher Forschung in Amerika, Kanada und Europa, 1962; Norman Alcock, Die Brücke der Vernunft, 1962) Notwendigkeit und Aufgaben der Friedensforschung zur öffentlichen Diskussion zu stellen. Damit und durch Kontaktaufnahme mit in- und ausländischen Universitäten, Instituten und Persönlichkeiten leistete sie vorbereitende Arbeit für die seit 1969/70 in Gang gekommene Entwicklung der Friedensforschung in der BRD. Sie vergab bereits 1961/62 die ersten Forschungsaufträge zu einschlägigen Themen (Biglmaier, Untersuchung über Kriegs-, Antikriegs- und Friedensfilme 1945 bis 1960 in der BRD; Molnos, Das Problem der Sprache in seiner Bedeutung für Entspannung und Frieden; Wolff, Autoritarismus und seine Bedeutung für die Friedensgefährdung).

Seit 1966 legt sie das Schwergewicht ihrer Arbeit auf die Friedenserziehung. Sie sieht ihre Aufgabe in den Problembereichen
- der Theorie einer Erziehung zum Frieden,
- der Didaktik der Friedenserziehung,
- der Einführung in friedenspädagogische Fragestellungen für Pädagogen unter Auswertung der Ergebnisse sozial- und erziehungswissenschaftlicher Forschung,
-der Entwicklung von Unterrichtsmodellen und Projekten für die schulische und außerschulische Arbeit.

Die Ergebnisse einer ersten Studientagung 1968, die Theoretiker und Praktiker unter dem Thema Frieden im Blickpunkt der Pädagogik zusammenführte und auf der an Unterrichtsbeispielen mit drei Klassen von Volks- und Höheren Schulen Fragen der Vermittlung diskutiert wurden, wurden veröffentlicht. Die ersten erarbeiteten Ansätze zu friedenspädagogischen Problemstellungen wurden 1969 zusammen gefaßt und in einer Veröffentlichung zur Diskussion gestellt. Diese Grundlegung zur Friedenserziehung ist zur Zeit in Neubearbeitung, da sie dem jetzigen Stand der Diskussion, besonders unter dem Aspekt der kritischen Friedensforschung, nicht mehr entspricht. 1970 brachte die Studiengesellschaft eine Übersetzung aus dem Niederländischen, Friedenserziehung im Schulunterricht, heraus, die ihr besonders im Hinblick auf das konkrete, pragmatische Herangehen an die Probleme der Friedenspädagogik und unter dem Aspekt des besonderen Theorie Praxis-Verhältnisses anregend erschien.

Als Ergebnis der wissenschaftlichen Arbeit des multidisziplinären Mitarbeiter-Teams der Studiengesellschaft, dem Vertreter verschiedener, für die Friedenspädagogik besonders relevanter Disziplinen (Psychologie, Soziologie, Politikwissenschaft, Pädagogik) angehören, konnten an wissenschaftlichen Studien vorgelegt werden oder befinden sich in Arbeit:
- Pädagogische und didaktische Überlegungen zur Überwindung von Bedrohungsvorstellungen in Erziehungsprozessen (Jahrbuch für Friedens- und Konfliktforschung, Bd. I/1971);
- Vorurteile, Diskriminierung, Freund-Feind-Bilder - eine wissenschaftliche Studie als Grundlage für die Erarbeitung didaktischer Modelle, 1971;
- Forschungsberichte aus für die Friedenspädagogik relevanten Disziplinen, 1973 (von der DGFK gefördert);
- Unterrichtsmodelle zur Friedenserziehung mit Einführung in Theorie und Praxis der Friedenserziehung und begleitendem Reader.

Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit der Studiengesellschaft liegt auf der Erarbeitung von Unterrichtsmodellen.
Unterrichtsmodelle zur Friedenserziehung wurden bisher zu folgenden Themen veröffentlicht:
- Gabler, Probleme der Entwicklungsländer - Das Beispiel Bolivien, 1971;
- Winkhaus, Hilft nur noch Gewalt? - Gewaltsame und gewaltlose Aktionen in Lateinamerika, 1971;
- Ullmann, Zum Thema Aggression, 1971;
- Rauch, Aggressivität in der Sprache, 1971;
- Kühn/Genger/Haffmanns, Historisch-politische Friedenserziehung; Der erste Weltkrieg; Karl Marx im Unterricht, 1972;
- Ackermann u. a., Politisches Lernen in der Grundschule, 1973;
- Ullmann, Aggression und Schule, 1973 (z. Z. im Druck);
- Müller/Essinger, Minderheiten in unserer Gesellschaft; Gastarbeiter (z. Z. in Vorbereitung);
- Böhme-Lotz, UNO - Eine Chance für den Frieden? (z. Z. in Vorbereitung).

Jedem dieser Modelle sind eine Einführung in die jeweilige Problemstellung sowie didaktische Erörterungen vorangestellt und ein Materialteil beigegeben. Diese Reihe, erst im Selbstverlag der Studiengesellschaft veröffentlicht, erscheint seit 1972 im Verlag Kösel, München, als Schriftenreihe: Unterrichtsmodelle zur Friedenserziehung, herausgegeben von Christel Küpper.
Bei den noch fehlenden gesicherten Grundlagen über Anlage und Effektivität von Unterrichtsmodellen will die Studiengesellschaft mit dieser Reihe zur Weiterentwicklung und Strukturierung des neuen pädagogischen Lernfeldes beitragen und gleichzeitig dem Bedürfnis des praktischen Pädagogen nach didaktisch reflektierten Modellen und nach Anregung für die Vermittlung friedenspädagogischer Inhalte unter den ihm gestellten schulischen Bedingungen entgegenkommen.

Laufende Kontakte mit den verschiedenen Bereichen der Friedenserziehung hat die Studiengesellschaft nicht nur auf den zahlreichen Seminaren und Tagungen, an denen sie durch Referenten oder Teilnehmer vertreten ist, sondern vor allem durch ihre umfangreiche Informations- und Beratungstätigkeit bei Lehrern, Doktoranden, studentischen Arbeitsgemeinschaften, Universitätslehrstühlen, Pädagogischen Gruppen und Verbänden. Diese Beratungstätigkeit nimmt laufend zu und hat im Jahre 1972 bereits den Umfang von rund 3000 jährlichen Zuschriften angenommen. Die Beratungstätigkeit vermittelt gute Informationen über die Bedürfnisse der verschiedenen Gruppen von Multiplikatoren und bringt die Studiengesellschaft mit den vielerlei Aktivitäten der Gruppen in Verbindung. Oft ergeben sich aus diesen Kontakten Arbeitsverbindungen - etwa für die Erarbeitung oder Erprobung von Unterrichtsmodellen - und ermöglichen eine Orientierung über potentielle Mitarbeiter.
Die organisatorische Form der Studiengesellschaft ist die eines e. V. Die Finanzierung ihrer Arbeit erfolgt durch Förderer- und Mitgliedsbeiträge und durch die im Rahmen der Wissenschaftsförderung für die Durchführung von bestimmten Projekten bewilligten Mittel. Ein Problem, das sich der inzwischen umfangreich entwickelten Arbeit immer wieder stellt, ist die unzureichende Grundfinanzierung, die die Durchführung der laufenden Arbeit und der jeweiligen Forschungsprojekte gewährleistet. Es besteht immer noch eine Diskrepanz zwischen den anfallenden Aufgaben, der Zahl der kontinuierlichen Mitarbeiter und den organisatorischen und räumlichen Bedingungen. Die Studiengesellschaft hofft, im kommenden Jahr für diese Probleme eine Lösung zu finden.
Abschließend mag noch darauf hingewiesen werden, daß ein für Ende dieses Jahres vorgesehenes und von der DGFK gefördertes Expertengespräch sich mit der Frage der Eigenständigkeit der Friedenserziehung (in Abgrenzung zur emanzipatorischen Erziehung, zur politischen Bildung), ihrem Standort in der allgemeinen Erziehungswissenschaft und ihrem Verhältnis zur Friedensforschung sowie mit den bisher vorliegenden Ansätzen aus dem Gebiet der Forschung, der Methoden und der Strategien der Vermittlung befassen wird. Schließlich ist unter Weiterführung einer schon vor einem Jahr gegründeten Arbeitsgemeinschaft ein ständiges örtliches Forum „Wissenschaft und Praxis der Friedenspädagogik" vorgesehen, das sich mit der Rückkoppelung zwischen Forschung und Praxis im Bereich von Schule, Erwachsenenbildung und Medienpädagogik befassen soll und an Berichten aus der Praxis die inhaltlichen und methodischen Fragen der Vermittlung behandelt. Als Teilnehmer an dieser Arbeitsgemeinschaft sind in Aussicht genommen Vertreter von Lehrstühlen, Medieninstituten, Erwachsenenbildung, außerschulischer Jugendarbeit, studentischen Arbeitskreisen und der Friedensbewegung.

Zu den Personalverhältnissen der Studiengesellschaft:

Dem Beirat gehören an: Gymn.-Professor Josef Baudrexl, 1. Vorsitzender des Bayr. Volkshochschulverbandes, München - Wilhelm Ebert, Präsident des Bayr. Lehrer- und Lehrerinnen-Vereins, München - Professor Dr. Walter Fabian, Universität Frankfurt - Professor Dr. Hans Jochen Gamm, Techn. Hochschule Darmstadt - Professor Ferdinand Kopp, Pädagogische Hochschule, München - Dr. Friedrich Minssen, Leiter des Studienbüros für politische Bildung, Frankfurt - Professor Dr. Anton Neuhäusler, Universität München - Dr. Franz Rieger, Direktor der Volkshochschule München - Professor Dr. Wolfgang Scheibe, Universität München - Walter Schert, Direktor der Internationalen Jugendbibliothek, München - Professor Dr. Hans Schiefele, Universität München, Dr.-Ing. Franz Wuesthoff, München.
Dem Vorstand gehören an: C. Küpper, Vorsitzende - Dr. Friedrich Minssen - Professor W. Troeger - Studienrat Gerhard Kaindl - Frau C. Pleister und Dipl.-Psych. G. Brinkmann.
Wissenschaftliche Mitarbeiter: Gerhard Brinkmann, Manfred Jander, Gerhard Kaindl, Christel Küpper und die Autoren von den veröffentlichten Modellen.

Aus: Christel Küpper: Studiengesellschaft für Friedensforschung München. In: Deutsche Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung: DGFK-Informationen 3/73. Bad Godesberg 1973, S. 17-19

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