Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Arno Klönne: Friede und politische Bildung (1971)

Didaktische Prinzipien einer Friedenspädagogik:

1. Friedenspädagogik heute muß gerade in Zeiten der Entspannung zwischen den Großmächten als Korrektiv gegen die damit eintretende falsche Beruhigung der öffentlichen Meinung wirken, indem sie Kalkulationsfähigkeit hinsichtlich der möglichen direkten und der bereits wirklichen indirekten Folgen der Produktion von Massenvernichtungsmitteln zu einem ihrer zentralen Ziele macht. S. 205

2. Wer Einsichten und Verhaltensweisen vermitteln will, die auf Vermeidung der technisch möglichen Selbstvernichtung der Weltgesellschaft heute und zugleich auf Vorbereitung einer von antagonistischen Konflikten freien Weltgesellschaft morgen hinzielen, der kann nicht umhin, revolutionäre Gewalt unterhalb der Schwelle der Großkriege, also die ultima ratio der Befreiungsbewegungen der Dritten Welt, dem öffentlichen Bewußtsein der Industriestaaten als möglicherweise legitim begreifbar zu machen, zugleich aber für die notwendigen gesellschaftlichen Umwälzungen in den Industriestaaten selbst andere, neue Instrumentarien zu entwickeln, die jene Funktion ausfüllen können, die in der Geschichte auch der industrialisierten Regionen einst "direkte" und "einmalige" revolutionäre Aktionen ausgefüllt haben. Dabei geht es weniger um "zivile Verteidigung" im Denkschema der traditionellen Landnahme-Kriege, sondern weit mehr um "zivile" Methoden einer auf gesellschaftliche Strukturveränderungen abzielenden Offensive, um Methoden, die sowohl das Risiko kriegerischer Entladung wie auch das in hochentwickelten Industriestaaten nicht mehr tragbare Risiko des Zusammenbruchs der gesellschaftlich-technischen Reproduktion ausschließen. Insofern gehört die Neudefinition des Begriffs "revolutionärer" Methode zum thematischen Kernbestand jeder Friedenspädagogik. S. 206

3. Angesichts der nun Realität werdenden globalen Interdependenz aller gesellschaftlichen Abläufe und Handlungen und Handlungsfolgen ergibt sich zwingend die Notwendigkeit der Anerkennung von planetarischen normativen Prioritäten, denen sich alle anderen Normen in der Rangfolge unterzuordnen haben; diese Prioritäten finden in den Konzepten eines "Weltfriedens durch ein neues Weltrecht" einen ersten, noch tastenden und in vieler Hinsicht inhaltlich erst noch auszufüllenden Ausdruck. ...(S. 207/208)

4. Friedenspädagogik hat nicht auf eine Welt der Blumenkinder vorzubereiten, sondern auf Sozialisationsleistungen, die historisch ohne Beispiel sind und denen gegenüber die derzeit gängige Auffassung von "Selbstbestimmung" zu einem agrargesellschaftlichen Relikt verblaßt.

Insofern ist Friedenspädagogik Teil eines Lernprozesses, der fast auf so etwas wie eine soziale Mutation hinauskommen muß, wenn die in der bisherigen Menschheitsgeschichte gewonnenen Leitbilder "Demokratie und Menschenrechte" unter den Reproduktionsbedingungen der Welt von morgen realisiert werden sollen.

Arno Klönne: Friede und politische Bildung. In: Werkhefte 7/71, S. 208

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