Home / Themen / Friedenserziehung / Friedenspädagog... / 1960 - 1970 / Karl Friedrich Roth: Pädagogik und Friedenssicherung (1968)
Voraussetzung der Forderung, für den Frieden zu erziehen
In den verflossenen Jahren ist die Forderung, Friedensbereitschaft durch eine Erziehung zum Frieden zu fördern, von immer mehr Seiten immer lauter erhoben worden. Diese Bewegung scheint sich in Zukunft noch zu verstärken, wenn man etwa daran denkt, daß der Deutsche Evangelische Kirchentag in Hannover das Thema der Friedensgewinnung und Friedenssicherung sowie eine Bildung zu Friedensgesinnung zu einem Hauptthema seiner Beratungen gemacht hat.
Nicht erwähnenswert erscheint es, daß die bedeutende Vierteljahresschrift der Evang. Akademikerschaft in Deutschland, "Radius", in ihrer Septemberheft-Nummer des vorvergangenen Jahres einen Bemerkenswerten Aufsatz des Privatdozenten für systematische Theologie an der Universität Hamburg, Dr.Hans Schmidt, veröffentlichte, der unter dem Titel "Einberufung zum Frieden" nach einer Darstellung der Krise des religionslosen Weltverhaltens "Friede" als Leitwert des gesellschaftlichen Wandels forderte.
Es ist zu einer manchmal billigen Gewohnheit geworden, den Frieden zu loben und geharnischte Erklärungen gegen den Krieg abzugeben sowie sein Verbot zu fordern. Mit Recht wurde gegen solches Verhalten und Verlangen (das auch eine zu wenig durchdachte Erziehung zum Frieden einschließt) geltend gemacht, daß man darüber Wichtiges versäumen könne, nämlich das ernste Bemühen um die Schaffung von tragfähigen Voraussetzungen als Grundlage für den erwünschten Frieden.
Da der Wunsch nach Frieden ohne die Einsicht in solche Voraussetzungen leicht in utopisches Denken ausarten kann, wollen die folgenden Darlegungen versuchen, sich über diese geforderten Grundlagen zu einer sinnvollen und wirkungsvollen Friedensarbeit klar zu werden.
Die Aufgabe erhebt sich besonders dringend vor uns, nachdem in den neuesten Bayerischen Richtlinien für die Volksschulen vom 10. Juli 1966 in den Stoff planen für den Geschichtsunterricht die umfangreiche Unterrichtseinheit "Das Ringen um eine neue Ordnung in der Welt" in die Thematik gipfeln lassen; "Um den Frieden der Welt".
Was meint "Erziehung zum Frieden"?
Die meisten Gedanken um die Friedensthematik führten bisher zu dem Wunsch, einen "Wandel im Denken" durch Bildung herbeizuführen.
Das kann aber nur geschehen, wenn grundsätzliche Einsichten in den Gesichtskreis rücken und anerkannt werden, welche die "absolute Notwendigkeit" des Friedens (Albert Einstein im Jahre 1946) begreiflich machen. Es gilt zu erkennen, daß "der bisherige Bildungsertrag aus den alten geistigen Böden für die Herausforderung des Menschen zur Gewinnung eines schöpferischen Weltfriedens als einziger Alternative zum Atomtod nicht mehr ausreicht", wie Oberschulrat Otto Dellner in seinem Grußwort zur Delegiertenversammlung des Bezirksverbandes Schwaben des BLLV im vergangenen Jahr in Oberstdorf ausführte, um daran ein Kapitel über die bildungsmäßige Aufbereitung des von den Wissenschaften zu erschließenden Neulandes anzufügen.
Will man die von den vielerlei Wissenschaftsbereichen gewonnenen neuen Erkenntniserträge kurz zusammengefaßt darstellen, so wären wohl als Fakten, die die heutige Weltsituation bestimmen, zu nennen:
Die Verdoppelung der Weltbevölkerung, die wachsenden Spannungen zwischen reichen und armen Ländern, die Entwicklung von Technik und Verkehr, der Ausbau der internationalen arbeitsteiligen Markt- und Wettbewerbswirtschaft und schließlich die mit der Entwicklung der Kriegstechnik gegebenen Möglichkeiten der Vernichtung der Welt. Diese Faktoren haben eine Abhängigkeit der Menschen der ganzen Welt voneinander geschaffen und sind dabei, die Welt grundlegend zu verändern. Das Tempo der Veränderung und die damit verbundenen Gefahren zwingen dazu, in den Menschen durch Bildungsbemühungen Verhaltensweisen, Einstellungen und Fähigkeiten zu entwickeln, die dieser neuen Weltsituation adäquat sind. Die Vorbereitung der Jugend auf dieser Welt von morgen ist eine der wichtigsten Aufgaben der Erziehung geworden, und Erziehung zur Zukunft ist heute identisch mit Erziehung zum Frieden, zur Weltverantwortung und internationalen Zusammenarbeit. Die Erziehung kann und muß beitragen zu neuen Formen eines sozialen Zusammenwirkens von einzelnen und Völkern und soll politische und soziale Fehlhaltungen der Vergangenheit überwinden helfen. Sie kann die Einseitigkeit der naturwissenschaftlich-technischen Entwicklung durch Einbeziehung der religiösen, sozialen, gesellschaftlichen, kulturellen und menschlichen Probleme dieser Entwicklung ausgleichen. Erziehung zum Frieden meint in diesem Sinne: Zuwachs von Kenntnissen, Veränderung von Einstellung und funktionale sowie intentionale Verhaltenserziehung. Sie wendet sich an Denken und Einsicht, an Erfahrung und Gesinnung. Sie will den sozialen Wandel, die veränderte Welt begreiflich machen, die Fähigkeit zur menschlichen Zusammenarbeit entwickeln und stärken, sowie die Ausschaltung des Krieges in der zukünftigen Entwicklung als notwendig erlebbar machen.
Erziehung zum Frieden kann dazu beitragen, neue Leitbilder zwischenmenschlichen Verhaltens zu entwickeln sowie eine Weltsolidarität und neue Vorstellungs- und Verhaltensmodelle zur Bewältigung der modernen Weltsituation vorzubereiten.
Solche Bemühungen dürften in Deutschland von besonderer Dringlichkeit sein, weil es Gefahrenzone und Spannungsfeld der Weltpolitik ist, weil es ein, noch unsicheres Selbstbild hat, leichter als andere Völker infolge seiner geschichtlichen Entwicklung zu einer Fehleinschätzung seiner Stellung in der Welt neigen kann und erst junge Erfahrungen in der Handhabung der Demokratie besitzt.
Die Konfrontierung der Völker mit der latenten Gefahr der Weltzerstörung erscheint heute notwendiger denn je, da - so bedauerlich es auch sein mag - die weltweite Angst vor einem atomaren Weltkrieg im Augenblick anscheinend stärkster Motor zu einem vernünftigen politischen Handeln ist. Wenn in der jüngsten Gegenwart der Generalsekretär der Vereinten Nationen U Thant, vor dem Europarat in Straßburg gefordert hat, daß die UNO mit der Erstellung eines Berichts beauftragt wurde, der die möglichen Auswirkungen eines Atomkrieges auf die menschliche Zivilisation deutlich machen und in allen Sprachen der Welt verbreitet werden soll, so liegt diese Forderung auf der gleichen Ebene wie die Unterrichtseinheit "Um den Frieden der Welt" der Richtlinien 1966.
Hemmungen gegen notwendige Einsichten
Bislang herrschten im öffentlichen Denken weithin Vorstellungen über das Begriffspaar "Krieg" und "menschlich Natur", die verhinderten, den Frieden als ein geistiges Problem zu sehen. Es ist bemerkenswert, daß im ablaufenden Jahr ein bedeutendes Handbuch für den Erzieher mit dem Titel "Verteidigung der Freiheit - Idee, Weltstrategie, Bundeswehr", das von Emil Obermann mit einem Geleitwort von Bundespräsident Heinrich Lübke unter Mitarbeit von zahlreichen Fachleuten aus Forschung, Verwaltung und Bundeswehr (Stuttgarter Verlagskontor 1966, 614 S.) herausgebracht wurde, u.a. auch die Fragen "Der Krieg vernunftsbedingt?", "Aggressivität umweltbedingt?" und "Kriege unvermeidbar?", interessante Überlegungen anführt, welche die noch häufig im Bewußtsein lebendige biologische Kriegstheorie abwerten und feststellen, daß "Friede in erster Linie ein geistiges Problem" ist, wie schon Leibniz erkannte. Dieser folgerte daraus, daß der Friede nicht durch bloße Untätigkeit, sondern durch machtvolle Anstrengungen erworben wird und daß er nicht als Abbild der Schlaffheit und Verweichlichung dem Ideal des männlich-zuchtvollen Krieges entgegengesetzt werden kann. Für eine ähnliche Abwertung der biologischen Kriegstheorie tritt auch Stanislav Andreski in seiner Darstellung über "Ursprünge des Krieges" ein, wenn er schreibt: "Wenn Menschenwesen tatsächlich mit einer eingeborenen Neigung zum Kriege begabt wären, dann wäre es nicht notwendig, ihnen kriegerische Tugenden beizubringen; und allein die Tatsache, daß in so vielen vergangenen und heutigen Gesellschaften soviel Zeit auf eine solche Indoktrination verwandt worden ist (wozu hinzuzufügen wäre: auch so viele Geldmittel -der Verf.), beweist, daß es keinen Instinkt zum Krieg gibt." (aus: The Natural History of Aggression, Proceedings of a Symposium led at the British Museum - vorhanden im Institut für Philosophie, Pädagogik und Psychologie der TH Darmstadt.)
Man sollte auch erkennen, daß das bei uns häufig beargwöhnte Wort "Pazifismus", das übrigens in anderen Ländern einen wesentlich sympathischeren Begriffsinhalt besitzt, keineswegs mit "Passivismus" etwas zu tun hat.
Es erweist sich heute als notwendig, in breiten Kreisen vor allem der Erzieherschaft, zu erkennen, was psychologische Untersuchungen über Aggression, Hemmungsmechanismus und Kompensationsmöglichkeiten an Einsichten zu Tage gefördert haben, z.B. sind Ursprünge nationalistischer Einstellungen und nationale Vorurteile hier mitgeschaffen worden. Sicher ist die Vorstellung, daß wir uns von der Aggression befreien konnten, Unsinn. „Mit Sicherheit widerspricht alles, was wir vom Verhalten der Menschen in Gruppen wissen, dieser Vorstellung. Es sind ungezählte Versuche unternommen worden, Gemeinschaften zu gründen, in denen es keinen Anlaß zum Streit gäbe - aber es stellt sich immer wieder Streit ein." (2) Anthony Storr schreibt in seinen englischen Untersuchungen über den "möglichen Ersatz für den Krieg": "Wenn man nach der Popularität der Gewalttätigkeit auf dem Bildschirm des Kinos und Fernsehens urteilt, wenn man sich das starke Verlangen vor Augen hält, mit dem wir Box- und Ringkämpfe beobachten und uns über Morde freuen, von denen wir lesen, so scheint es sicher, daß wir automatisch und unausweichlich ständig Gelegenheit für den stellvertretenden Ausdruck unserer aggressiven Triebe suchen", und er fragt weiter: "Kann es sein, daß unsere Form der Zivilisation auf falscher Fährte ist?"
Aggressionstendenzen neutralisieren und umfinalisieren!
Die Frage der Neutralisierung überschüssiger Aggressionstendenzen, über die neben Professor Dr. Konrad Lorenz in seinem Buch "Das sogenannte Böse" - zur Naturgeschichte der Aggression" auch Professor Eckard Hess beherzigenswerte pädagogische Ratschläge gibt, haben zweifellos für die zukünftige Erziehungsarbeit eine eminente Bedeutung, auf die hier aus Raumgründen nicht näher eingegangen werden kann. Ihre Lösung dürfte darin bestehen, Konflikte in Zukunft austragen zu können, ohne Zuflucht zu zerstörerischer Gewalt zu nehmen.
In diesem Zusammenhang erscheint es wichtig, auf eine meines Erachtens gefährliche Überlegung hinzuweisen, die von Friedensfreunden nicht selten angestellt wird, die aber nicht tragfähig ist: Es gibt viele friedenswillige Menschen, die aus der Erkenntnis, daß Aggression in von Armut und Despotismus freien Verhältnissen weniger gedeiht als in anderen, gerne den sympathischen Wunsch äußern, Geld für Wohlfahrt auszugeben.
Z.B wurde errechnet, daß man innerhalb 10 Jahren mit einem Aufwand von 60 Milliarden Dollar den Hunger in der Welt beseitigen könnte (nach Angaben der UNO). Die etwas romantisch anmutende Vorstellung, daß damit Konkurrenzkämpfe zwischen, den Völkern ausgeschaltet werden können, wird noch durch die fälschlicherweise herangezogene Rechnung verschärft, welche besagt, daß die Raumfahrt bis zur Landung des ersten Menschen auf den Mond vermutlich den gleichen Betrag verschlucken wird. Ich meine, man sollte vielmehr erkennen, daß hier zwar Abzweigungen von Geldmitteln für Zwecke der Entwicklungsförderung und Hungerbekämpfung in der armen Hälfte der Welt durchaus überlegenswert und sympathisch sind, daß aber andererseits der Wettlauf um die Beherrschung des Weltraums zugleich die Funktion eines rituellen Konflikts zwischen Ost und West mit der ungefährlichen Abreaktion von Konkurrenztendenzen darstellt und deshalb auch bejaht werden muß. Hier falsche Alternativen zu stellen, dürfte besonders gefährlich sein, wenn man den Gedanken der Friedensgewinnung der Jugend nahebringen will, die einfach vom technischen Fortschritt fasziniert ist und ihn als notwendig ansieht. Die Folgerung daraus kann nur sein: Das eine tun und das andere nicht lassen!
Unsere Überlegungen, die zu der Einsicht führen, daß die Fragwürdigket des "Krieges als Elementarprinzip" heute immer mehr anerkannt wird und die hier nicht weitergeführt werden können, sollen mit einer Meinung aus dem bereits erwähnten Handbuch für Unterrichtende "Verteidigung der Freiheit" abgeschlossen werden: "Der Krieg ist vermeidbar: Der Krieg ist dem Menschen nicht angeboren; er ist ihm anerzogen. Keine Rasse, Nation oder soziale Gruppe ist von Natur aus kriegerisch. Die Frustrationen und Interessenkonflikte, auf denen die Bereitschaft für Angriffskriege beruht, können durch soziale Manipulationen verringert und in andere Richtungen gelenkt werden.
Will man aus den angeführten Einsichten in groben Zügen pädagogische Schlußfolgerungen zusammenfassen, so könnte man (wie es auf einer Sonnenberg-Tagung zum Thema "Erziehung und Bildung für die Welt von morgen" von Prof. Dr. Schomburg, Hannover, dargestellt wurde) die folgenden vier "Triebe", die sich bei einzelnen und Gruppen häufig finden, nennen, die zu erkennen und als Aggressionstendenzen zu bekämpfen, umzulenken, und dadurch zu neutralisieren wären:
1. Das Pochen auf das Faustrecht
2. Der Rassenwahn mit dem Herrenrassengedanken
5. Die aus Bequemlichkeit, Trägheit und Unwissenheit entstehende Tendenz, sich Schlagworten hinzugeben und nicht selbst zu denken
4. Die Neigung zur Ausbeutung des wirtschaftlich Schwächeren.
In der bisherigen Entwicklung der Menschheit boten Kriege tatsächlich oft die Möglichkeit, solche aggressiven Tendenzen gleichsam "legitim" abzureagieren, wobei für den Mann auch die Möglichkeit bestand, sich in Mut und Ausdauer zu erproben. Psychologisch waren in diesen Kriegszeiten unzählige Individuen dafür dankbar, ihre Individualität in einer Masse aufgehen zu lassen, Befehle von „Oben" entgegenzunehmen, die Bürde der bewußten ethischen und moralischen Entscheidung aufzugeben, um "Heldentaten" zu vollbringen.
Angesichts des gemeinsamen Feindes sind die Menschen oft erst Brüder geworden, haben die Schranken der Klasse, der Erziehung oder des Glaubens überschritten, welche im allgemeinen trennten, und in der Kameradschaft des Krieges die Fähigkeit zur Identifizierung mit dem Kameraden als wohltuende Erscheinung empfunden.
Krieg und Frieden in der Schule
Wenn das Begriffspaar "Krieg und Frieden" im Unterricht zum Gegenstand der Betrachtung gemacht wird, so sollte es so geschehen, daß nicht der Krieg, sondern der Friede als das allein erstrebenswerte und für den Fortbestand der Menschheit notwendige Ziel erkannt und bejaht wird. Sicher wird heute niemand mehr einen falschen Heldenmythos erzeugen, der bei Jugendlichen vielleicht noch Gefallen finden könnte, da sie die realen Tatsachen des Krieges, seine Zerstörung und sein Elend schwerlich ganz nachempfinden können. Es geht auf keinen Fall an, die Gefahren des Krieges zu bagatellisieren, aber man soll sie auch nicht überzeichnet darstellen, weil in beiden Fällen die Glaubwürdigkeit der Darbietung leidet.
Für den Erzieher, der selbst den Krieg nicht miterlebt hat, ergeben sich hier ebenfalls Schwierigkeiten. Es ist bemerkenswert, daß in einer Zulassungsarbeit, die von einem Studierenden einer Pädagogischen Hochschule zu dem Thema "Um den Frieden der Welt" angeführt wurde: "Allgemein kann man sagen, daß es dem Lehrer, der selbst noch keinen Krieg erlebt hat, wesentlich schwerer fällt, das richtige Bild aufzuzeigen, als es dem ‚Veteranen' aus einem der beiden Weltkriege fallen wird." Glücklicherweise bietet sich heute in dem "Buch vom Soldaten - Geschichte und Porträt einer umstrittenen Gestalt" von Wolf Schneider (Econ-Verlag, Düsseldorf-Wien 1965) neuerdings eine ausgezeichnete umfassende Darstellung über Soldatentum und Krieg, die jedem Interessenten die notwendige Aufklärung vermittelt. Nicht umsonst ist dieses Werk eines der am meisten diskutierten Bücher des vergangenen Jahres geworden.
Für den Lehrer soll es aber nicht damit abgetan sein, daß er die Grausamkeiten und Schrecken des Krieges aufzeigt, sondern er muß den Schülern den einzigen Ausweg deutlich machen, welcher eine dauerhafte Friedenssicherung gewährleistet. "Neben einer lebendigen Sozialerziehung in der Schule können dabei die einzelnen Fächer aus ihren Aspekten und Sinnzusammenhängen beitragen, Einsichten und Verhaltensweisen zu fördern, die zum Frieden bereit machen (besonders Religion, Geschichte, Erdkunde, Sprachen, Sozialkunde, musische Fächer)."
In der vorstehend angeführten Formulierung hat die kürzlich in München gegründete "Studiengesellschaft für Friedensforschung - Sektion Pädagogik" der maßgebliche bayerische Pädagogen wie Prof. Dr. A. Neuhäusler, Prof. Ferdinand Kopp, der Münchner Volkshochschuldirektor Dr. Franz Rieger, Dr. P.G.Völker (Bayerische Akademie der Wissenschaften) usw. angehören, in ihrer Gründungsversammlung das weite Feld abgesteckt, auf dem zunächst noch eine umfangreiche wissenschaftliche Forschungsarbeit einzusetzen hat. Auf Einzelheiten dieses Vorhabens kann in diesem Rahmen nicht eingegangen werden.
Die Tatsache, daß eine solche Forschungsstelle ins Leben gerufen werden konnte, mag neben anderen Zeitzeichen erkennen lassen, wie sehr die Notwendigkeit einer solchen Arbeit, die in anderen Ländern schon längst angelaufen ist, auch hierzulande erkannt worden ist.
Es dürfte nicht uninteressant sein zu wissen, daß mit ähnlichen Zielsetzungen im norddeutschen Raum im vergangenen Jahr eine "Gesellschaft zur Förderung der Zukunft und Friedensforschung" in Hannover ihre Arbeit aufgenommen hat, daß der angesehene Klett-Schulbuch-Verlag Stuttgart, in diesem Jahr für die Hand von Schülern und Lehrern unter den "Quellen- und Arbeitsheften zur Geschichte und Gemeinschaftskunde" zwei empfehlenswerte Hefte "Friede und Völkerordnung"von Prof. Dr. K. V. Raumer und Prof. Dr. R. Vierhaus herausbrachte und daß erst vor kurzem ein Sonderdruck von Aufsätzen zum Thema "Um den Frieden der Welt" aus der Zeitschrift "Pädagogische Welt" erschienen ist, der einem schulischen Bedürfnis dienen will.
Ausblick
Mag das Verhältnis von Macht und Geist in unseren Tagen vielfach für ungeklärt angesehen werden und auch noch sein, so ist trotz aller weltpolitischen Gefahren die Einsicht immer umfassender Geworden, daß Friede geschaffen werden kann. Es gilt, was Kultusminister Professor Dr. Paul Mikat bei der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels an Kardinal Bea und Vissert't Hooft in seiner Ansprache ausgeführt hat: "Friede unter Menschen ist nur möglich, wenn die Ehrfurcht vor dem Nächsten grösser ist als die ideologischen Verklammerungen und Verkrustungen."
Wenn C.F. von Weizsäcker in seiner sehr nüchternen Untersuchung über die Frage "Warum Kriege entstehen" von "sichtbaren Verdichtungen jener Konfliktstoffe" spricht, "die in den irrationalen Tiefen des menschlichen Wesens ständig schwelen" und fortfährt: "Kriege brechen aus, weil die Menschen sie im Grunde wollen, auch wenn sie sich einbilden, sie wollten sie nicht", zu der tröstlichen Einsicht kommt: "Trotzdem halte ich es für möglich, ich muß es für möglich halten, daß die Menschheit lernen wird, den Krieg zu vermeiden", so könnten alle Erzieher aus dieser Einsicht Mut für das Anpacken der gestellten Aufgabe gewinnen.
(1) Siehe George H.C.Macgregor "Friede auf Erden? - Eine biblische Grundlegung der Arbeit am Frieden" - Christian Kaiser Verlag, München, 1955, 158 Seiten
(2) Aus "Das Gespräch aus der Ferne" - Brief für einen Freundeskreis als Privatdruck von Dr. Hans Dahmen, 5481 Bodendorf/Ahr, Rosenstr.(Kur) zu beziehen (Sept./Oktober-Heft 1966, Seite 7)
Anmerkung:
Eine Dokumentation über einen vom Verfasser des vorliegenden Aufsatzes initiierten u. geleiteten Lehrgangs an der Akademie für Lehrerfortbildung 888 Dillingen Kardinal v.Waldburgstraße 6 zum Thema "Friedenserziehung als Aufgabe des Geschichtsunterrichts" ist von dort als Akademiebericht Nr. 4 (1971 - 103 S.) Preis 5.- beziehbar.
Weitere Literatur über Friedenserziehung, Unterrichtsbeispiele, Filme usw. finden sich in "Orientierungshilfe für die Praxis der Friedenserziehung" der Studiengesellschaft für Friedensforschung e.V. 8 München 19, Bernhard Borst-Str.5 (1977 - 146 S.) von dort beziehbar. (Preis DM 6.-)
Weitere Literatur:
Galtung, J.: Strukturelle Gewalt. - Reinbek bei Hamburg 1975
Kant, I.: Zum ewigen Frieden. - Stuttgart 1965
Krippendorff, E.(Hrsg.); Friedensforschung. - Köln/Berlin 1968
Küpper, Ch./Lobner, M.R.: Zur Grundlegung der Friedenserziehung. - München
Kicklas, H./Ostermann, A.: Zur Friedensfähigkeit erziehen. - München 1976
Pfister, H./Wolf, R.: Friedenspädagogik heute. - Waldkirch 1972
Schierholz, H.: Friedensforschung u. politische Didaktik - Opladen 1977
Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung: Probleme der Friedenserziehung. - Bonn 1970.Heft 90.
Senghaas, D.: Kritische Friedensforschung. - Frankfurt 1971
Weizsäcker, C.F.: Wege in der Gefahr. - München 1976
Wulf ,Ch. (Hrsg. ): Friedenserziehung in der Diskussion. - München 1973
Küpper, Ch.: Friedenserziehung; ein Handbuch (Schriften zur polit. Didaktik) - Verlag Leske u. Budrich Opiaden 1978
Interessenten erhalten auf Anforderung kostenlos die "DGFK-Informationen" der "Deutschen Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung" 5500 Bonn- Bad Godesberg, Theaterstraße 4
Karl Friedrich Roth: Pädagogik und Friedenssicherung. In: "Die Bayerische Schule" vom 5.April 1968.