Home / Themen / Friedenserziehung / Arbeitsansätze,... / Theoretische An... / Didaktische Materialien der Jugendverbände zur Friedenserziehung - eine Einschätzung
Bemerkungen zu Themen, Inhalten und Umsetzung der Materialien |
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Um einen Überblick der von den Jugendverbänden erstellten Materialien zum Themenbereich Friedenserziehung zu erhalten, wurden neben den im Bundesjugendring zusammengeschlossenen Verbänden alle Mitgliedseinrichtungen der 16 Landesjugendringe angeschrieben. In der vorliegenden Liste wurden über 90 Materialien zur Friedenserziehung, die im Zeitraum 1985 - 1992 erschienen sind, erfaßt. Ältere Materialien sind im Anhang verzeichnet.
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Wozu didaktische Materialien |
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Didaktische Materialien werden erstellt um für die Praxis der Bildungsarbeit themenspezifische relevante Informationen (aktuelle Berichte, Hintergründe, Strukturen usw.) zur Verfügung zu haben. Didaktische Materialien sollen dabei die "Komplexität" reduzieren und strukturieren, ohne allzusehr zu vereinfachen oder gar zu verfälschen. Sie sollen Hilfestellung bei der Aneignung von Informationen und beim Verstehen von Hintergründen und Zusammenhängen bieten, ohne nur eine Interpretationsmöglichkeit (Weltsicht) als einzig Mögliche darzustellen. Dabei sollen sie das Rezeptionsniveau der AdressatInnen im Auge haben und auch deren Interessen an dem Thema einbeziehen. Didaktische Materialien bedürfen so einer besonderen Art der Darstellung und Aufbereitung, um ihren Zweck erfüllen zu können. Diese Art ist in klassischer Form als der sog. "didaktischer Dreischritt" beschrieben: Sachanalyse, didaktische Analyse, Materialien. Viel häufiger wird jedoch eine integrierte Form der Darstellung, in der die Didaktik der Gestaltung immanent ist, ohne sie extra auszuweisen, gewählt. In der Jugendarbeit werden eine Fülle von Material- und Arbeitshilfen erstellt und fast ausschließlich im Eigenverlag vertrieben. Dies geschieht nicht nur, um die Auseinandersetzung mit bestimmten Themen zu fördern, sondern auch um die verbandsspezifische Sichtweisen an ihre MitarbeiterInnen und Jugendlichen weiterzugeben. Nur so ist es auch zu verstehen, daß in den einzelnen Verbänden i.d.R. mit eigenen Materialien gearbeitet wird. |
Die Themenbereiche |
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Es gibt Schlüsselthemen, die in der Jugendarbeit von vielen Verbänden aufgegriffen werden. Dies spiegelt sich auch bei den Themen der Materialien wieder, wobei zwei Themenfelder besonders häufig vorkommen: Fremdenfeindlichkeit/Rechtsextremismus und Kriegsdienstverweigerung. Zu diesen beiden Themen haben die meisten der von uns erfaßten Verbände eigene Materialien erstellt. Drei weitere Themenbereiche sind ebenfalls stark vertreten: "Ökologie", "Umgang mit der Vergangenheit" sowie der "Nord-Süd-Konflikt". Diese fünf Themenfelder decken über 60 Prozent aller verfügbaren Materialien ab. Die erfaßten Materialien zum "Nord-Süd-Konflikt" entstammen ausschließlich dem Spektrum der kirchlichen Jugendarbeit, in der das Thema traditionell in vielfältiger Form aufgegriffen wird. Im Bereich "Ökologie" konnte nur eine Auswahl der Materialien berücksichtigt werden. Die Jugendorganisationen der Naturschutzverbände (z.B. BUND-Jugend) haben in den letzten Jahren eine kaum überschaubare Fülle von Publikationen erstellt, die sich mit allen Aspekten des tierischen und pflanzichen Lebens und dessen Bedrohung befassen. Allerdings sind diese unter dem Aspekt der Friedenserziehung nur zum Teil relevant. Die spezifische ökologische Dimension der Friedenserziehung betrachtet Konflikte, die aufgrund ökologischer Probleme entstehen, beschäftigt sich mit militärisch verursachter Umweltzerstörung und untersucht die gesellschaftlichen und staatspolitischen Konsequenzen ökologischer Fragestellungen und Lösungsansätze. In diesem engen Verständnis wurde das Thema Militär und Ökologie lediglich in einer Dokumentation des SCI aus dem Jahre 1985 aufgegriffen. Themen werden vor allem dann in Materialien umgesetzt, wenn sie in längerfristigen Projekten oder Aktionen bearbeitet werden (oft sog. "Jahresthemen"), oder wenn sie (vor allem bei historischen Themen) mit wichtigen Ereignissen korrespondieren (z.B. Jahrestag der Reichspogromnacht). In den Materialien zur Friedenserziehung, die von den Jugendverbänden Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre publiziert wurden, dominierten eindeutig sicherheitspolitische Themen (Nachrüstung, neue Militärstrategien, alternative Sicherheitskonzepte usw.). In den seit 1985 publizierten Materialien fehlt dieser Bereich völlig. Ebensowenig hat sich die Auseinandersetzung mit den Veränderungen in Osteuropa, mit der Legitimationskrise des Militärs oder mit dem europäischen Einigungsprozeß auf der Ebene der didaktischen Materialien niedergeschlagen. (Anzumerken ist hier jedoch, daß in den jeweiligen Jugendverbandszeitschriften gerade auch zu diesen Themen z.T. hervorragende Sachbeiträge zu finden sind.) War in den 70er bis Anfang der 80er Jahre der Bereich der "Gewalt in der Spielzeugwelt" noch für viele Jugendverbände ein wichtiges Thema, zu dem Ratgeber erschienen und Aktionen durchgeführt wurden, so spielt auch dieser Bereich in den Materialien heute keine Rolle mehr. Auch zum Thema "Gewalt", das in praktisch allen Verbandszeitschriften auftaucht (z.B. Jugendliche und Gewalt, Hooligans) werden didaktische Materialien kaum angeboten. |
Die Art der Darstellung |
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In den friedenspädagogischen Materialien der Jugendverbände sind häufig zwei Darstellungstypen zu finden:
Ein didaktischer Kommentar oder Reflexionen über mögliche Methoden und deren Einsatz ist nur sehr selten zu finden (etwa in: KJG: "Macht Frieden möglich" oder DRK: "Durch Menschlichkeit zum Frieden"). |
Zur Didaktik und Methodik |
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Im didaktisch-methodischen Bereich lassen sich verschiedene Typen der Aufarbeitung und Darstellung unterscheiden: Der "Methodenkatalog": Eine Auflistung von Möglichkeiten
Eine in ca. 1/4 der Materialien verwendetete Art der "didaktische Umsetzung" besteht darin, lediglich stichwortartig aufzuzählen, was "man" alles machen könnte, ohne diese Stichworte jedoch näher zu erläutern. Daraus ergeben sich auf den ersten Blick scheinbar eine Unmenge von Gestaltungsmöglichkeiten, diese können jedoch nicht umgesetzt werden. Denn für eine Umsetzung der Hinweise bieten die betreffenden Stichworte zu wenig Informationen. Erfahrungsberichte: Was andere gemacht habenEine sinnvolle Art der Umsetzung kann darin bestehen, Erfahrungen anderer aufzugreifen und verständlich aufzubereiten. Diese Art der Umsetzung findet sich in ca. 1/3 der Materialien. Allerdings sind diese Beschreibungen oft so knapp, daß sie nicht über die Information, daß z.B. eine Wandmalaktion durchgeführt wurde hinausgehen. Wichtig wären vor allem systematische Informationen über durchgeführte Modelle und Projekte: Wie waren die Rahmenbedingungen? Was wurde alles benötigt? (U.U. wo und wie wurde es beschafft und finanziert?) Wie haben die TeilnehmerInnen reagiert? Wo liegen die eigentlichen Erfahrungen und Lerneffekte? Was sollte anders gemacht werden? Was ist zu beachten? usw. Nur einige wenige bewußt als ausführliche Dokumentation gehaltene Materialien erfüllen diese Kriterien (z.B. Jugendamt Hagen (Hrsg.): "Fremde zu Freunden machen"). Actionpotential: Wie man handeln könnte
Auffällig ist auch, daß Methoden offensichtlich nach ihrem "Actionpotential" ausgewählt werden (etwa, wenn als Methode zur Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus eine "Gegendemonstration organisieren" vorgeschlagen wird). Bei nahezu allen Materialien dominieren eindeutig die aktionsbezogenen Methoden, während Methoden, die eine analytische Durchdringung und Reflexion zum Ziel haben, eher fehlen. (Ausnahmen sind hier: Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (Hrsg.): "Erziehung zu Frieden und Verständigung". Kath. Landjugend (Hrsg.): Dem Frieden dienen".) |
Die formale Gestaltung |
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Eine eigenständige graphische Umsetzung von Inhalten in Struktur- und Schaubilder wird bei keinem der Materialien geleistet. Wenn Schaubilder vorkommen, so wurden sie nicht selbst entwickelt, sondern vor allem aus wissenschaftlichen Publikationen übernommen (häufig ohne die entsprechende Quelle anzugeben). Eine visuelle Text-Gestaltung der Materialien im Sinne des leichteren Nachvollzugs der Argumentation wird nur von wenigen Materialien unternommen. Bilder und Illustrationen werden nicht als zusätzliche Informationsquelle eingesetzt, sondern offensichtlich nur als Auflockerung verstanden. Bei über der Hälfte der Materialien wurden die Originalvorlagen für den Druck verkleinert, sodaß das nun vorzufindende Schriftbild zu klein ist. Bei praktisch allen Koproduktionen (z.B. zwischen AEJ / BDKJ) ist die Gestaltung auf einer eher professionellen Ebene angesiedelt. Mit ein Grund hierfür dürfte sein, daß die finanziellen Mittel für eine gute Gestaltung auf dieser Ebene eher aufgebracht werden können. |
Fazit |
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Die "klassische Materialhilfe" der Jugendverbände zur Friedenserziehung, so könnte man zugespitzt charakterisieren, behandelt das Thema Fremdenfeindlichkeit oder Kriegsdienstverweigerung und besteht vor allem aus dem Nachdruck von wenig systematisch ausgewählten Sachtexten. Im methodischen Teil wird auf die Sachdarstellung kaum Rückbezug genommen. Favorisiert werden vor allem aktionsorientierte Methoden, die nur stichwortartig beschrieben sind. Erschienen ist die Materialhilfe im Eigenverlag, mit nur mäßiger Druckqualität und Gestaltung. Warum, so ist zu fragen, wird auf einen so zentralen Bereich wie die Unterstützung der laufenden Arbeit mit Bildungsmaterialien immer noch relativ wenig Wert gelegt? Warum werden Erkenntnisse aus Methodik und Didaktik, aus der Wahrnehmungspsychologie und aus dem Bereich von Design und Gestaltung so wenig berücksichtigt? Warum wird so wenig auf das Know-how und den Sachverstand von Spezialisten und Fachleuten (z.B. Einrichtungen der Friedensforschung) zurückgegriffen? |
KriterienKatalog für die Analyse von didaktischen Materialien |
Ziele und Inhalte
Didaktische Umsetzung
Gestaltung
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Günther Gugel: Didaktische Materialien der Jugendverbände zur Friedenserziehung – eine Einschätzung. (1992). In: Günther Gugel / Uli Jäger (Hrsg.): Friedenserziehung. Arbeitsansätze, Anregungen und Erfahrungen aus dem Verein für Friedenspädagogik Tübingen. Eine Dokumentation. Tübingen 1993. |