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Wie müssen Eltern mit Kindern umgehen, damit diese sich zu möglichst friedfertigen statt gewaltbereiten Menschen entwickeln? |
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Die Grundlage aller Lernprozesse scheint einfach, beinahe ein Gemeinplatz zu sein: Ein Kind bracht Liebe und Geborgenheit gerade in den ersten Lebensjahren. In vielen Lebensläufen von gewalttätigen Jugendlichen kommt zum Ausdruck, wie ablehend und emotionslos das Elternhaus war, welches Leiden und Alleingelassensein sie aushalten mußten. Die Entwicklung einer positiven Lebenseinstellung ist eng verbunden mit der Befriedigung der emotionalen Bedürfnisse der Kinder. Die Eltern spielen dabei eine Schlüsselrolle. Ein zweites kommt hinzu: Nur wenn Eltern mit ihren eigenen Konflikten produktiv umgehen können, sie nicht unterdrücken und auch nicht auf Kosten der anderen "lösen" wollen, können auch Kinder flexible und faire Konfliktlösungen lernen. Gleichberechtigte Kommunikation zwischen Eltern und Kindern sollte dabei selbstverständlich sein, denn hier kommt u.a. zum Ausdruck, ob das Kind als eigenständige Person akzeptiert wird oder nicht. In diesem Prozeß ist für Eltern die Gretchenfrage, die letztlich über eine Erziehung zur Friedensfähigkeit entscheidt: "Wie stehe ich selbst zur Gewalt und Gewaltanwendung? Welche Meinung habe ich über soziale Ungerechtigkeiten, Diskriminierungen, Menschenrechtsverletzungen? Welches soziale und politische Engagement wird in meinem Handeln deutlich?" Für Kinder sind dabei nicht die Belehrungen, die Worte der Erwachsenen entscheident. Entscheidend ist wie diese in Alltagssituationen miteinander und mit den Ereignissen der Umwelt umgehen. Alltägliche, belanglos scheinende Begebenheiten zeigen den Kindern das wahre Gesicht der Eltern, vermitteln deren wirkliche Einstellung und Meinung. Dabei ist die Aufrichtigkeit und Glaubwürdigkeit der Erwachsenen gefragt. Denn: ein demokratisches Bewußtsein kann nur gelernt werden, wenn das Lernen selbst in allen bereichen demokratisch strukturiert ist. Gewaltfreie Konfliktlösungen können nur gelernt werden, wenn das Lernen und die Erziehung selbst gewaltfrei sein. Statt Erziehung müßte hier die Beziehung in den Vordergrund treten. Auf diesem Hintergrund haben Kinder und Jugendliche bessere Chancen den vielfältigen Gewalteinflüssen und -verlockungen in unserer Gesellschafts widerstehen zu können. wenngleich sie sich nicht zwangsläufig nach den Vorstellungen ihrer Eltern entwickeln müssen. Denn zum einen sind sie vielfältigen gesellschaftlichen Gefährdungen und Einflüssen ausgesetzt, angefangen von den oft genug gewaltverherrlichenden Medien bis hin zur zunehmenden gesellschaftlichen Billigung von Gewaltanwendung. Hier wird es besonders dann problematisch, wenn Jugendliche sich einer Gruppe oder Clique anschließen, die Gewalt als Handlungsmöglichkeit akzeptiert. Zum andern heißt Jugendlicher sein, immer auch Rebellion gegen die Erwachsenenwelt. Heißt seinen eigenen Platz im gesellschaftlichen Gefüge zu suchen, eigene Wertvorstellungen zu entwickeln. Gerade dies führt jedoch in einer Zeit der zunehmenden Auflösung der alten Werte, verbunden mit mangelnden Zukunftschancen und kaum vorhandener Wertschätzung zu gravierender Orientierugslosigkeit. |
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Günther Gugel: Liebe statt Gewalt (1993). In: Günther Gugel / Uli Jäger (Hrsg.): Friedenserziehung. Arbeitsansätze, Anregungen und Erfahrungen aus dem Verein für Friedenspädagogik Tübingen. Eine Dokumentation. Tübingen 1993. |