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Seit nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes auch wieder in Europa in vielen Ländern und Regionen gekämpft wird und - wie im Falle des ehemaligen Jugoslawien - unvorstellbar grausame Kriege ausgetragen werden, drohen die Kriege in der Zweidrittel-Welt entgültig zu vergessenen Kriegen zu werden. Wer möchte sich angesichts der täglichen Kriegsberichte aus den Ländern in der Nachbarschaft auch noch mit dem Kriegsleid in der Zwiedrittel-Welt beschäftigen? Zahlreiche Kriege in der Zweidrittel-Welt lassen sich aufgrund ihrer Länge und der verheerenden Folgen durchaus mit dem Dreißigjährigen Krieg in Deutschland vergleichen. Über 30 Millionen Menschen sollen den vergessenen Kriegen zum Opfer gefallen sein. Bei den im Juli 1992 registrierten Kriegen wurde in 23 der beteiligten Länder bereits seit über zehn Jahren gekämpft! Die Folgen dieser Kriege sind verheerend:
Was haben diese Kriege mit den Menschen in Deutschland zu tun? Die Bundesrepublik Deutschland trägt - wie alle anderen Industriestaaten auch - für diese Bilanz an hohes Maß an Verantwortung und die Folgen der Kriege in der Zweidrittel-Welt sind nicht mehr nur auf die dortigen Regionen beschränkt, sondern erreichen auch die Wohlstandsinseln. Flüchtende Menschen suchen Zuflucht, Umweltzerstörungen nehmen globale Ausmaße an, Ressourcen werden vergeudet. |
1. »Kriegsschauplatz Zweidrittel-Welt«: Die Komplexität des Themas |
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Wieviele Kriege es seit dem Ende des letzten Weltkriegs in der Zweidrittel-Welt gegeben hat, kann niemand genau sagen. Die Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung in Hamburg (AKUF) erfaßte bis 1990 ca. 160 kriegerische Auseinandersetzungen. Innerhalb eines Jahres, vom Juli 1991 bis zum Juni 1992 zählten die WissenschaftlerInnen weltweit 44 Kriege, davon 41 in der Zweidrittel-Welt! Die hauptsächlichen Kriegsherde sind in Afrika, im Nahen Osten und in Süd- bzw. Südost-asien zu finden. Kriegsursachen und die Rolle des Nordens
Innerhalb der Wissenschaft setzt sich zunehmend die Meinung durch, daß in der Zweidrittel-Welt prinzipiell keine anderen oder neuen Kriegsursachen zu finden sind als diejenigen, die aus der europäischen Entwicklungsgeschichte und Gegenwart bekannt sind. Trotzdem unterliegen die Kriege in der Zweidrittel-Welt ganz besonderen Einflüssen: Warum und wie enden Kriege?
Alle Kriege gehen irgendwann einmal zu Ende, leider - in der Vergangenheit wie in der Gegenwart - meistens durch den militärischen Sieg der einen und die Niederlage der anderen Seite. Doch gibt es auch Kriegsfälle, wo das Ergebnis der Kämpfe nicht so eindeutig ist, und die Kriege durch Verhandlungen, Waffenstillstände, Kompromisse und Friedensschlüsse beigelegt und beendet werden.
Für die Beendigung, Regelung und Lösung von kriegerischen Konflikten gibt es keine friedenspolitischen »Patentrezepte«, da jeder Konflikt seine Besonderheiten und jede Weltregion ihre Eigenarten hat. |
2. Hinweise für die Behandlung im Unterricht |
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Verdrängung, Ohnmacht, zunehmend auch Zynismus - Dies sind Verhaltensweisen, mit denen viele Menschen in den Industriestaaten auf Meldungen über die Kriege in der Zweidrittel-Welt und ihre Folgen reagieren. Angesichts der Kompexität des Themas und dem bedrückenden Informationsgehalt ist es dringend erforderlich, bei der Behandlung des Themas die folgenden Prämissen politischer Bildungsarbeit besonders zu beachten:
Beispiel: Menschen fliehen vor dem Krieg
Woher kommen die Menschen, die in Deutschland Asyl suchen? Warum kommen sie? Was kann getan werdem, daß sie ihrer Heimat nicht verlassen müssen? Wie kann Menschen, die vor dem Krieg nach Deutschland geflohen sind, hier geholfen werden? Beispiel: Rüstungsgüter aus Deutschland im Kriegseinsatz
Woher kommen die Waffen, mit denen in den Kriegen in der Zweidrittel-Welt geschossen und getötet wird? Wie und mit welchen Folgen werden sie eingesetzt? Welche Waffensysteme aus Deutschland sind mit »im Spiel«? Welche Firmen stellen sie her, warum können sie exportiert werden? Was kann gegen Rüstungsexporte getan werden?
Nur dreißig Prozent von Rüstungsexporten aus den Industrieländern in die Staaten der Zweidrittel-Welt gingen an Länder, die nicht an Kriegen beteiligt waren. Nahezu dreißig Prozent der Länder befanden sich in einem aktuellen Kriegszustand, ca. vierzig Prozent führten kurz nach der Lieferung einen Krieg bzw. hatten gerade einen Krieg beendet.
Mehrere Organisationen, u.a. das Notärzte-Komitee Cap Anamur, haben die Bundesregierung mehrfach aufgefordert, sich für ein weltweites Produktionsverbot für Minen einzusetzen. Dies wurde seitens der Bundesregierung u.a. mit der Begründung abgelehnt, daß zwischen der Herstellung von Minen für »legitime militärische Zwecke der Verteidigung und solchen Minen, die gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werden«, nur schwer zu unterscheiden sei. Checkliste »Gegen die Ohnmacht«
Ohnmacht, Hilflosigkeit und nicht selten Zynismus machen sich angesichts der Kriege in der Zweidrittel-Welt auch bei interessierten und engagierten Menschen in Deutschland breit. Gibt es überhaupt - so weit weg von den Ereignissen und ohne direkten Einfluß auf die verantwortlichen Regierungen - angemessene Handlungsmöglichkeiten für einzelne Menschen, für Gruppen und Organisationen? An Angeboten mangelt es nicht, wenn man die Unterstützung für die betroffenen Menschen oder das Problematisieren der europäischen Verantwortung als Ansatzpunkte wählt.
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Anmerkungen |
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1) Die Ausführungen in diesem Beitrag stützen sich vor allem auf die Publikation: Uli Jäger / Volker Matthies: Krieg in der Zweidrittel-Welt. Opfer, Folgen und die europäische Verantwortung. Tübingen 1992. In diesem, didaktisch aufbereiteten Heft finden sich auch weiterführende Arbeitshinweise und Literaturverweise. 2) Vgl. z.B. Jens Siegelberg (Red.): Die Kriege 1985 bis 1990. Analyse ihrer Ursachen. Münster 1991. 3) Immanuel Geiss, zit. nach: Rüdiger Dingemann: Bewaffnete Konflikte seit 1945. Düsseldorf 1983, S. 8. 4) Claudia Schmid: Konflikteinhegung und Friedenschancen regionaler Dritte-Weltkonflikte. In: Sozialwissenschaftliche Informationen, Heft 1 / 1991, S. 6 und 10. 5) Johan Galtung: Grenzen öffnen, Armut bekämpfen oder massenhafter Tod? Die Perspektiven weltweier Migration. In: Jahrbuch Frieden 1993. München 1992, S. 106. 6) Kampagne »Produzieren für das Leben - Rüstungsexporte stoppen«, Bahnhofstr. 18, 6270 Idstein, Tel.: 06126 / 55683; Kampagne »Stoppt den Rüstungsexport«, Buchztstr. 14, 2800 Bremen, Tel.: 0421 / 326045; Internationale Kampagne gegen Landminen, Angelika Beer, Luisenstr. 10, 2350 Neumünster, Tel. 04321 / 16265; Rüstungsinformationsbüro Baden-Württemberg, Postfach 5261, 7800 Freiburg, Tel.: 07665 / 51943. |
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Uli Jäger: Kriege in der Zweidrittell-Welt als Thema im Unterricht? Anmerkungen und Vorschläge (1992). In: Günther Gugel / Uli Jäger (Hrsg.): Friedenserziehung. Arbeitsansätze, Anregungen und Erfahrungen aus dem Verein für Friedenspädagogik Tübingen. Eine Dokumentation. Tübingen 1993. |