Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Die Friedensbewegung in der Bundesrepublik Deutschland von 1945-1982

von Michael Schmid

Wer sich heute in der Friedensbewegung engagiert, kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Oder besser gesagt, “könnte”. Denn relativ selten werden in der Friedensbewegung die Verbindungslinien zur historischen Friedensbewegung genügend mitbedacht. Dabei reicht die Geschichte des organisierten Pazifismus und Antimilitarismus weit über 100 Jahre zurück. In Deutschland war eine Friedensbewegung im Kaiserreich entstanden. Einen tiefen Einschnitt gab es dann durch die Nazi-Diktatur. Pazifisten und Antimilitaristen traf der volle Terror der Nationalsozialisten, den viele nicht überlebten.

Nach 1945 wurden die Traditionen der Friedensbewegung wieder aufgegriffen, zunächst durch die Opposition gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik, die Anti-Atomtod-Bewegung und die Ostermarschbewegung. Nach dem Beschluss der NATO zur “Nach”-Rüstung atomarer Mittelstreckenraketen vom 12.12.1979 nahm die Friedensbewegung dann einen bisher ungekannten Aufschwung. Von “neuer Friedensbewegung” war die Rede dafür, was sich da zeitweise als Massenbewegung zeigte. Immerhin war über ein Drittel der bundesdeutschen Bevölkerung nach einer Meinungsumfrage im Frühjahr 1982 bereit, die Friedensbewegung zu unterstützen.

Ebenfalls im Frühjahr 1982 erschien beim Tübinger Institut für Friedenspädagogik (damals noch: Verein für Friedenspädagogik) eine Broschüre über die Geschichte der Friedensbewegung in der Bundesrepublik, die Uli Jäger und ich gemeinsam verfasst haben.

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Uli Jäger/Michael Schmid-Vöhringer: “Wir werden nicht Ruhe geben …”. Die Friedensbewegung in der Bundesrepublik Deutschland 1945 - 1982. Geschichte, Dokumente, Perspektiven. Verein für Friedenspädagogik Tübingen, 1982. 48 Seiten. (vergriffen)

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Was wir damals beabsichtigten, gilt auch für heute noch: Wir wollen dazu beitragen, Kenntnisse über die Entwicklung der Friedensbewegung in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik weiterzuverbreiten. Denn wenn wir sehen, wie sich Menschen schon vor uns gegen Krieg und Rüstung, für Frieden und Gerechtigkeit engagiert haben, könnte uns das in unserem eigenen Engagement bestärken. Wir können etwas lernen von Misserfolgen und Erfolgen, von Fehlern und wegweisenden Ansätzen. Wir können etwas lernen über Voraussetzungen, die erforderlich sind, um Menschen, die zum Engagement bereit sind, Lernprozesse zu ermöglichen. Und wir können solche gemeinsamen Lernprozesse wahrnehmen, die noch Jahrzehnte später ihre Wirkungen haben bis in unsere Tage hinein.

Unberücksichtigt bleibt hier all Stelle das, was sich bezüglich der Friedensbewegung in den 26 Jahren seit dem Frühjahr 1982 abgespielt hat - und das war eine ebenfalls reichhaltige Geschichte. Darauf ist an anderer Stelle bereits eingegangen worden oder wird auch in dieser Website noch mehr eingegangen werden.

“Das Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden ist erstaunlich kurz. Ihre Vorstellungsgabe für kommende Leiden ist fast noch geringer. Die Beschreibungen, die der New Yorker von den Greueln der Atombombe erhielt, schrecken ihn anscheinend nur wenig. Der Hamburger ist noch umringt von Ruinen, und doch zögert er, die Hand gegen einen neuen Krieg zu erheben. Die weltweiten Schrecken der vierziger Jahre scheinen vergessen. Der Regen von gestern macht uns nicht naß, sagen viele.

Diese Abgestumpftheit ist es, die wir zu bekämpfen haben, ihr äußerster Grad ist der Tod. Allzu viele kommen uns schon heute vor wie Tote, wie Leute, die schon hinter sich haben, was sie vor sich haben, so wenig tun sie dagegen.

Und doch wird nichts mich davon überzeugen, daß es aussichtslos ist, der Vernunft gegen ihre Feinde beizustehen. Lasst uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen, damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde! Laßt uns die Warnungen erneuern, und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind! Denn der Menschheit drohen Kriege, gegen welche die vergangenen wie armselige Versuche sind, und sie werden kommen ohne jeden Zweifel, wenn denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten, nicht die Hände zerschlagen werden.”

BERTOLT BRECHT 1952

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