Home / Themen / Fair Play / Was heißt Fair... / Zehn Grundsätze der Fairplay-Erziehung
1. Fairplay ist Ausdruck einer menschlichen Haltung, die sich im achtsamen Verhalten gegenüber sich selbst, gegenüber anderen, aber auch gegenüber der Um- und Mitwelt ausdrückt. Fairplay beweist sich im Sport, aber nicht nur!
2. Fairplay ist die Kernqualität der Einstellung im zwischenmenschlichen und mitweltbezogenen Bereich! Appelle, Verbote oder Strafen sind keine probaten Mittel, sie situationsübergreifend und mit Dauerwirkung zu fördern! Es müssen handlungswirksamere Methoden gewählt werden!
3. Faires Verhalten setzt bestimmte Fähigkeiten voraus! „Achtsamkeit“, „Ehrlichkeit“, „Selbstvertrauen“, „Rücksicht-nahme“, „Verlieren-können“ und „Einfühlungsvermögen“ („Empathie“) sind diese Voraussetzungen, die es dazu braucht, und die es gezielt zu fördern und zu entwickeln gilt! Moralisches Lernen bedeutet stets Arbeit an der eigenen Persönlichkeit! Faires Verhalten kann letztlich nicht gelehrt, dafür aber vorgelebt und gelernt werden!
4. Diese Fähigkeiten werden in einer Unterrichtsatmosphäre gefördert, in der Kameradschaftlichkeit, Offenheit und Verständnis möglich ist!
5. Dem Erfolgsprinzip, das sich in „Konkurrenz“, „Sieg“ und „Niederlage“ ausdrückt, muss die Schärfe genommen werden! Vielmehr müssen auch das Wohlbefinden, das Zusammenspiel, das Spielerlebnis, die Qualität eines Spiels überhaupt sowie die inneren „Sensationen“ angestrebt, betont, hervorgehoben und gepflegt werden!
6. Nicht nur was wir tun ist wichtig, sondern vor allem: wie wir es tun!
7. „Wir sind die Vorbilder!“ - Nicht unsere Worte, sondern die Art, wie wir mit den Schüler/innen umgehen, und die Art, wie wir Konflikte lösen, macht uns glaubwürdig!
8. Moralisches Handeln setzt Selbständigkeit und Verantwortungsgefühl voraus! Dafür müssen Lerngelegenheiten geschaffen werden, beispielsweise bei der Mitgestaltung des Unterrichts oder bei der Festlegung formeller und informeller Regeln!
9. Die Bereitschaft und Fähigkeit, Konflikte lösen zu können, muss frühzeitig gefördert werden! Konflikte dürfen nicht nur negativ bewertet werden; sie können und müssen auch als Chance zur Veränderung und zur Entwicklung, aber auch als Herausforderung, noch mehr am Thema „Fairplay“ zu arbeiten, aufgefasst werden!
10. Ziel der Fairplay-Erziehung muss es auch sein, weniger Schiedsrichter einzusetzen, nicht mehr! Der Schidsrichter sollte in jeden Einzelnen von uns „transplantiert“ werden! Dies kommt im folgenden Zittat zum Ausdruck: „Jeder achtet darauf, dass er von seinem nachbarn nicht betrogen wird. Aber es kommt der tatg, an dem er anfängt, daraf zu achten, dass er seinen Nachbarn nicht betrügt.
Canadian Olympic Association 1989
Aus: Schweizerischer Olympischer Verband in Verbindung mit der Deutschen Olympischen Gesellschaft (Hrsg.): Erziehung zu mehr Fairplay. Anregungen zum sozialen Lernen - im Sport, aber nicht nur dort! Bern 1998.
Im Leben von Millionen von Menschen und vieler Völker spielt der Sport heute eine bedeutende Rolle, weit mehr als früher.
Davon ist der Hochleistungssport genauso betroffen wie der „Sport für alle“, Sport als sinnvolle Freizeitgestaltung oder zur gesundheitlichen Vorbeugung bzw. Rehabilitation, Sport zur Unterhaltung oder zum Erleben der eigenen körperlichen Leistungsfähigkeit. Einzuschließen ist auch der Profisport aufgrund seines Einflusses und seiner Wirkung in einigen sehr populären Sportarten.
In jedem Alter, besonders aber in der Sporterziehung von Kindern und Jugendlichen, muß das Fair play-Ideal fest verankert sein. Neben der schulischen Erziehung (vom Vorschulbereich bis zur Hochschule) müssen Training, Wettkampf und das Zusammenleben in den Sportclubs den Erfordernissen fairen Verhaltens in besonderem Maße Rechnung tragen.
Internationales Fair play-Komitee, München / Paris 1992