Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

Home / Themen / Fair Play / Globales Lernen... / Arbeitsbedingungen in der Sportartikelindustrie

Arbeitsbedingungen in der Sportartikelindustrie

„Im Schneidersitz kauern pakistanische Frauen und Männer in kahlen Räumen auf dem Boden und nähen mühsam von Hand ein rundes Leder nach dem anderen – rund um den Globus wird mit Millionen von billigen, weil zu minimalen Gehältern produzierten Fußbällen aus dem asiatischen Land gekickt. In chinesischen und nicaraguanischen Fabriken stellen junge Frauen Trikots und Sportschuhe für einen Stundenlohn von 20 Cent her, manchmal dauert die tägliche Arbeit zehn, zwölf oder noch mehr Stunden. In einer indonesischen Firma für Sportartikel werden Beschäftigte massiv unter Druck gesetzt, die sich gewerkschaftlich organisieren wollen. Die Chefs eines Unternehmens in Honduras schreiben den Arbeitern genau vor, wie viele Minuten ein Toilettenbesuch dauern darf. In einem salvadorianischen Betrieb wird alles auf die Spitze getrieben: Nicht nur, dass es eine Näherin auch mit vielen Überstunden lediglich auf 180 Euro im Monat bringt – nein, die Beschäftigten werden am Arbeitsplatz sogar mit Überwachungskameras kontrolliert, selbst vor und in den Toiletten wird gefilmt.
Szenen dieser Art sind in Fußballstadien und Leichtathletikarenen gemeinhin unbekannt. Und doch gehört das zusammen: Fußbälle, Sprintschuhe und Trikots stammen oft aus Entwicklungsstaaten mit miserablen Produktionsbedingungen.“

Karl-Otto Sander, Auszug aus einem Beitrag in: Das Parlament, 22. 12. 2003, Nr. 52, S. 14.
Johannes Rau:

Ausbeutung ist unfair
In einer Rede anlässlich einer Preisverleihung „Fit for Fair“ setzte sich Johannes Rau – bis 2004 Bundespräsident – mit der Problematik der Arbeitsbedingungen in der Sporatikelindustrie auseinander. Er führte dabei aus:
Kritik ist notwendig
„Nach meinem Eindruck erkennen immer mehr Unternehmen, dass es auch in ihrem eigenen wirtschaftlichen Interesse ist, wenn sie sozial und ökologisch verantwortlich handeln. Dieses Verhalten wird nicht dadurch weniger wert, dass es oft der Kritik und der Anstöße von außen bedurfte und bedarf, damit sich im Unternehmen etwas verändert und damit Unternehmen sich ändern. Es darf uns ja nicht gleichgültig sein, wie die Menschen leben und arbeiten, die das herstellen, was wir kaufen.
Global Compact
Die Hersteller von Sportartikeln wissen, dass faire Produktionsbedingungen heute auch ein zugkräftiges Werbeargument sind. Auch darum haben sich viele Firmen den klaren Regeln unterworfen, die die „Fair Labor Association“ aufgestellt hat. Das trägt dazu bei, die wirtschaftliche Globalisierung sozial zu gestalten. Diesem Ziel dient auch der von Kofi Annan, dem UNO-Generalsekretär, ins Leben gerufene „Global Compact“, mit dem weltweit agierende Unternehmen sich verpflichten, grundlegende Arbeitsbedingungen zu erfüllen. Dazu gehören die Achtung der Menschenrechte, das Recht auf gewerkschaftliche Betätigung und freie Tarifverhandlungen, die Ächtung von Zwangsarbeit, das Verbot von Kinderarbeit, das Verbot jeglicher Diskriminierung und der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen. Diese Grundsätze gelten für das ganze Unternehmen, ganz gleich, in welchem Land es produziert oder produzieren lässt.
Ich bin dankbar für jede Firma, die sich diesen Grundsätzen verpflichtet fühlt. Ich danke allen dafür, dass sie sich einsetzen, damit die Bedeutung dieser Grundsätze noch stärker ins öffentliche Bewusstsein kommt.
Viele große Unternehmen haben in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht, dass ihnen die Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen dabei helfen kann, Missstände zu beseitigen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und im Gastland, aber auch im eigenen Land, anerkannt und gut gelitten zu sein. Übrigens rechnet sich das auch. Ausbeutung von Menschen und Umweltzerstörung sind nicht nur unfair und unanständig, sie sind – auf Dauer jedenfalls – auch gegen die wirtschaftliche Vernunft. Darum sind weltweit geltende Sozial- und Umweltstandards ein Beitrag zur Bekämpfung unlauterer Konkurrenz und fördern damit letztendlich die Unternehmensrendite.“
Auszüge aus einem Grußwort von Johannes Rau bei der
Preisverleihung „Fit for Fair“
der Otto-Brenner-Stiftung,
12. November 2003.

 

Eine PDF-Version dieser Seite herunterladen

Aktuelles / Blog

Veranstaltungen

Peace Counts School