Was Lernprozesse begünstigt
Im Dreischritt vorgehen
Beim Aufbau von Bildungsveranstaltungen empfiehlt es sich, drei Lernschritte zu unterscheiden:
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Informations- und Wahrnehmungsphase:
Worum geht es? Was wissen wir? Wie ist die Informationslage?
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Reflexions- und Analysephase:
Warum ist das so? Welche Prinzipien und Faktoren sind erkennbar?
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Anwendungsphase:
Was folgt daraus? Welche Handlungskonsequenzen sind denkbar?
Ergebnisse der Lernpsychologie berücksichtigen
- Bildungsarbeit (Lernen) sollte aktiv sein und nicht nur auf passives Zuhören oder Zusehen ausgerichtet.
- Wichtige Themen (Inhalte) sollten wiederholt dargestellt und bearbeitet werden, nur dann prägen sie sich ein.
- Die Themen sollen in verschiedenen Variationen und unterschiedlichen Situationszusammenhängen dargestellt werden, dann lassen sich Erfahrungen auch auf andere Bereiche übertragen.
- Die Themenbereiche sollten so strukturiert dargeboten werden, daß die wesentlichen Merkmale erkennbar und zugänglich sind.
- Die Themenbearbeitung sollte sich von vereinfachten Zusammenhängen zu komplizierten Zusammenhängen bewegen.
- Es geht nicht um mechanisches Einprägen von Begriffen oder Zusammenhängen, sondern um das Verstehen von Grundprinzipien.
- Weniger Themenbereiche und/oder Aspekte intensiver zu bearbeiten ist sinnvoller als möglichst viele Themen nur "anzureißen".
- Die Seminarleitung sollte der Gruppe Rückmeldung über die Arbeit und die Arbeitsergebnisse geben.
- Die Teilnehmerinnen bzw. Teilnehmer und die Seminargruppe sollten sich möglichst konkrete Ziele setzen. Dabei sollte überprüft werden, ob diese Ziele auch die Ziele der Seminarleitung sind.
Mehrere Sinne ansprechen
Informationen (Inhalte), die nur über das gesprochene Wort vermittelt werden, werden kaum aufgenommen und wenig behalten. Wichtig ist, daß möglichst mehrere Sinne (neben dem Ohr das Auge, die Hand usw.) gleichzeitig angesprochen werden. Die Visualisierung von Informationen, das eigene Verändern und Gestalten fördern nicht nur die Lust an der Auseinandersetzung mit einem Thema, sondern führen auch schneller zu Lernerfolgen.
Lernerfolge ermöglichen
- Nur diejenigen werden sich "Lernanstrengungen" unterziehen, die das Thema interessiert und denen das Lernen erfolgversprechend und nutzbringend erscheint.
- Das selbständige Lösen von Aufgaben, das Bewältigen von gestellten Problemen oder auch einfach die Einsicht in bestimmte Zusammenhänge steigern erheblich die Motivation an einer weiteren Auseinandersetzung.
- Wer das Gefühl hat, daß ihm eine Veranstaltung nichts nützt ("bringt"), der wird auch kaum Interesse und Beteiligung (und damit auch keine "Lernerfolge") zeigen.
- Lernen findet dann eher statt, wenn nicht nur die Seminarleitung, sondern auch die Bezugsgruppe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer die jeweiligen Lernanstrengungen honoriert.
Zeiten der Entspannung einplanen
Die Seminarleitung darf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht durch permanente lernintensive Arbeitsformen überfordern. Es müssen auch Zeiten der Entspannung angeboten und dem Kontaktbedürfnis Raum gegeben werden. Für die Informationsvermittlung, die Informationsverarbeitung und das Geselligkeitsbedürfnis sollten jeweils in etwa gleich viel Zeit zur Verfügung stehen.
Gefühle und Stimmungen einbeziehen
In jeder Gruppe laufen nicht nur Prozesse auf der Sachebene (kognitive Ebene), sondern auch auf der emotionalen Ebene ab: Teilnehmerinnen und Teilnehmer fühlen sich gehemmt, reagieren aggressiv, haben Angst, ärgern sich usw. Diese Gefühle und Stimmungen müssen bewußt in die Veranstaltung einbezogen werden, denn negative Gefühle und unangenehme Erfahrungen wirken demotivierend.
Günstige Lernbedingungen schaffen ...
Die Bedingungen für soziales Lernen sind dann besonders günstig,
- wenn die/der Lernende sich sicher fühlt und den Menschen, mit denen sie/er zusammen ist, vertrauen kann;
- wenn er/sie neugierig und bereit ist, ein Risiko einzugehen;
- wenn sie/er neues Verhalten in einer entspannten Atmosphäre handelnd erproben kann;
- wenn sie/er alternative Möglichkeiten des Verhaltens bei anderen beobachten kann;
- wenn sie/er eigene Schwächen und Unvollkommenheiten akzeptiert und nicht krampfhaft perfekt werden will;
- wenn auch die anderen sie/ihn so akzeptieren, wie sie/er ist.
Als unvollkommene Person akzeptiert zu werden und Fehler machen zu dürfen, sind ebenso wichtige Voraussetzungen für soziales Lernen wie Neugierde und die Bereitschaft, ungewohntes Verhalten spielerisch zu erproben.
Otto Marmet: Ich und du und so weiter: Kleine Einführung in die Sozialpsychologie. 2. Auflage, München/Weinheim 1988, S. 78.
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