Das Zusammenleben regeln
Eines der ersten Themen nach dem Ankommen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und dem sich Bekanntmachen ist die gemeinsame Arbeitsorganisation. Es ist also die Frage, welche gemeinsamen Verabredungen während des Seminars gelten sollen, damit effektiv und in einem guten Klima gearbeitet werden kann. Eine Seminargruppe formulierte für sich folgende Verabredungen:
Verabredungen, die Eigenbestimmung fördern
Ich möchte
- mir Zeit für mich nehmen, Zeit zum Verdauen;
- selbst bestimmen, wann ich was aktiv tun will;
- mich konfrontieren lassen;
- meine persönlichen Interessen bekannt geben und verabreden, wann sie besprochen werden können;
- laut denken dürfen;
- die Freiheit haben, "dumme" Fragen stellen zu dürfen;
- mitsteuern, indem ich sage, was mir wichtig ist.
Verabredungen,die mögliche Störungen zum Inhalt haben
- Wenn ich abgelenkt bin, möchte ich es sagen.
- Ich möchte mich melden, wenn ich Einwände oder Vorbehalte habe, und zwar gleich.
- Ich möchte Konflikte aufgreifen und klären helfen.
- Ich möchte eigene Bedürfnisse anmelden.
Verabredungen, die sich um den Körper kümmern
Ich möchte
- mir Zeit nehmen, um Sport zu treiben und Schlaf nachzuholen;
- sagen, wenn ich eine Pause brauche;
- mal überlegen, wie es mir eigentlich geht.
Verabredungen, die sich auf Fragen beziehen
- Ich möchte Verständnisfragen einbringen.
- Ich möchte mich nicht ausfragen lassen.
- Der andere soll mir ehrlich sagen, was er wissen will.
Verabredungen untereinander
Ich möchte
- Meinungen anderer anhören und stehenlassen;
- mitsteuern;
- darauf achten, daß wir uns nicht verzetteln;
- ernst genommen werden und andere ernst nehmen;
- offenen Austausch, aber auch die Verantwortung dafür übernehmen, was ich sage.
Verabredungen mit Leiterinnen und Leitern
Die Leiterinnen und Leiter sollen
- helfen, Entscheidungsprozesse herbeizuführen;
- klare Zielformulierungen vorgeben und die Arbeitsschritte für den Themenablauf festlegen;
- helfen, aus dem Generellen das Individuelle herauszuarbeiten, Bedürfnisse abklären und die Vorgehensweise transparent machen;
- den Prozeßablauf zur Diskussion stellen;
- Möglichkeiten zur Reflexion anbieten;
- dafür sorgen, daß niemand verletzt wird.
Die Verabredungen basieren auf den Grundannahmen und Regeln der Themenzentrierten Interaktion von Ruth Cohn.
Vgl. Barbara Langmaack: Themenzentrierte Interaktion. Einführende Texte rund ums Dreieck. Weinheim 1991, S. 105 ff.
© Günther Gugel: Praxis politischer Bildungsarbeit. Methoden und Arbeitshilfen. 5. Auflage, Tübingen 1999.
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