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Männer und Frauen gleichmäßig beachten und einbeziehen
Schülerinnen und Schüler sind keine geschlechtsneutralen Wesen. Das Wissen über und die Beachtung von unterschiedlichen Weltsichten, Verarbeitungsweisen und Verantwortlichkeiten von Männern und Frauen ist für den politischen Unterricht von großer Bedeutung. Deshalb ist eine aufmerksame und bewußte Haltung gegenüber ihren jeweiligen spezifischen Beiträgen, Eigenarten und Interessen von Frauen und Männern angezeigt.
Schülerinnen und Schüler können dabei lernen, die ihnen gesellschaftlich zugewiesenen Muster und Rollen bewußt wahrzunehmen, diese zu reflektieren und gegebenenfalls zu verändern.
Bildungsarbeit kann hierzu einen Beitrag leisten, wenn bestehende Rollen und Verhaltensmuster und die mit ihnen verbundenen Probleme für Männer und Frauen in die Fortbildung bzw. den Unterricht einbezogen und sichtbar (gemacht) werden, so daß eine bewußte Auseinandersetzung und Bearbeitung möglich wird.
Die Teilnehmerin bzw. der Teilnehmer sollte sich dabei zunächst auch über die eigenen Sichtweisen klar werden. Dies kann nur geschehen, wenn man sich auch die Relativität des eigenen Wertesystems vergegenwärtigt.
Gibt es Unterschiede im Sozialcharakter?
Im gesamten Bereich des Denkens, Handelns und Fühlens sind Unterschiede zwischen den Geschlechtern festzustellen. Untersuchungen weisen darauf hin,
daß weibliche Formen des Denkens und der Erkenntnis eher auf sinnlicher Erfahrung beruhen und weniger auf abstrakten Gedankengebäuden. Frauen lassen es eher zu, daß Denken und Gefühl gleichzeitig stattfinden können und daß auch (scheinbare) Gegensätze nebeneinander existieren; damit sind sie ganzheitlicher in ihrem Denken und in ihrer Weltsicht.
Im Bereich der sozialen Beziehungen agieren Männer anders als Frauen: Männer erleben soziale Beziehungen zu andern eher als ein Verhältnis von Konkurrenz bis Feindschaft, so lange bis die Frage von Dominanz oder Unterordnung geklärt ist. Frauen sind eher darin trainiert, auszugleichen.
In der Moralentwicklung sind gravierende Unterschiede festzustellen: Untersuchungen über weibliche Moralvorstellungen haben gezeigt, daß Frauen in konflikthaften Situationen ihre Entscheidung eher aufgrund von Empathie und Mitgefühl sowie mit Rücksicht auf Verantwortung und Bindungen innerhalb eines Beziehungsgeflechts treffen. Männer entscheiden dagegen eher nach einer Moral des formalen Rechts und orientieren sich an hierarchischen Ordnungen.
Geschlechtsspezifische Stereotypen
In Medien, Politik und Gesellschaft werden die Männer- und Frauenrollen in weiten Bereichen von Stereotypen geprägt. Männer gelten als diejenigen, die Schlachtpläne entwerfen, das Vaterland verteidigen, die über (militärische und wirtschaftliche) Macht verfügen und auch die Ausdrucksformen in der Sprache dominieren. Sie gelten als Täter, die Gewalt anwenden und Kriege anzetteln. Frauen hingegen sorgen für das Wohlergehen zu Hause und sind für die Kinder zuständig. Sie sind es, die Konflikte schlichten, Streitereien ausgleichen und auf Harmonie und Fürsorge bedacht sind. Und: sie gelten als Opfer, die unter Gewalt und Krieg leiden.
Die friedfertige Frau: Nur ein Mythos?
Bei allen körperlichen Formen aggressiven Verhaltens sind Männer eindeutig als Täter erheblich öfter beteiligt, während Frauen bei Gewaltakten tatsächlich in der Opferrolle sind. Doch dies ist noch kein Beleg dafür, daß Männer tatsächlich aggressiver sind. Denn ebensogut wäre es möglich, daß Frauen nur andere, subtilere Formen der Gewalt anwenden oder ihre Aggressionshandlungen weniger nach außen als vielmehr gegen sich selbst richten. Trotz dieses Einwandes ist heute in der Psychologie nicht die These strittig, daß es Geschlechtsunterschiede im aggressiven Verhalten gibt, sondern die Frage, wodurch diese zustande kommen. Verschiedene Autorinnen und Autoren nehmen biologisch festgelegte Unterschiede an, da Männer in allen Kulturen aggressiver seien als Frauen. Andere bringen diese Unterschiede zu Recht in Verbindung mit geschlechtsrollenspezifischen Erwartungen und Sozialisationseinflüssen. Von Jungen werden aggressive Handlungen erwartet und belohnt, während zum Rollenverständnis der Mädchen eher Hilfsbereitschaft und Sanftmut gehören. Dabei muß auch gesehen werden, daß traditionelle Frauenrollen die Möglichkeit bieten andere für sich kämpfen zu lassen.
Die "Mittäterschaft" der Frauen
Männer sind in Wirtschaft und Politik die eigentlichen Entscheidungsträger und haben die Entwicklungen im technischen, wirtschaftlichen, militärischen und ökologischen Bereich wesentlich zu verantworten. Doch sind Frauen deshalb nur die Marionetten in einem von Männern inszeniertem Theater der Zerstörung, oder haben auch sie einen Anteil daran?
Eine Reihe von Untersuchungen über die Rolle der Frauen bei der Inszenierung von Gewalt kommt zu dem Ergebnis, daß diese zwar nicht die eigentlichen "Täter" sind, aber durchaus eine Mittäterinnenschaft zu verantworten haben. Diese These stößt in verschiedenen Kreisen der Frauenbewegung auf heftige Ablehnung, wird jedoch von Seiten der feministischen Friedensforschung als wichtige Sichtweise so akzeptiert und formuliert.
Ausgangspunkt dieser Betrachtungsweise ist die Feststellung, daß Frauen in dieser Gesellschaft (und überhaupt im Patriarchat) kein ab- (oder aus-) gegrenztes Eigenleben führen (können), sondern ihre Verquickung mit den Männerinteressen eben diese Mittäterinnenschaft herstellt. Dies geschieht, indem Frauen ergänzende und stützende Funktionen übernehmen oder aber auch sich die "männlichen Errungenschaften" aneignen anstelle die Politik der Männer zu bekämpfen und zu verhindern. Hierzu gehört die geschlechtliche Arbeitsteilung ebenso wie der freiwillige (oder erzwungene) Gehorsam gegenüber Männern.
Die Kategorie Mittäterinnenschaft dient nicht der Schuldzuschreibung, sondern soll dazu beitragen, Verantwortlichkeiten zu klären.
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Beobachten Sie ... Beobachten Sie, welche Rollen und Aufgaben in Fortbildungsveranstaltungen und der Schule von Männern (Jungen), welche von Frauen (Mädchen) wahrgenommen werden. Stellen Sie fest ... Stellen Sie fest, in welchen Positionen Frauen an ihrer Schule vertreten sind
Überprüfen Sie ... Überprüfen Sie, ob folgende Beobachtung auch auf ihre Klassen zutrifft: "Unsere Beobachtungen und Analysen von Unterricht in großstädtischen, mittelstädtischen und ländlichen Gebieten Hessens, in Grundschulen, Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien und Einrichtungen der Erwachsenenbildung zeigen, daß das Klassenzimmer für Mädchen und Jungen nicht denselben Erfahrungsraum beinhaltet, daß Jungen und Mädchen nicht in der gleichen Weise unterrichtet werden und daß ihre kommunikativen Kompetenzen nicht in der gleichen Weise bewertet werden und in die Kommunikationsnormen des Klassenzimmers eingehen." Claudia Fuchs: Interaktionen im Unterricht. In: Diskussion Deutsch, Heft 105, Februar 1989, S. 92. |
Literaturhinweise
Batscheider, Tordis: Friedensforschung und Geschlechterverhältnis. Zur Begründung feministischer Fragestellungen in der kritischen Friedensforschung. Marburg 1993.
Dehne, Brigitte: Geschichte für Mädchen und Jungen. In: Gerold Niemetz (Hrsg.) Vernachlässigte Fragen der Geschichtsdidaktik. Hannover 1992, S. 84 ff.
Cordes, Mechthild / Elke Begander: Berufsbezogene Weiterbildung: Gleichstellungsarbeit für Frauen. Die Frauenfrage. Tübingen 1993.
© Günther Gugel: Praxis politischer Bildungsarbeit. Methoden und Arbeitshilfen. 5. Auflage, Tübingen 1999.