Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Befürchtungen in Gruppen

Das Bedürfnis der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach spontanem Kontakt in Gruppen wird durch vielfältige Befürchtungen blockiert. Jede bzw. jeder möchte sicher gehen, ob sie bzw. er es "richtig" macht.

Nicht jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer hat dieselben Befürchtungen. Nicht bei jeder bzw. jedem sind sie gleich stark ausgeprägt.

Befürchtungen, die oft ­ und vor allem in Anfangssituationen ­ in Gruppen vorhanden sind:

Wie wichtig darf ich mich machen, damit man mich wahrnimmt?
Wie wichtig muß ich mich machen, um nicht als anspruchslos zu gelten?

Wie dicht darf ich an die anderen herangehen, um meine Kontaktwünsche zu befriedigen?
Wie fern muß ich mich halten, um nicht bedrängend zu wirken?

Wie offen darf ich widersprechen, um mich zu behaupten?
Wieviel muß ich widerspruchslos hinnehmen, um nicht aggressiv zu wirken?

Wieviel darf ich von meinen persönlichen Schwächen zeigen, um die Last des Versteckspielens loszuwerden?
Wieviel muß ich von meinen persönlichen Schwächen verdecken, um mir unerträgliche Blamage zu ersparen?

Wie dumm darf ich sein, um dringend erwünschte Informationen zu bekommen?
Wie klug muß ich sein, um nicht den Anschluß an das intellektuelle Niveau der Gruppe zu verlieren?

Wie locker und spontan darf ich sein, um mich von innerer Spannung zu befreien?
Wie kontrolliert muß ich sein, um nicht zu impulsiv zu wirken?

Wieviel darf ich von meinen Einstellungen verraten, damit die anderen mich "richtig" kennenlernen?
Wieviel muß ich von meinen Einstellungen zurückhalten, um nicht zu provozierend auf andere mit abweichenden Einstellungen zu wirken?

Wie ungleichmäßig darf ich meine Zuwendung verteilen, um mein unterschiedliches Interesse an den einzelnen Gruppenmitgliedern ausdrücken zu können?
Wie gleichmäßig muß ich meine Zuwendung verteilen, um nicht solche Gruppenmitglieder zu enttäuschen, die sich von mir vernachlässigt fühlen könnten?

Vgl. H. E. Richter: Lernziel Solidarität. Reinbek 1974, S. 81f.

© Günther Gugel: Praxis politischer Bildungsarbeit. Methoden und Arbeitshilfen. 5. Auflage, Tübingen 1999.

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