Home / Service / Unterrichtsmate... / Menschenrechte / Menschenrechte / Ursachen für Menschenrechtsverletzungen
Die Ursachen für Menschenrechtsverletzungen können auf verschiedenen Ebenen gesehen und diskutiert werden:
Den wohl bekanntesten Versuch, Licht in das Dunkel der Gehorsamsbereitschaft zu bringen, stellt das Laborexperiment des amerikanischen Sozialpsychologe Stanley Milgram dar. Ebenso wie Hannah Arendt gewann er durch den Eichmann-Prozeß in Jerusalem den Eindruck, dass normale Menschen auf den Befehl einer Autorität hin andere foltern können. In einer nur vorgeschobenen Untersuchung der Auswirkungen von Strafen auf das Lernverhalten forderten wissenschaftlich auftretende Versuchsleiter durch Annoncen oder brieflich angeworbene repräsentative Bürger auf, einem anderen Menschen in der Rolle des "Schülers" bei falschen Antworten Elektroschocks zu verabreichen. Den eigentlichen Versuchspersonen wurde immer die Rolle des "Lehrers" zugelost, der nach jeder falschen Antwort des "Schülers" die Strafe um 15 Volt erhöhen mußte. Die Höchststrafe betrug 450 Volt.
In den unterschiedlichen Versuchsanordnungen stieg oder fiel die Bereitschaft des "Lehrers", den Anordnungen des Versuchsleiters bis zum Maximalschock von 450 Volt Folge zu leisten. Die fingierten Reaktionen der "Schüler" waren zuvor auf Tonband aufgenommen worden. Obwohl der "Schüler" seufzt und stöhnt, mit steigender Voltstärke erst schmerzerfüllt schreit, dann wütend protestiert, vor Verzweiflung weint und zwischen 390 und 450 Volt schließlich verstummt, erteiltenje nach Versuchsaufbau über 60 % der Versuchspersonen den Maximalschock. Assistierten sie lediglich, stieg der Prozentsatz sogar auf 93 %. Diese alle Erwartungen weit übertreffende Gehorsmasbereitschaft einer "wissenschaftlichen Autorität" gegenüber erschreckte umso mehr, als die Versuchspersonen weder Strafe noch einen materiellen Verlust befürchten mußten, wenn sie den Gehorsam verweigerten.
Universität Duisburg, Institut für Entwickung und Frieden (Hrsg.): NEF Report Heft 1/91: Bericht über die internationale Folterforschung, Duisburg 1992, S. 36.
Das Parlament, Nr. 17, 23.4.1993
Eine der wichtigsten Ursachen von Menschenrechtsverletzungen sind bewaffnete Konflikte. Neben Maßnahmen zur sozio-ökonomischen Entwickung und der Verhinderung von Waffenexporten in Krisengebiete erscheinen deshalb Strategien zur friedlichen Konfliktbeilegung und Krisenprävention besonders geeignet, die Einhaltung der Menschenrechte zu unterstützen.
Stiftung Entwickflung und Frieden (Hrsg.): Globale Trends 93/94. Daten zur Weltentwicklung. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 1993, S. 103 f.
Menschenrechte werden von den Völkern nicht akzeptiert, wenn sie als Hindernisse für den Fortschritt betrachtet werden. Einige Eiferer täten gut daran, diese Tatsache zu berücksichtigen. Es gibt Belege dafür, dass in gewissen Phasen der Entwicklung eines Landes eine Überbetonung der Individualrechte kontraproduktiv wird. In jeder Gesellschaft sind Zwänge nötig. Die Ausübung von Rechten muß ausbalanciert sein mit der Last der Verantwortung. Völlige Freiheiten machen den einzelnen nicht so sehr zum Menschen, sondern zum Tier, das allein dem Gesetz des Dschungels unterworfen ist.
(...) Wir rechtfertigen uns vor unserem eigenen Volk, nicht vor abstrakten Theorien oder vor Ausländern. Entscheidend erscheint nur der praktische Erfolg.
Wong kan Seng, Ausßenminister von Singapur auf der Wiener Menschenrechtskonferenz im Juni 1993. Wiong Kan Seng: Wir entschuldigen uns nicht. IN: Theo Sommer (Hrsg.): ZEIT-Punkte, Nr. 2/1993. ZEITverlag Hamburg 1993, S. 95.
Die Zeit, Nr. 46, 6. 11. 1992
Wolfgang S. Heinz: Menschenrechte in der Dritten Welt. Beck Verlag, München 1986, S. 40f.
Was amnesty international für die politischen Gefangenen in Afrika bedeutet, zeigt der Satz des Ex-Häftlings Naby Moussa touré aus Guionea: "Aus dem tiefen Dunkel unserer Zellenhörten wir, wie sie von einem Mr. Amnesty sprachen, der um die Erlaubnis bat, Guineas Gefängnisse inspizieren zu dürfen. Dieses Gefühl, nicht von aller Welt vergessen und verlassen zu sein, half die schwache Flamme der Hoffnung am Leben zu halten..." Und gilbert Naccache, Ex-Gefangener aus Tunesien, faßte die ai-Verdienste um seine Person (...) in dem schlichten Satz zusammen: "Ich fühlte mich wieder als Mensch."
Frankfurter Rundschau, 3.12.1990
A: Was versteht man denn unter "besten Investitionsbedingungen"?
B: Das bedeutet z.B. günstige Stuerbedingungne oder gar keine Steuern; das kann aber auch heißen, dass der Unternehmer vor den Gewerkschaften geschützt wird und Arbeitsbedingungen wie bei uns im Frühkapitalismus verwirklichen kann: Niedrigstlöhne, brutale Arbeitszeiten, kein Arbeitsschutz, kein Kündigungsschutz. Es gibt da raffinierte Systeme, nach denen die Arbeiter – oft sind das Frauen, die noch weniger Rechte haben – genau dann gefeuert werden, wenn sie infolge der Arbeitsbedingungen gesundheitlich ruiniert sind.
A: Wieso lassen sich denn die Arbieter das gefallen?
B: Du fragst sehr naiv. sicher lassen sie sich das nicht freiwillig gefallen. Einerseits ist in diesen Ländern das Elend so groß, dass sie froh sind, überhaupt einen Arberitsplatz zu haben, oft verdienen sie sogar noch ein bißchen mehr als bei vergleichbaren einheimischen Betreiben; und andererseits gibt es gegen Proteste jeglicher Art ja die staatlichen Repressionsinstrumente: die Polizei und die Sicherheitskräfte sorgen schon dafür, dass alles ruhig bleibt. Und wenn es doch einmal zu Protesten kommt, dann wird den Arbeitern eben gekündigt, und die Lautesten unter ihnen werden eingesperrt und oft gefoltert; auf dies e Weise wird die Ruhe wieder hergestellt.
A: Du verwirrst mich immer mehr. Soll das heißen: Wir, die westlichen Industrieländer, die wir in unseren Verfassungen allen Menschen die Grundrechte garantieren, sind Schuld an den Menschenrechtsverletzungen in der Dritten Welt? Bezahlen wir unseren Wohlstand mit der Unterdrückung der Dritten Welt? Willst du das sagen?
Gudrun Reiss: Menschenrechtsverletzungen in der Dritten Welt – Mitverantwortung der Industriestaaten. In: G. Klemt-Kozinowski u.a. (Hrsg.): Das Recht ein Mensch zu sein. Signal Verlag, Baden-Baden 1988, S. 49.
© Günther Gugel, Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.