Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Kinder haben Rechte

Didaktische Hinweise

Fächer: Deutsch, Sozialkunde, Religion, Ethik, Politik
Themenbereich: Kinder, Menschenrechte, Kinderrechte
Zeitbedarf: 45 Min.
Methodenbereich: Suchaufgaben, Umgang mit Texten
Benötigte Materialien:Vorbereitungen: M 1 kopieren

Verlaufsskizze

Einstieg: Schwedenrätsel
Vorstellung des Themas: Wo und wie werden Kinder diskriminiert?
Durchführung: Einzelarbeit, Klasse, Arbeitsgruppen, Klasse
Schluss: Diskussion der Kinderrechte (M 3)

Im Jahr 1900 proklamierte die Schriftstellerin Ellen Key das "Jahrhundert des Kindes". Der Titel ihres gleichnamigen Buches sollte Mahnung und Programm sein, um die Bedürfnisse und Interessen der Kinder in der Gesellschaft stärker zu berücksichtigen. Doch es dauerte bis 1989, bis eine internationale Vereinbarung, eine "Konvention über die Rechte des Kindes" von den Vereinten Nationen beschlossen wurde. Die SchülerInnen sollen sich damit auseinandersetzen, welche Rechte Kindern zugebilligt (und welche ihnen vorenthalten) werden. Sie sollen sich aber gleichzeitig auch damit beschäftigen, was die Verwirklichung dieser proklamierten Rechte in der BRD und in anderen Ländern verhindert.

Vorgehensweise

M 1: Schwedenrätsel: Kinder haben Rechte

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Aufgabe
In diesem Schwedenrätsel sind Begriffe versteckt, die ausdrücken, was Kinder brauchen.

M 2: Aspekte der Situation der Kinder in der Welt

Kinder ohne Heimat: 80 Millionen Kinder leben in den Straßen der Großstädte Lateinamerikas, Afrikas, Asiens. 

Kinderarbeit: Ca. 200 Mio. Kinder werden weltweit zur Kinderarbeit gezwungen: als Teppichknüpfer, als Straßenhändler oder als Zeitungsverkäufer. 

Kinder als Ware: Kinder werden zum Zwecke der Adoption oder Prostitution verkauft. Mit Körperorganen von Kindern wird Handel getrieben. 

Vorenthaltung von Bildungschancen: Viele Kinder sind Analphabeten; sie haben keine Möglichkeiten, eine Schule zu besuchen. 

Kein Recht auf Leben: Viele Kinder sterben an Hunger, Unterernährung oder Fehlernährung. 

Kinder als Opfer und Täter: Kinder werden gezwungen, an Kriegen teilzunehmen. Kinder leiden unter den Kriegsfolgen am stärksten: als Waisen, als Krüppel, als Flüchtlinge.

Kinder ohne Eltern: Weltweit wachsen rund 143 Millionen Kinder ohne Vater, Mutter oder beide Eltern auf. Durch AIDS steigt die Zahl der Waisen in einige Ländern weiter an.

M 3: Kinder haben Rechte
  1. Das Recht auf Gleichheit, unabhängig von Rasse, Religion, Herkunft oder Geschlecht.
  2. Das Recht auf eine gesunde geistige und körperliche Entwicklung.
  3. Das Recht auf einen Namen und eine Staatsangehörigkeit.
  4. Das Recht auf ausreichende Ernährung, menschenwürdige Wohnverhältnisse und medizinische Versorgung.
  5. Das Recht auf besondere Betreuung im Falle körperlicher oder geistiger Behinderung.
  6. Das Recht auf Liebe, Verständnis und Geborgenheit.
  7. Das Recht auf unentgeltlichen Unterricht, auf Spiel und Erholung.
  8. Das Recht auf Beteiligung an der Gestaltung der eigenen Umwelt.
  9. Das Recht auf Schutz vor Grausamkeit, Vernachlässigung und Ausbeutung.
  10. Das Recht auf Schutz vor allen Formen der Diskriminierung und auf eine Erziehung im Geiste der weltweiten Brüderlichkeit, des Friedens und der Toleranz.

UNICEF, Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Hrsg.): Jahreskalender 1995. Bonn 1994.

M 4: Konvention über die Rechte der Kinder

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen beschloss am 5.12.1989 einstimmig eine »Konvention über die Rechte des Kindes«. Alle Staaten der Erde (mit Ausnahme der USA und Somalia) haben die Kinderrechtskonvention unterzeichnet. Die Konvention beinhaltet u.a. den Schutz der Kindheit, das Recht auf Familie und Geborgenheit, das Recht auf Erziehung und Bildung, den Schutz vor sexueller Gewalt und Drogenmissbrauch, den Schutz vor politischer Gewalt und das Recht auf Identität und Status. Diese Konvention ist zum ersten Mal ein völkerrechtlich verbindliches Dokument für die Rechte der Kinder. D.h. die Staaten, die sie ratifiziert haben, verpflichten sich, sie in eigenes, nationales Recht umzusetzen. Obwohl die Kinderrechtskonvention seit vielen Jahren in Kraft ist, gibt es noch viel zu tun, muss sie (auch in Deutschland) noch mit Leben gefüllt werden: in vielen Ländern der Welt werden die Rechte von Kindern mit Füßen getreten. Auch mitten in Europa sind Armut, Gewalt, Misshandlung und Prostitution für Kinder bittere Realität. Jungen und Mädchen werden verkauft, ausgebeutet, leben auf der Straße, sind in Not und ohne Chancen.

M 5: Auszüge aus dem Generationenvertrag

Die Kinder haben das Recht auf eine Zukunft in Frieden, auf eine Welt mit sauberem Wasser, reiner Luft und gesunder Natur. Leben ist wichtiger als Geld. Die Erwachsenen erwarten im Alter von den Kindern Rücksicht. Die Kinder erwarten von den Erwachsenen Vorsicht für ihre Zukunft. Die Erwachsenen, die diesen Generationenvertrag unterschreiben, verpflichten sich:

  1. Ich werde alles tun, dass wir einer lebenswerten Welt, wie sie sich die Kinder wünschen, näherkommen. Ich nehme die Gedanken, die Visionen und Wünsche der Kinder ernst. Nach Ablauf von zwölf Monaten werde ich den Kindern erneut für ein Gespräch zur Verfügung stehen, um zu berichten, was ich für dieses Ziel getan habe.
  2. Ich werde mindestens eine der (...) von den Kindern aufgelisteten Forderungen als Privatperson oder in meinem Beruf erfüllen. Welchen Kinderwunsch ich erfülle, gebe ich bekannt.
  3. Ich werde diesen Generationenvertrag an mindestens zwei weitere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens weitergeben, um diese ebenfalls für die Unterzeichnung zu gewinnen.

Dieser Generationenvertrag wurde auf dem von der Zeitschrift "Natur" organisierten nationalen Kindergipfel 1991 in Frankfurt verabschiedet. Vgl. Natur-Magazin, Nr. 11/1991, S. 32.

Literaturhinweise

Bundesministerium für Frauen und Jugend (Hrsg.): Übereinkommen über die Rechte des Kindes. Text in amtlicher Übersetzung. Düsseldorf 1993.

Liebel, Manfred: Wozu Kinderrechte. Grundlagen und Perspektiven. München 2007.

Portmann, Rosemarie: Kinder haben ihre Rechte. Hintergründe, Übungen und Spielideen zu Kinderrechten. München 2001.

UNICEF (Hrsg.): Zur Situation der Kinder in der Welt 2007. Frankfurt/M. 2006.

Auszug aus dem Buch:
Günther Gugel, Vertretungsstunden mit Pfiff.
Anregungen für einen handlungsorientierten Unterricht zum Themenbereich
"Eine Welt" in den Sekundarstufen.

Institut für Friedenspädagogik, Tübingen 2008.

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