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Bei der Auseinandersetzung mit aktuellen Kriegen stößt man immer wieder auf die zentralen Fragen von Krieg und Frieden, die gemeinsam angegangen und beantwortet werden können.
1. Warum gibt es Kriege?
Warum gibt es Kriege? Wer ist dafür verantwortlich? Wer profitiert davon? Wer leidet darunter?
Die Kriegsursachenforschung hat u.a. folgende Ursachen für den Krieg zwischen Staaten benannt: Territorialansprüche (Konkurrenz um Grenzen und Gebiete), Herrschaftssicherung (Furcht vor einer Bedrohung von außen), Herrschaftsinteressen ( Durchsetzung politischer und ökonomischer Interessen durch Eliten), Machtkonkurrenz (Kampf um Vormachtstellungen in der Region), Rohstoffbedarf (Konkurrenz um knappe Ressourcen), Ablenkung (Ablenkung von Konflikten innerhalb des Staates), Fehlwahrnehmung (Falsche Beurteilung der Stärke und Absichten anderer Staaten).
Im innerstaatlichen Bereich (bei Bürgerkriegen) spielen u.a. folgende Faktoren eine Rolle: Ethnisch-kulturelle Heterogenität (kein Interessenausgleich angesichts unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen), Interner Kolonialismus (Ökonomische Ausbeutung und politische Unterdrückung von Bevölkerungsgruppen und Regionen), Sozio-ökonomische Heterogenität (krasse soziale Ungerechtigkeiten).
2. Gibt es gerechte Kriege?
Die Ausnahmen vom völkerrechtlichen Kriegsführungsverbot sind in der UN-Charta klar geregelt. Sie betreffen die Verteidigung bei einem Angriff oder "humanitäre Interventionen", wenn durch massive Verletzungen von Menschenrechten der Weltfrieden bedroht ist. Diese Interventionen in Drittstaaten müssen vom UN-Sicherheitsrat mit einem entsprechenden Mandat versehen werden. Der "Kosovo-Krieg" in Jugoslawien zeigt, dass zu diesen bislang als gültig erachteten völkerrechtlichen Spielregeln neue Interpretationen hinzugekommen sind: "humanitäre Interventionen" durch ein Militärbündnis unter Verzicht auf ein UN-Mandat. Die Frage bleibt, gibt es "gerechte Kriege", welches sind die Kriterien hierfür. Völkerecht, Menschenrechtskonventionen und moralisch-ethische Kriterien müssen hierfür herangezogen werden.
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Interventionen und Ethik Zwei Meinungen
"Können dagegen mit einer Intervention die Gewaltanwendungen beendet oder ihre Folgen gemildert werden, ist aus ethischer Sicht die Intervention dann zu erwägen, wenn sie voraussichtlich das Übel in größerem Umfabng beseitigen hilft als dies bei einem Verzuicht auf diese Intervention der Fall wäre. Dabei müssen nicht nur die direkten, sondern auch die indirekten Folgen der Intervention in der Güterabwegung berücksichtigt werden."
"Es gibt keine Ziel und keinen Zweck, zu dem Krieg ein verhältnismäßiges Mittel wäre. |
3. Gibt es "saubere" Kriege?
Es ist naiv zu glauben, es gebe „saubere“ Kriege. Auch modernste Technik fordert (zivile) Opfer. Die Folgen eines Krieges für die betroffene Bevölkerung, für die Umwelt oder für die Staatengemeinschaft sind immer gravierend. Tod und Verkrüppelung sowie langfristige psychische Schäden sind zu beklagen. Über dreißig Millionen Menschen sind bei Kriegen in der "Dritten Welt" seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges getötet worden.
Kriege zerstören die Infrastruktur und die Wirtschaft eines Landes. Das Ökosystem wird stark in Mitleidenschaft gezogen, wenn seine Zerstörung nicht gar bewußt als Waffe eingesetzt wurde. Wälder werden entlaubt, Wasser vergiftet, Ölteppiche freigesetzt, ganze Landstriche durch Landminen unbewohnbar gemacht.
Hunger und Not sind die unmittelbaren weiteren Folgen, da häufig die landwirtschaftlich Flächen nicht mehr nutzbar sind. Die Menschen werden auf Jahre hinaus von der Hilfe anderer abhängig.
Das Zusammenleben im eigenen Land und in der Staatengemeinschaft wird schwer belastet oder sogar für viele Jahre verunmöglicht.
4. Wie enden Kriege?
Auch auf diese Frage lassen sich anhand der Beispiele aus der Vergangenheit Lehren für heute ziehen. Die Kapitulation einer Seite ist nicht immer der Hauptgrund für ein Kriegsende. Häufig spielen andere Faktoren eine Rolle: lange Kriegsdauer, Kriegsmüdigkeit der Bevölkerung, materielle Erschöpfung der Kriegsparteien, wirtschaftliche Zerrüttung, veränderte Interessenlagen der Kriegsparteien, wachsender Druck von außen (Sanktionen, Interventionen von Dritten), Vermittlung durch Dritte (z.B. UNO).
5. Was bedeutet "Normalität" in der Sicherheits- und Außenpolitik?
Die Sicherheitspolitik der NATO hat sich in den letzten Jahren grundlegende geändert. Von der Abschreckung im Ost-West-Konflikt findet eine Entwicklung hin zur multifunktionalen weltweiten Eingreiftruppe "im Namen der Menschenrechte" statt. Wie kommen solche Veränderungen zustande, wie werden sie legitimiert, wie durchgesetzt? Deutschland nimmt an dieser Entwicklung teil mit der Begründung, zur Normalität internationaler Außenpolitik zurückzukehren. Was bedeutet diese Normalität? Welche Konsequenzen ergeben sich für die Soldaten der Bundeswehr, die immer noch in einem feierlichen Gelöbnis schwören die Bundesrepublik Deutschland zu verteidigen?
6. Lassen sich Kriege verhindern?
Langfristig kann es nur darum gehen, die vielfältigen Möglichkeiten ziviler Konfliktbearbeitung bekannter zu machen und in den politischen Alltag zu integrieren. Nur so können zwischenmenschliche, innergesellschaftliche und internationale Konflikte vor einer zerstörerischen Eskalation bewahrt werden oder wenigsten deren Folgen abgemildert werden.
Mögliche Ansätze sind u.a.:
Gewaltprävention
Konfliktbearbeitung und -schlichtung
Konfliktnachsorge
Recherchemöglichkeiten und Medienanalyse
Zu einer systematischen und kritischen Auswertung der Medien gehören nicht mehr nur Tageszeitungen und Fernsehnachrichten und -sendungen, sondern immer wichtiger werden Internet-Angebote der verschiedenen Konfliktparteien.
Leitfragen:
Wie werden dieselben Ereignisse von den verschieden Parteien dargestellt?
Nicht vergessen: Experten und Betroffene befragen!
Günther Gugel / Uli Jäger: Krieg im Unterricht. aktualisierte Fassung, Tübingen 2003