Home / Service / Unterrichtsmate... / Friedensbewegung / Die Frauenfried... / Materialien
Zur Übersicht Frauenfriedensbewegung
Beschwerdebrief von Lida Gustava Heymann an Reichskanzler Bethmann Hollweg vom 10. Dezember 1915 wegen Verweigerung der Grenzüberschreitung nach Holland:
"Als ich am 4. Dezember über die Grenzstation Elten nach Amsterdam fahren wollte, zeigte ich meinen Pass vor, nachdem mein Gepäck als einwandfrei befunden worden war. Einer der Beamten... fragte mich: ,Sind sie Pazifistin?' Als ich das bejahte, sagte er: ,Dann müssen Sie hier warten' und entfernte sich... Nachdem ich eine knappe Stunde im Wartesaal gewartet hatte, kam ein Soldat mich holen. Er übergab mich einer Frau, die mich einer eingehenden Leibesvisitation unterzog, nach deren natürlich ergebnisloser Beendigung hatte ich in den Wartesaal zurückzukehren, wo nach einiger Zeit ein Offizier mir meinen Pass mit der Bemerkung zurückgab, ich dürfe die Grenze nicht passieren ... Ich habe beim K(öniglich) Pr(eußischen). Generalkommando in Berlin Beschwerde erhoben, dass man in Deutschland eine Frau, nur weil sie Pazifistin ist, einer gemeinen Spionin gleich behandelt..."
(Alle Beschwerden wurden ohne Angaben von Gründen abgewiesen).
Quelle: Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv
Die deutsche Delegation beim Ersten Internationalen Frauenfriedenskongreß 1915 in Den Haag
M 2.1 Einleitung
"Wir erklären feierlich jeder Neigung zu Feindschaft und Rache zu widerstehen, dagegen alles Mögliche zu tun, um gegenseitiges Verständnis und guten Willen zwischen den Völkern herzustellen und für die Wiederversöhnung der Völker zu wirken. Wir erklären: der Lehrsatz, Kriege seien nicht zu vermeiden, ist sowohl eine Verneinung der Souveränität des Verstandes, als ein Verrat der tiefsten Triebe des menschlichen Herzens."
M 2.2 Beschlüsse
"Dieser Internationale Frauenkongreß protestiert gegen die Auffassung, dass Frauen unter einer modernen Kriegsführung geschützt werden können.
Er protestiert aufs Entschiedenste gegen das furchtbare Unrecht, dem Frauen in Kriegszeiten ausgesetzt sind, und besonders gegen die entsetzlichen Vergewaltigungen von Frauen, welche die Begleiterscheinung jedes Krieges sind.
Dieser Internationale Frauenkongreß fordert, dass im Interesse dauernden Friedens und der Civilisation die Konferenz zur Feststellung der Friedensbedingungen nach dem Kriege eine Resolution annehmen soll, welche die Notwendigkeit der politischen Gleichberechtigung der Frauen für alle Länder betont."
Quelle: Internationaler Frauenkongreß im Haag, Kongreßbericht 1915. Hrsg. vom Internationalen Frauenkomitee für dauernden Frieden. Amsterdam 1915, S. 46 f.
Beschlüsse des Internationalen Frauenkongresses in Zürich vom 12.17. Mai 1919 zu den Friedensbedingungen:
"Der Internationale Frauenkongreß spricht sein tiefes Bedauern darüber aus, daß die in Versailles vorgeschlagenen Friedensbedingungen so schwer die Grundsätze vergewaltigen, durch welche allein ein gerechter und dauernder Friede gesichert werden kann, und welche von den Demokratien der Welt angenommen worden waren. Indem die Friedensbedingungen dem Sieger die Ernte aus ihren Geheimverträgen garantieren, erkennen sie stillschweigend die Geheimdiplomatie an, verleugnen das Prinzip der Selbstbestimmung, erkennen sie das Recht des Siegers auf die Kriegsbeute an und schaffen für ganz Europa Mißstimmung und Feindseligkeit, die nur zu weiteren Kriegen führen können. Das Verlangen der Abrüstung nur für einen Teil der Kriegführenden, bedeutet eine Vergewaltigung des Rechtes und die Fortsetzung der Gewaltherrschaft.
Die finanziellen und wirtschaftlichen Friedensbedingungen verdammen eine Generation von hundert Millionen Menschen im Herzen Europas zur Verzweiflung, Verseuchung und Verelendung, die in Haß und Anarchie in jedem Volk ausarten müssen."
Quelle: "Die Frauenbewegung", hrsg. von Minna Cauer, 25. Jg., vom 1.8.1919, S. 75 f.
M 4.1 Bericht über die Internationale Studienkonferenz der IFFF 1929 in Frankfurt a. M.:
"Diese war tatsächlich die erste ihrer Art und ein augenblicklich durchschlagender Erfolg. Die internationale Presse trug die grauenhaften Einzelheiten über den chemischen Krieg, der völlige Zerstörung der Länder bedeutete, die miteinander Krieg führen, in alle Erdteile. Autoritäten... stellten fest, daß alle bisherigen Schutzmittel gegen Gasangriffe versagten. Aber angenommen, es gäbe einen Schutz, dann würde bestialischer Vernichtungswille des Mannes nicht eher ruhen, als bis dieser Schutz durch eine stärkere, noch abscheulichere Kriegsmethode illusorisch gemacht würde... Die Konferenz zog die einzige logische Konsequenz und forderte: Ächtung aller Kriege und totale Abrüstung aller Völker...
Die geschichtliche Tatsache bleibt bestehen, daß es wieder Frauen waren, die als erste ihr ,SOS!' gegen die modernen Kriegsmethoden in die Welt hinausschleuderten."
M 4.2 Pazifistinnen warnten zuerst:
"Während des Weltkrieges und in den ersten Nachkriegsjahren war... die IFFF mit ihren radikalen Forderungen und Vorschlägen allen anderen internationalen Organisationen immer um eine, wenn nicht um mehrere Pferdelängen voraus... Sie forderte als erste 1915 die Beendigung des Weltkrieges, sie protestierte als erste 1919 gegen den Wahnsinn der Versailler Verträge, sie schlug als erste 1922 die Einberufung einer internationalen Wirtschaftskonferenz vor, um einer tatsächlichen Weltwirtschaft den Weg zu bahnen, einer Austauschwirtschaft, die allen Völkern Anteil an den Gütern der Erde sicherte und allen Menschen Arbeit und Brot gäbe..."
Quelle: L. G. Heymann und A. Augspurg, Erlebtes Erschautes. Frankfurt a. M. 1992, S. 260/1 u. 268
"Frauen Europas, wo bleibt Eure Stimme, um Frieden zu säen? Laßt Euch nicht abhalten durch jene, die Euch, weil Ihr den Frieden wollt, der Schwäche zeihen, die da sagen, Ihr werdet durch Euren Protest den blutigen Gang der Geschichte nicht aufhalten... Kommt im Norden oder Süden Europas zusammen, protestiert kraftvoll gegen den völkermordenden Krieg und bereitet den Frieden vor, kehret heim jede in ihr Vaterland und wiederholt den Ruf, erfüllet Eure Pflicht als Frauen und Mütter, als Hüterinnen wahrer Kultur und Menschlichkeit."
Quelle: L. G. Heymann, "Eine Frage. Frauen Europas, wann erschallt Euer Ruf?".
In: "Die Frauenbewegung", 21. Jg., vom 15.2.1915, S. 14
Clara Zetkin während der Jugendparade am Internationalen Jugendtag auf dem Roten Platz in Moskau im September 1924.
Die These von der "friedliebenden Frau" und dem "kriegerischen Mann":
"Um die von Frauen für den Pazifismus geleistete Arbeit in der Vergangenheit objektiv zu beurteilen, müssen wir uns klar machen, daß die modernen Zivilisationsstaaten Männerstaaten sind. Staaten des Mannes, in denen alles: Familie, Schule, Gefängnisse, Rechtswesen, Politik usw. auf dem männlichen Prinzip, d. h. dem Grundsatz der Gewalt, der Autorität, des Kampfes aller gegen alle, der Furcht des einen vor dem andern aufgebaut und eingestellt ist.
Dieses männliche Prinzip, welches das Leben der Individuen und der Völker untereinander seit Jahrhunderten völlig beherrscht, führte... immer wieder zu katastrophalen Machtausbrüchen und Rebellionen: Kriegen, Bürgerkriegen, Revolutionen. Der Weltkrieg hat bewiesen, daß der durch Gewalt aufgebaute und beherrschte Männerstaat auf der ganzen Linie versagt hat; der Beweis seiner Untauglichkeit wurde wohl noch nie anschaulicher erbracht. Das männliche Prinzip ist zersetzend und wird, wenn fortgeführt, die völlige Vernichtung der Menschheit herbeiführen...
Der Mann trägt die größte Schuld, daß des Weibes Wesen und Art nicht zur Auswirkung kam und dem Pazifismus in der Vergangenheit verloren ging. Denn weibliches Wesen, weiblicher Instinkt sind identisch mit Pazifismus."
Quelle: L. G. Heymann, Weiblicher Pazifismus (1917). In: G. Brinker-Gabler, Frauen gegen den Krieg. Frankfurt a. M. 1980, S. 65 f.
Anita Augspurg (links), Ms. Sheetabauls, Lida G. Heymann währned des 2. Internationalen Frauenfriedenskongresses,Mai 1919 in Zürich
Im Namen von Sozialistinnen aus Deutschland, England, Frankreich und Rußland
erging auf der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Bern im März 1915 folgendes Manifest an die "Frauen
des arbeitenden Volkes":
"Wie über die Schlachtfelder hinweg sich ihr Wille zusammenfand, so müßt auch ihr euch aus allen Ländern zusammenschließen, um den einen Ruf zu erheben: Friede! Friede!...
Die ganze Menschheit blickt auf euch, ihr Proletarierinnen der kriegführenden Länder. Ihr sollt die Heldinnen, ihr sollt die Erlöserinnen werden! Vereinigt Euch in einem Willen, in einer Tat!
Was eure Männer, eure Söhne noch nicht beteuern können, verkündet es millionenfach: Das Volk der Arbeit aller Länder ist ein Volk von Brüdern. Nur der einige Wille dieses Volkes kann dem Morden Einhalt gebieten.
Der Sozialismus allein ist der künftige Menschheitsfriede.
Nieder mit dem Kapitalismus, der dem Reichtum und der Macht der Besitzenden Hekatomben von Menschen opfert!
Nieder mit dem Krieg! Durch zum Sozialismus!"
Quelle: Berner Tagwacht vom 3.4.1915. Zitiert nach G. Brinker-Gabler, Frauen gegen den Krieg. Frankfurt a. M. 1980, S. 160
1889: Bertha von Suttner, Die Waffen nieder!
1892: Bertha von Suttner und Alfred Fried gründen die Deutsche Friedensgesellschaft
10.17. Mai: 1899: 565 Frauenfriedensversammlungen weltweit
18. Mai 1901: erneut weltweit Frauenfriedensdemonstrationen
1905 Friedensnobelpreis an Bertha von Suttner
1912: Internationaler Sozialistenkongreß in Basel: Rede Clara Zetkins gegen den drohen-den Krieg
Mai 1914: Gründung des Frauenbundes der Deutschen Friedensgesellschaft
6. November 1914: Gründung Bund Neues Vaterland
26.28. März 1915: Internationale Sozialistische Frauenkonferenz in Bern
28. April.1. Mai 1915: 1. Internationaler Frauenfriedenskongreß in Den Haag: Gründung des Internationalen Frauenausschusses für dauernden Frieden
29. Juli 1915: Verhaftung Clara Zetkins wegen Landesverrates
1917: Ausweisung Lida Gustava Heymanns aus Bayern
12.-15. Mai 1919: 2. Internationaler Frauenfriedenskongreß in Zürich: Umbenennung des Internationalen Frauenkomitees für dauernden Frieden in "Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit" (IFFF)
1924: 4. Internationaler Studienkongreß der IFFF in Washington: "Eine neue internationale Ordnung"
1929: Internationale Konferenz der IFFF in Frankfurt: "Die modernen Kriegsmethoden und der Schutz der Zivilbevölkerung"
1931: Gründung des Weltfriedensbundes der Mütter und Erzieherinnen
6. Februar 1932: Übergabe von 8 300 000 Unterschriften beim Völkerbund in Genf
Mai 1932: 7. Internationaler Kongreß der IFFF in Grenoble: "Weltabrüstung Weltuntergang."
Quelle:
Ute Kätzel: Es waren nur wenige, doch der Staat fühlte sich bedroht. Frauenfriedensbewegung von 1899 bis 1933.
In: Praxis Geschichte, Heft 3/97, S. 9-13, Westerman Schulbuchverlag GmbH.
Internetfassung mit freundlicher Genehmigung des Westermann Schulbuchverlags.
Westermann Schulbuchverlag GmbH
Georg-Westermann-Allee 66, 38104 Braunschweig
Tel.: 0531/708-0, Fax: 0531/708-248
E-Mail: schulservice@westermann.de