Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Unsere Welt in 20 Jahren - Visionen

Didaktische Hinweise

Fächer:Themenbereich: Weltentwicklung, Zukunftsvorstellungen
Zeitbedarf: 45-90 Min
Methodenbereich: Umgang mit Texten und Bildern
Benötigte Materialien: Materialien: Papierbogen, Farben
Vorbereitungen: keine

Verlaufsskizze

Einstieg: M 3 vorlesen
Vorstellung des Themas: Unsere Welt in 20 Jahren
Durchführung: Gruppenarbeit, Klasse
Schluss: Diskussion von M 2

Jede/r trägt die Vision einer anderen, besseren Welt oder aber auch einer Welt, die nicht mehr zu retten ist, in sich. In dieser Unterrichtsstunde sollen diese Zukunftsvorstellungen (Visionen) bildhaft ausgedrückt werden. Dabei gehen sowohl persönliche als auch politische Wünsche, Hoffnungen und Träume in die Visionen ein. Diese Visionen werden bildhaft, also durch Malen, Zeichnen (evtl. auch durch Collagen) dargestellt. Die Arbeitsanweisung kann offen (etwa: "unsere Zukunft in 20 Jahren") oder eher gezielt ("meine Gemeinde im Jahr 2015") formuliert sein.

Ablauf

Auswertung

Die Bilder werden an die Wand geheftet, so dass eine kleine Galerie entsteht. Man kann nun feierlich eine Ausstellungseröffnung gestalten, bei der sogar alle KünstlerInnen anwesend sind und ihre Werke vorstellen. Viele Visionen sind sehr symbolhaft gezeichnet und bedürfen deshalb einer Erklärung. Da Nachfragen erlaubt sind, kommt rasch ein Austausch über Zukunftshoffnungen und Zukunftsängste zustande, zumal Gemeinsamkeiten und Unterschiede deutlich werden.

Bei der Auswertung sollte auch nachgeforscht werden, auf welcher Basis die einzelnen Visionen entstanden sind. Ferner sollte darüber gesprochen werden, was getan werden kann, damit eine Vision eintritt bzw. nicht eintritt.

M 1: Globale Gefährdungen

Welche globalen Gefährdungen gibt es? Es können vier Gruppen von globalen Gefährdungen unterschieden werden:

1. reichtumsbedingte ökologische Zerstörungen,

2. armutsbedingte ökologische Zerstörungen,

3. die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen sowie

4. andere Effekte des Scheiterns der »nachholenden Entwicklung«.

Dabei ist zu beachten, dass globale Gefährdungen einen unterschiedlichen Grad der Mittelbarkeit aufweisen. Während etwa die Auswirkungen der Zerstörung der stratosphärischen Ozonschicht in vielen Regionen der Welt eine unmittelbare Bedrohung des menschlichen Lebens (durch Hautkrebs) darstellen, wird die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen erst dann zur globalen Gefährdung, wenn sie mit politischem Sprengstoff gepaart wird und die Waffen in einem Krieg verwendet werden. Es handelt sich somit um eine sozial vermittelte Lebensbedrohung. Generell kann gesagt werden, dass von (1) nach (4) die Mittelbarkeit der globalen Gefährdungen zunimmt. (...)

Meistens zeichnen sich globale Gefährdungen dadurch aus, dass sie nicht nach herkömmlichen Prinzipien der Verantwortlichkeit und Verursachung behandelt werden. Globale Gefährdungen entspringen meist einem komplexen Gebilde von sozialen und technischen Dynamiken, das von niemandem alleine kontrolliert wird.

Michael Zürn / Dieter Wolf / Daniel Gaede: Globale Gefährdungen. Problemfelder und Auswege. Tübingen 1995, S. 2 f.

M 2: Gemischte Zukunftssichten

Welche Zukunftsperspektiven Jugendliche entwickeln, ist eng mit ihren Sozialisationserfahrungen und aktuellen Lebensumständen in Familie, Schule und Freizeit verbunden. Vielfältige Faktoren wie die politische und wirtschaftliche Situation, Bildungserfolge oder -misserfolge und das soziale Umfeld beeinflussen die Zukunftsperspektiven Jugendlicher.

Die Shell Jugendstudie 2006 zeigt, dass Jugendliche deutlich stärker besorgt sind, ihren Arbeitsplatz zu verlieren bzw. keine adäquate Beschäftigung finden zu können. Waren es 2002 noch 55 %, die hier besorgt waren, sind es 2006 bereits 69 %. Auch die Angst vor der schlechten wirtschaftlichen Lage und vor steigender Armut nahm in den letzten vier Jahren von 62 % auf 66 % zu. Angesichts dieser besorgten Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland erklärt sich, warum sowohl der Optimismus in Bezug auf die persönliche Zukunft als auch in Bezug auf die gesellschaftliche Zukunft inzwischen abgenommen hat.

Nach wie vor überwiegt mit 50 % bei der Mehrheit der Jugendlichen eine eher zuversichtliche Vorstellung von der eigenen Zukunft. 42 % sehen ihre persönliche Zukunft eher gemischt – mal so, mal so – und nicht mehr als 8 % eher düster. Im Vergleich dazu hatten 2002 bei der letzten Shell Jugendstudie 56 % der Jugendlichen ihre eigene Zukunft eher zuversichtlich, 37 % gemischt und 6 % eher düster beurteilt. Die Zukunft der Gesellschaft beurteilen inzwischen 53 % der Jugendlichen im Vergleich zu 45 % im Jahr 2002 als eher düster und nur noch 44 % im Vergleich zu vormals 48 % eher zuversichtlich.

Repräsentative Stichprobe von Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren. Insgesamt wurden 2.532 Jugendliche aus allen Bundesländern befragt. Die Studie wurde im Zeitraum Januar bis Juni 2006 erarbeitet.

Shell Deutschland Holding (Hrsg.): Jugend 2006. Eine pragmatische Generation unter Druck. Frankfurt/M. 2006, S. 15 f.

M 3: Karl Valentin über die Zukunft:

"Die Zukunft war früher auch besser!"
Karl Valentin: Mein komisches Wörterbuch. Frankfurt 1988, S. 146.

Literaturhinweise

Benson, Bernhard: Tashi. Die Reise eines Kindes zu einer besseren Welt. Mit einem Geleitwort des Dalai Lama. München 1991.

Brown, Lester R.: Plan B 2.0. Mobilmachung zur Rettung der Zivilisation. Berlin 2007.

Gore, Al: Eine unbequeme Wahrheit. Eine globale Bilanz. DVD.

Dror, Yehezkel: Ist die Erde noch regierbar? Ein Bericht an den Club of Rome. München 1995.

Hölscher, Lucian: Die Entdeckung der Zukunft. Frankfurt/M. 1999.

Horx, Matthias: Wie wir leben werden. Unsere Zukunft beginn jetzt. Frankfurt/M. 2006.

Oppaschowski, Horst: Deutschland 2020. Wir wir morgen leben. Prognosen der Wissenschaft. Frankfurt/M. 2006.

Radermacher, Franz-Josef / Bert Beyers: Welt mit Zukunft. Überleben im 21. Jahrhundert. Hamburg 2007.

Walther, Joachim (Hrsg.): Der Traum aller Träume. Utopien von Platon bis Morris. Berlin 1990.

Worldwatch Institute (Hrsg.): Zur Lage der Welt 2007. Frankfurt/M. 2007.

Auszug aus dem Buch:
Günther Gugel, Vertretungsstunden mit Pfiff.
Anregungen für einen handlungsorientierten Unterricht zum Themenbereich
"Eine Welt" in den Sekundarstufen.

Institut für Friedenspädagogik, Tübingen 2008.

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