Das Inselspiel
Didaktische Hinweise
Fächer: Deutsch, Sozialkunde, Politik, Religion, Ethik
Themenbereich: Kriterien für das Zusammenleben
Zeitbedarf: 90 Min. oder länger
Methodenbereich: Simulationsspiele
Benötigte Materialien: keine
Vorbereitungen: keine
Verlaufsskizze
Einstieg: Ausgangssituation vortragen
Vorstellung der Vorgehensweise: Spiel erklären
Durchführung: Klasse
Schluss: Allgemeingültige Grundlagen für das Zusammenleben
Wie kann ein Zusammenleben für alle befriedigend organisiert werden? Welche Elemente der Beteiligung und Versorgung spielen dabei eine Rolle? Das Inselspiel simuliert eine Situation, in der sich die SchülerInnen Kriterien für ein gelungenes Zusammenleben erarbeiten sollen. Dieses Spiel kann mit beliebig vielen Personen gespielt werden.
Vorgehensweise
- Ausgangssituation: Sie sind Passagier eines Überseeschiffes, das in Seenot geraten ist. Ca. 30 (Anzahl der SchülerInnen) Passagiere konnten sich in kleinen Booten auf eine unbewohnte Insel retten. Die Insel hat eine Fläche von ca. 5 km2. Frischwasser ist vorhanden. Die Hauptaufgabe der Überlebenden ist es, das Zusammenleben aller zu organisieren.
- Jede/r legt seine/ihre Vorstellungen des Zusammenlebens schriftlich nieder
- Jede/r versucht, durch Gespräche möglichst viele andere von seiner Vorstellung zu überzeugen, um mit ihnen eine gemeinsame Gruppe (Partei) zu gründen.
- Wenn sich einige Gruppen/Parteien gebildet haben, beschließt jede ein (Über-)Lebensprogramm, das schriftlich fixiert wird.
- Die verschiedenen Programme werden allen vorgestellt und begründet (evtl. auch in Form einer Podiumsveranstaltung mit VertreterInnen der einzelnen Gruppen). Es findet eine Abstimmung über die Programme statt.
Auswertung
- Bei der Auswertung wird untersucht, welche Elemente in den einzelnen Programmen enthalten sind, worin sich die Programme gleichen bzw. unterscheiden, wer sich mit seinen Ansichten durchgesetzt hat usw.
- Die selbst entworfenen Programme können nun auch mit Programmen von Parteien oder auch der Afrikanischen Charta (M 1) verglichen werden.
- Untersucht werden sollte auch, inwieweit diese Programme nur für die jeweilige Situation Gültigkeit beanspruchen können, oder ob sie (in Teilen) auch verallgemeinerungsfähig sind.
- Wichtig ist auch zu besprechen, nach welchen übergeordneten Kriterien ein Zusammenleben organisiert werden sollte, sowie, woraus sich diese Kriterien ableiten und wie sie sich legitimieren lassen.
M 1
Afrikanische Charta für demokratische Partizipation in Entwicklung und Transformation Wir bekräftigen, dass weder eine Nation ohne Unterstützung von unten und ohne die volle Teilnahme der Bevölkerung aufgebaut, noch dass die ökonomische Krise gelöst und die Lebensbedingungen der Menschen ohne den vollen und effektiven Beitrag, ohne die Kreativität und das Engagement der breiten Mehrheit der Bevölkerung verbessert werden können. (...) Wir erklären die dringende Notwendigekeit, dass die Bevölkerung darüber wacht, dass die Partizipation von unten auf der Basis von akzeptierten Indikatoren garantiert ist. Wir schlagen folgende Indikatoren vor, die nicht unbedingt vollständig sein müssen, um die Fortschritte bei der Realisierung der Empfehlung der Charta zu messen. (...)
- Vereinigungsfreiheit, insbesondere politische; die Existenz demokratischer Institutionen, wie z.B. politische Parteien, Gewerkschaften, Basisorganisationen der Bevölkerung und Berufsvereinigungen, sowie die Garantie von Verfassungsrechten.
- Vertretung der Bevölkerung und ihrer Organisationen in nationalen Körperschaften.
- Rechtsstaatlichkeit und soziale und ökonomische Gerechtigkeit, einschließlich gerechter Einkommensverteilung und der Schaffung von Voraussetzungen für Vollbeschäftigung.
- Schutz der Umwelt, der menschlichen und rechtlichen Verhältnisse.
- Presse- und Medienfreiheit, um die öffentliche Diskussion wichtiger Fragen zu erleichtern.
- Anzahl und Wirkungsgrad von Basisorganisationen mit realer Partizipation bei Entwicklungsaktivitäten, von Produzenten- und Konsumenten-Kooperativen und Projekten auf Gemeindeebene (...).
- Politische Rechenschaftslegung der Führungskräfte auf allen Ebenen gemessen an der Wechselwirkung zwischen den Interessengruppen.
- Dezentralisierung von Entscheidungsprozessen und Institutionen (...).
Auszug aus der "Afrikanischen Charta für demokratische Partizipation in Entwicklung und Transformation". Arusha, Tansania, 12.-16. 2. 1990. Informationsbrief-Sonderdienst, Weltwirtschaft und Entwicklung, Hamburg 29. 6. 1990.
Literaturhinweise
Grill, Bartholomäus Ach: Afrika. Berichte aus dem Inneren eines Kontinents. München 2005.
Golding, William. Der Herr der Fliegen. Frankfurt/M. 2004.
Rademacher, Helmolt / Maria Wilhelm: Spiele und Übungen zum interkulturellen Lernen. Berlin 2007.
Regionale Arbeitsstelle für Ausländerfragen e.V. (Hrsg.): Die Insel. Ein Planspiel zur Gewaltprävention. Interkulturelle Beiträge 5. Berlin o.J.
Tetzlaff, Rainer / Cord Jakobeit : Das nachkoloniale Afrika. Politik, Wirtschaft, Gesellschaft. Wiesbaden 2005.
Auszug aus dem Buch:
Günther Gugel, Vertretungsstunden mit Pfiff.
Anregungen für einen handlungsorientierten Unterricht zum Themenbereich
"Eine Welt" in den Sekundarstufen.
Institut für Friedenspädagogik, Tübingen 2008.
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