Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Rezensionen zum Handbuch Gewaltprävention II

Günther Gugel: Handbuch Gewaltprävention II. Für die Sekundarstufe und die Arbeit mit Jugendlichen. Grundlagen – Lernfelder – Handlungsmöglichkeiten. Institut für Friedenspädagogik, Tübingen 2010, 736 S.

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Das neue "Handbuch der Gewaltprävention"

Nach dem ersten Band von 2008, der das Thema für Grundschulen aufbereitet, widmet sich der Leiter des Tübinger Instituts für Friedenspädagogik nun der Arbeit mit Jugendlichen, wiederum (hauptsächlich) an Schulen, diesmal also an den Sekundarstufen.

Um es gleich vorweg zu nehmen, das neue Buch des Spezialisten für das Thema „Gewalt an Schulen“ ist ein großer Wurf. Es gelingt Gugel, das Niveau des aktuellen Forschungsstands mit sehr guter Lesbarkeit und hoher praktischer Brauchbarkeit zu verbinden.

Eine nicht unerhebliche Rolle spielt dabei die sehr gelungene (typo)graphische Gestaltung. Übersichtliche, auch optisch gut strukturierte Texte werden durchgehend ergänzt durch Informationskästen, ansprechende Grafiken und eine Vielzahl von unaufdringlichen, das Thema bereichernden Bildern. Die dezente Farbigkeit und gut bemessene Randgebung tun ein Übriges. Solide gebunden ist der fast zwei Kilo schwere Band auch – es macht Spaß, in diesem Buch zu lesen.

Entscheidend ist aber natürlich der Inhalt, und hier vermag das Werk erst recht zu überzeugen. Diese Veröffentlichung ist eine echte Schatzkammer. Zwanzig Kapitel, gegliedert in vier Schwerpunkte mit hunderten von Materialseiten, decken den Themenbereich ab. Dabei widmen sie sich auch Aspekten, die ich nicht unbedingt erwartet hätte, die aber im Kontext „Gewalt“ unmittelbar einleuchten, wie „Demokratie und Werteerziehung“, „Interkulturelles Lernen“ und „Rechtsextremismus“, die jeweils ein eigenes Kapitel erhalten. Natürlich fehlt das Erwartete nicht, Kapitel z.B. zu Kommunikation, gewaltfreien Schul- und Unterrichtsstrukturen oder Konfliktbearbeitung. Einen eigenen Schwerpunkt bildet das „Handeln in Problem- und Gewaltsituationen“, zu dem unter anderem die Kapitel „Zivilcourage Lernen“, „Verhalten in akuten Gewaltsituationen“, „Mobbing“ und „Amoklauf an Schulen“ gehören. Dieser Schwerpunkt thematisiert mit dem Einbezug der Eskalations- und der anschließenden Deeskalationsphase von Konflikten auch Prävention im weiteren Sinne (Sekundär- und Tertiärprävention).

Der Umgang mit der großen Stofffülle wird erleichtert durch eine klare und sinnvolle Struktur. Jedes Kapitel enthält nach einem Problemaufriss eine gründliche Einführung in die zentralen Fragestellungen, oft angereichert mit einer kurzen Vorstellung der wichtigsten aktuellen Forschungsergebnisse. Es folgt jeweils ein Materialteil mit in der Regel 15-20 Kopiervorlagen. Dabei handelt es sich überwiegend um direkt einsetzbare Arbeitsblätter mit konkreten Bearbeitungsaufträgen, es ist jedoch in den meisten Fällen sinnvoll, den Informationsteil des Kapitels zu kennen. Daneben finden sich – vor allem für die Arbeit im Kollegium oder mit Eltern – auch reine Informationstexte. Besonders interessant sind gelegentliche Originaltexte wie der offene Brief der Lehrer der Berliner Rütli-Schule, der 2006 durch die Presse ging, oder ein Zeitungsartikel mit Forderungen der Opferfamilien von Winnenden nach schulpolitischen Konsequenzen aus dem Amoklauf.

Die Materialien zeichnen sich durch ihre überlegte Auswahl und hohe Brauchbarkeit aus. Statt der in kommerziellen Ratgebern oft anzutreffenden oberflächlichen Abdeckung möglichst vieler der vom Käufer vermeintlich erwarteten Aspekte zeigt sich hier die Sachkompetenz einer pädagogischen Forschungseinrichtung.

Sehr fruchtbar scheint mir der weite Horizont, der dem Handbuch zugrunde liegt. Es richtet sein Augenmerk nicht allein auf die einzelnen Gewaltphänomene, sondern bezieht soziale, schulische und gesamtgesellschaftliche Verhältnisse mit ein. Anstelle fruchtloser Klagen über eine von Gewalt geprägte Welt und ihre Wirkung auf junge Menschen gelingt es Gugel jedoch, auch diese Faktoren zur Konzeption klar umrissener und in den jeweiligen Materialien handhabbar operationalisierter Unterrichtsthemen zu nutzen. Dabei wird offenkundig, dass das Phänomen Jugendgewalt von den kleineren und größeren sozialen Einheiten, in denen der einzelne sich bewegt, nicht zu trennen ist. So wird z.B. Prävention, die sich auf Verhalten in Gewaltsituationen oder bei Mobbing konzentriert, ihr Ziel nicht im gewünschten Maß erreichen, wenn sie andererseits Demokratie- und Werteerziehung oder (in vielen Fällen) interkulturelles Lernen ausblendet.

Das Literaturverzeichnis eines solchen Werks könnte bei der Vielzahl angesprochener Themen leicht ins Unüberschaubare wuchern. Auch hier jedoch bleibt Gugel sich treu und bietet eine sinnvoll reduzierte, wenngleich immer noch umfängliche Auswahl, die eine gründlichere Beschäftigung mit Teilaspekten der angesprochenen Komplexe ermöglicht. Neben einigen wenigen Klassikern wie Thoreau, Fromm oder Galtung finden sich hier vor allem viele Aufsätze, in denen Ergebnisse neuerer empirischer Untersuchungen referiert und ihre Konsequenzen diskutiert werden. Eine zweiseitige Linkliste mit Internetadressen von Aktion Tu-was! Für mehr Zivilcourage bis Weltgesundheitsorganisation zu Gewalt und Gewaltprävention komplettiert die Literaturhinweise.

Alles in allem hat Gugel so etwas wie die Quadratur des Kreises geschafft, und der Nutzen des Bands für die Präventionsarbeit an weiterführenden Schulen ist kaum zu überschätzen. Man braucht kein Prophet zu sein um vorherzusagen, dass hier ein Standardwerk entstanden ist, das noch viele Auflagen erleben wird.

4/2010 JL, www.beratungslehrer-niedersachsen.de, Jörg Lagemann

http://www.beratungslehrer-niedersachsen.de/index.php/component/content/article/53-neuigkeiten-1.html

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Günther Gugel, der als Geschäftsführer des Instituts für Friedenspädagogik Tübingen seit Jahrzehnten fundierte Publikationen veröffentlicht, hat mit dem kürzlich erschienenen "Handbuch Gewaltprävention" ein Standardwerk vorgelegt, das seinesgleichen sucht und Maßstäbe in der Theorie und Praxis der Gewaltprävention setzt.

Die Ausgangsthese des Buches lautet: Gewaltprävention darf sich nicht in einem bloßen "Gegen-Gewalt" erschöpfen, sondern muss positive Handlungs- und Lebensperspektiven eröffnen, die Gewalt letztlich überflüssig machen. (...) Lobenswert ist die graphische Gestaltung und ungewöhnlich reichhaltige Bebilderung des Bandes. Besonderer Wert wurde auf die Aufbereitung der Arbeitsvorlagen gelegt.

Fazit: Ein Buch also, dem man viele Leserinnen und Leser wünscht, und das in keiner gut sortierten Bibliothek im Lehrerzimmer fehlen sollte!

Siegfried Frech, Zeitschrift "bildung und wissenschaft" der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg (Heft Nr 1, 5.2.2010)

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Gewalt verhindern lernen

Während der erste Band des Handbuchs für die Grundschule und die Arbeit mit Kindern gedacht war, setzt der zweite Band den Schwerpunkt bei der Sekundarstufe und der Jugendarbeit. Vorbildlich hat Günther Gugel ein Werk geschaffen, das alle wesentlichen Themen der Gewaltprävention aufgreift. Das reicht vom Gewaltbegriff und der Gewalt an Schulen über Schulentwicklung und Konfliktbearbeitung bis hin zum Thema Zivilcourage lernen, Rechtsextremismus und Amoklauf.

Jeder der 19 Bausteine des Buches ist in sich abgeschlossen, bietet Informationen, Arbeitsimpulse, Materialien und Arbeitsblätter, Vorschläge zu Experimenten, Aktionen und Trainingselementen. Die farbliche, fotogestützte und hochwertige Aufmachung lädt zum Blättern und Entdecken ein. Das Handbuch unterstützt alle sehr fundiert, die Gewaltprävention mit jungen Menschen betreiben wollen.

Norbert Copray, Publik-Forum, Nr. 1/2010, S. 57.

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Ein handliches Buch ist dieser Band nicht gerade – mit zwei Kilo Grundgewicht und einem Umfang von 736 Seiten empfiehlt es sich nicht für eine kursive Lektüre. Günther Gugel ist durch einschlägige Publikationen ausgewiesen; sein erstes „Handbuch Gewaltprävention für die Grundschule“ (Tübingen 2008) gibt den Grundriss auch für diesen neuen Band vor. Es ist ein umfassendes Konzept: 19 Kapitel – hier etwas pathetisch „Bausteine“ genannt - decken das gesamte Feld der Gewaltprävention ab. Ein Problemaufriss führt jeweils in die Kapitel ein; sie werden mit Hintergrundinformationen und einer knappen didaktischen Skizze verbunden, an die sich Materialien anschließen, die im Unterricht oder in der Jugendarbeit direkt eingesetzt werden können. Der Autor ist in der praktischen Erziehungsberatung tätig, unter anderem als Berater des „Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden“, das eine Sonderauflage dieses Handbuchs anbietet.

Das Stichwort „Konstruktive Konfliktbearbeitung“ (Kapitel 3.4) umreißt Gugels gründlichen Ansatz: Gewaltprävention sei erst dann erfolgreich, wenn sie Täter wie Opfer einbezieht, individuelle und gesellschaftliche Konfliktpotenziale verknüpft und ein Regelsystem entwickelt, auf das sich alle Konfliktparteien einigen können. (...)

Im Anhang werden die wichtigsten Maßnahmen und Methoden der Konfliktbearbeitung als „Instrumentarium“ alphabetisch knapp skizziert; ein sehr ausführliches Literaturverzeichnis rundet das Handbuch ab. Vergeblich allerdings sucht man ein Stichwortverzeichnis, das in diesem umfangreichen Handbuch das schnelle Auffinden von Begriffen erleichtert hätte.

Insgesamt ist dieses „Handbuch Gewaltprävention“ absolut empfehlenswert; in jedem Lehrerzimmer, in jedem Zentrum für Jugendarbeit sollten mehrere Exemplare davon zur Verfügung stehen.

Wolfgang Pasche, Januar 2010

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Handbuch Gewaltprävention II

Das äußerst anschauliche und umfangreiche Werk gliedert sich in 19 Kapitel. Diese Bausteine von theoretischen Grundlagen und sinnvollen Praxistipps inklusive Kopiervorlagen ergänzen sich und bauen aufeinander auf. Zentrale Aspekte von Gewaltprävention werden aufgegriffen und für den Einsatz in Schule und Jugendarbeit aufbereitet. Mit Tipps und Tricks für die Praxis werden Handlungsmöglichkeiten in Gewaltsituationen aufgezeigt. Hierzu gehören die Bereiche Zivilcourage, Mobbing, rechtsextremistische Gewalt sowie Amoklauf an Schulen. Das Buch ist ein guter Ratgeber für diejenigen, die aktiv die sozialen Probleme in Schule und ihren Umwelten angehen wollen.

Junglehrer. Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer im BLLV, Heft 6/2009, S. 8.

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Gugel (zuletzt BA 3/04) klärt ausführlich Begriffe und Grundlagen zum Problem der Gewalt in der Schule. Dann zeigt er, wie sich Konfliktbearbeitung und Gewaltprävention in den Schulalltag, den Unterrichtsverlauf der Sekundarstufen und den gesamten Prozess der Schulentwicklung integrieren lassen.

Jedes Kapitel beginnt mit einer Einführung in den Diskussionsstand zum jeweiligen Thema, dann folgen Überlegungen zur Umsetzung in die pädagogische Praxis sowie ausgearbeitete Materialien für den Unterricht, die Elternarbeit und die Bearbeitung der Thematik im Lehrer-Kollegium. Am Schluss des Handbuchs eine Übersicht über wichtige Methoden und Maßnahmen, ein ausführliches Literaturverzeichnisund eine Internetadressen-Liste.

Nach dem für die Grundschule gedachten 1. Band "Handbuch Gewaltprävention" (hier nicht angezeigt, ISBN 978-3-932444-22-7) eine weitere ausführliche, inhaltlich fundierte und für die pädagogische Praxis sehr hilfreiche Aufarbeitung der komplexen Problematik, mit zahlreichen Fotos, abwechslungsreichem Druckbild u.a.m. auch sehr ansprechend aufgemacht.

Grundlegend für alle Pädagogen.

Reinhold Heckmann

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