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Kapitel 4.2: Verhalten in akuten Gewaltsituationen

Dieser Baustein zeigt Möglichkeiten des Umgangs mit (körperlichen) Bedrohungs- und Gewaltsituationen. Dabei wird das Verhältnis von Opfer, Täter und Zuschauer thematisiert, und es werden prinzipielle Vorgehensweisen für Lehrkräfte, Schülerinnen, Schüler und Eltern aufgezeigt.

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Kapitel 4.2

Handeln in akuten Gewaltsituationen

Handeln in Gewaltsituationen ist wichtig, denn nur so kann Tätern verdeutlicht werden, dass ihr Verhalten nicht toleriert wird und sie für ihr Tun zur Rechenschaft gezogen werden. Gleichzeitig wird den Opfern gezeigt, dass sie Hilfe und Unterstützung erfahren.

Konkrete Handlungsmöglichkeiten oder gar -anweisungen für efffektives Verhalten in Problem- und Gewaltsituationen zu formulieren, ist äußerst schwierig, da diese Situationen sehr komplex sind und der ständigen Gefahr schneller Eskalation unterliegen. Zudem müssen Handlungsvorschläge nach spezifischen Bereichen (Schule, Familien, öffentlicher Raum usw.) differenziert werden.

Auch die Frage nach den Motiven für bzw. den Zielen von Übergriffen spielt hierbei eine wichtige Rolle. Soll mit dem Gewaltakt Aufmerksamkeit erzielt, Vergeltung ausgeübt oder Macht demonstriert werden, oder dient er dazu bestimmte Vorteile zu erlangen? Werden Übergriffe von Einzelpersonen oder von einer Gruppe ausgeübt? Spielen ideologische Motive (Ausländerfeindlichkeit, rechtsextremes Gedankengut usw.) eine Rolle?

Wichtig ist dabei zu erkennen, dass in akuten Gewaltsituationen andere Handlungs- und Vorgehensweisen gefragt sind, als sie im Rahmen von konstruktiver Konfliktbearbeitung, Mediation oder Konfliktmanagement praktiziert werden.
Sinnvoll erscheint es, sich mit potenziellen Droh- und Gewaltsituationen im Vorfeld auseinanderzusetzen (z.B. Notfallpläne ausarbeiten). Dies ermöglicht es, in einer Gewaltsituation angemessen(er) zu handeln. Dennoch lässt sich (eigenes und fremdes) Verhalten nur unzureichend vorhersagen, weil solche Situationen

• oft emotional aufgeheizt sind;
• in ihrem Verlauf kaum berechenbar und kontrollierbar sind;
• häufig unvermittelt auftreten, sodass eine besondere Vorbereitung auf die spezifische Situation kaum möglich ist;
• sofortiges Handeln erfordern;
• Absprachen mit anderen in der Situation oft nur schwer möglich sind;
• Ängste um die eigene körperliche Unversehrtheit aktivieren.

Umgang mit Aggression und Gewalt bedeutet ...
• im persönlichen Bereich zum einen das Erkennen und Beherrschen der eigenen aggressiven Impulse und Phantasien, die Reflexion des eigenen Handelns in gewaltträchtigen Situationen sowie die Förderung eines alternativen Verhaltensrepertoires, das den Rückgriff auf gewalttätige Handlungen nicht mehr notwendig erscheinen lässt. Zum andern aber auch, Möglichkeiten des Eingreifens und der Mobilisierung von Hilfe in Gewaltsituationen zu kennen.
• im institutionellen Bereich das Erkennen und Beseitigen von aggressionsfördernden Organisationsbedingungen, Strukturen und baulichen Maßnahmen sowie ein Vorbereiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf mögliche Gewaltvorfälle.
• im gesellschaftlichen und internationalen Bereich das Wahrnehmen und Verstehen der eigenen Reaktionen auf gesellschaftliche und staatliche Gewalt; erlernen und praktizieren von Mitgefühl mit den Opfern, das Abmildern bzw. Beheben der Folgen von Gewalt. Letztlich heißt Umgang mit dieser Gewaltdimension auch, die politischen und gesellschaftlichen Strukturen so zu verändern, dass Gewalt reduziert wird.

Günther Gugel

Handbuch Gewaltprävention II
Für die Sekundarstufen und die Arbeit mit Jugendlichen.
Grundlagen – Lernfelder – Handlungsmöglichkeiten.
Tübingen 2010, 736 Seiten, 24 x 16 cm, vierfarbig, gebunden, 300 Fotos, zahlreiche Schaubilder.

38,80 Euro, ISBN: 978-3-93244452-4

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