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Kapitel 3.6: Interkulturelles Lernen

Dieser Baustein zeigt, wie interkulturelles Lernen als Auseinandersetzung mit dem Anderen, Fremden, als Bewusstwerden der eigenen Kultur und der Gleichwertigkeit anderer Kulturen aussehen kann. Es geht darum, Abwertungen, Diskriminierungen und Fremdenfeindlichkeit zu bekämpfen und interkulturelle Kompetenzen zu stärken. Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
kommt dabei besondere Aufmerksamkeit zu.

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Kapitel 3.6

Interkulturelles Lernen
In Deutschland lebten Ende 2008 über 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung ist mit ca. 19 Prozent doppelt so hoch wie der Anteil der bisher erfassten Ausländer, die ca. 9 Prozent der Gesamtbevölkerung (6,7 Mio.) stellen (Bundesamt für Migration 2009).

Die Entwicklung interkultureller Kompetenz als Erweiterung der eigenen Wahrnehmungsfähigkeit für Fremdes und als die Fähigkeit, das Andere als anders zu akzeptieren, wird von der UNESCO als Kern einer Erziehung zum Frieden und zur Demokratie angesehen.

Interkulturelles Lernen bezeichnete früher vor allem politische und pädagogische Programme, die eine Erziehung zur Völkerver-ständigung zu verwirklichen suchen. Seit Beginn der 1990er Jahre wird interkulturelles Lernen zunehmend im Kontext der Globali-sierung verwendet und bezeichnet das Lernen fremder Kulturen bei gleichzeitiger Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur (vgl. Nestvogel 2002, S.35).

Voraussetzung für interkulturelles Lernen ist die Begegnung mit anderen (fremden) Kulturen. In der Vergangenheit fand diese Begegnung klassischerweise im Ausland als „Austausch“, „Partnerschaftstreffen“ oder „Studienaufenthalt“ statt. Die neue Herausforderung ist heute, dass sich diese Begegnung der Kulturen zunehmend in unsere Gesellschaft, quasi in den Alltag verlagert hat.

Interkulturelles Lernen gewinnt seine Relevanz und Brisanz vor dem Hintergrund von politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre.

Innergesellschaftlich sind dies u.a.:
• vielfältige fremdenfeindliche Aktivitäten;
• die Entwicklung von (scheinbar) homogenen Gesellschaften zu multikulturellen Gebilden;
• die Einbeziehung (von Waren und Dienstleistungen) nahezu sämtlicher Länder in Produktion und Konsumption;
• die Entwicklung neuer Technologien, die große internationale Kommunikationschancen eröffnen.

International sind dies u.a.:
• die sich immer stärker vollziehende Integration Westeuropas;
• die zunehmende Globalisierung und Internationalisierung der Lebenswelt;
• die parallele Tendenz von zunehmender Integration auf internationaler Ebene bei gleichzeitiger starker Betonung regionaler Besonderheiten;
• die Tendenz, politische und soziale Konflikte unter ethnischen Aspekten zu definieren.

Das Konzept des interkuturellen Lernens hat es also sowohl mit individuellen, innergesellschaftlichen als auch mit internationalen Herausforderungen zu tun.

Günther Gugel

Handbuch Gewaltprävention II
Für die Sekundarstufen und die Arbeit mit Jugendlichen.
Grundlagen – Lernfelder – Handlungsmöglichkeiten.
Tübingen 2010, 736 Seiten, 24 x 16 cm, vierfarbig, gebunden, 300 Fotos, zahlreiche Schaubilder.

38,80 Euro, ISBN: 978-3-93244452-4

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