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Kapitel 3.5: Demokratie- und Werteerziehung

Dieser Baustein führt in die Grundlagen der Demokratie- und Werteerziehung ein. Er verdeutlicht, dass Demokratie als Lebensform
täglich gelebt werden muss und dass Werte in der Auseinandersetzung mit Alltagsproblemen gelernt werden. Partizipation in Familie, Schule und Kommune und die gegenseitige Anerkennung und Achtung sind Voraussetzungen für eine moralische Entwicklung.

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Kapitel 3.5

Demokratie gegen Gewalt
„Es gibt einen grundlegenden und empirisch nachgewiesenen Zusammenhang zwischen Demokratieerfahrung und Gewaltverzicht: Wenn Kinder und Jugendliche die Erfahrung machen, dass in Schule und Erziehung Mitwirkung, demokratisches Handeln und Verantwortungsübernahme erwünscht sind und als wichtig anerkannt werden, sind sie für Gewalt und Rechtsextremismus weniger anfällig als Jugendliche, denen diese Erfahrung versagt bleibt“ (Edelstein/Fauser: 2001, S.?20).

Mitbestimmung und Partizipation stellen ein natürliches Bollwerk gegen Gewalt dar, denn Demokratie bietet Alternativen zur gewaltsamen Durchsetzung von Interessen. Menschliches Zusammenleben in einer Demokratie basiert auf gegenseitiger Achtung, auf den Möglichkeiten aller zur Beteiligung und Mitentscheidung, auf dem Schutz von Minderheiten und rückt so die Würde des Menschen in den Mittelpunkt des Handelns. Um diese zu schützen, müssen vielfältige Voraussetzungen geschaffen werden.

Dies gilt für das Zusammenleben in der Gesellschaft ebenso wie für das in der Schule. Demokratisch strukturierte Schulen, die ein hohes Maß an Mitgestaltung und Mitbestimmung aufweisen, sind nicht nur gewaltärmer, sondern zeigen auch eine höhere Lernbereitschaft der Schülerinnen und Schüler. Denn hier sind die sozialmoralischen Voraussetzungen im Schulleben und im Schulunterricht stärker entwickelt und die entsprechenden Selbst- und Sozialkompetenzen intensiver ausgebildet (Himmelmann 2007, S.?12).

Jugend und Politik
Jugendliche haben ein eigenes Politikverständnis. Viele stehen Politikerinnen und Politikern sowie den Parteien sehr skeptisch gegenüber. Sie verstehen Politik ganzheitlich. Emotionen, persönliche Bedürfnisse und eigene Interessen spielen dabei eine ebenso große Rolle wie sachliche Überlegungen und vernunftorientierte Entscheidungen. Jugendforscher meinen, dass Jugendliche durch ihre Einstellungen und Verhaltensweisen Tendenzen signalisieren, wo künftige Chancen und Probleme hinsichtlich der gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen liegen.

Jugendliche können als Vorreiter für eine neue Auffassung von Politik wahrgenommen werden, die sich mittelfristig auf breiter Ebene durchsetzen könnte. Die Kritik der jungen Generation an Gesellschaft und Politik sollte ernst genommen werden. Wenn die Bedürfnisse Jugendlicher nicht genügend berücksichtigt werden, besteht die Gefahr, dass sich noch mehr Jugendliche von der etablierten Politik abwenden.

Junge Menschen zwischen 14 und 24 Jahren sind eine der aktivsten Gruppen der Bevölkerung. 36 % engagieren sich bereits, weitere 40?% würden sich gerne im sozialen und gesellschaftlichen Bereich engagierten (vgl. Gensicke u.a. 2005). Es ist eine Aufgabe von Familie, Schule, Gesellschaft und Politik Formen politischer Partizipation zu finden und anzubieten, die für die Jugendlichen akzeptabel sind und die Motivation und Bedürfnisse von Jugendlichen aufgreifen.

Günther Gugel

Handbuch Gewaltprävention II
Für die Sekundarstufen und die Arbeit mit Jugendlichen.
Grundlagen – Lernfelder – Handlungsmöglichkeiten.
Tübingen 2010, 736 Seiten, 24 x 16 cm, vierfarbig, gebunden, 300 Fotos, zahlreiche Schaubilder.

38,80 Euro, ISBN: 978-3-93244452-4

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