Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

Home / Materialien / Gewaltpräventio... / Kapitel 3.1: Familie und Kommune

Kapitel 3.1: Familie und Kommune

Dieser Baustein zeigt die Rolle und Bedeutung der Familie und der Kommune bei der Entstehung von Gewalt sowie der Gewaltprävention. Häusliche Gewalt wird in ihren verschiedenen Dimensionen verdeutlicht. Grundlegende Handlungsmöglichkeiten werden dargestellt.

Hier finden Sie das ganze Kapitel als PDF Datei:

Kapitel 3.1

Gewalt in der Familie

Gewaltprävention in der Schule kann ohne Einbeziehung der und Rückbindung an die Familie und das kommunale Umfeld nicht gelingen. Denn „Gewaltprävention muss schon in der Familie beginnen. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Kinder und Jugendliche Gewalt sozusagen erlernen. Wer als Kind gelernt hat, dass Konflikte mit Gewalt gelöst werden, tut dies vermehrt auch als Erwachsener.

Um diesen Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen, haben wir in der vergangenen Legislaturperiode ein Recht des Kindes ‚auf gewaltfreie Erziehung‘ im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert. Es wurde klargestellt, dass Gewalt kein geeignetes Erziehungsmittel ist. Untersuchungen zeigen, dass die Häufigkeit körperlicher Bestrafungen in den letzten Jahren zurückgegangen ist“, so die Bundesjustizministerin Zypries (2003).

Formen der Gewalt in der Familie

Die Weltgesundheitsorganisation unterscheidet drei Formen von Gewalt in der Familie: Gewalt gegen Intimpartner, Kindesmissbrauch und Vernachlässigung durch Eltern und andere Fürsorgepersonen und Misshandlung alter Menschen (WHO 2003, S. 20).

Gewalt gegen Intimpartner

Diese Gewalt gibt es ohne Ausnahme in allen Ländern und Kulturen, wenngleich in unterschiedlicher Ausprägung und Intensität. Ein Viertel aller Frauen in allen Ländern erfahren mindestens einmal in ihrem Leben physische Gewalt und mehr als ein Zehntel werden Opfer sexueller Gewalt.

Die häufigsten Gewaltakte gegen Männer und Frauen geschehen in ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld, meistens von ihren Partnern oder Ex-Partnern. 25 % der Frauen in Deutschland im Alter zwischen 16 und 85 Jahren haben eine Form der körperlichen und/oder sexuellen Gewalt durch einen Beziehungspartner erlebt (Der Paritätische 2008, S. 10; BMFSFJ 2004, S. 10; Gugel 2007, S. 148).

Es sind verschiedene Faktoren, die bei Gewalt zwischen Intimpartnern zusammenwirken. Zu den individuellen Faktoren gehört insbesondere die Vorgeschichte des Mannes, vor allem ob er in seiner Herkunftsfamilie erlebt hat, dass seine Mutter geschlagen wurde. Aber auch Alkoholmissbrauch stellt sich in vielen Untersuchungen als ein wichtiger Faktor heraus. Auf der zwischenmenschlichen Ebene sind Beziehungskonflikte und Unstimmigkeiten sowie Einkommensschwäche wichtige Einflussfaktoren.

Wie der genaue Zusammenhang zwischen niedrigem Einkommen und Gewaltrisiko ist, ist allerdings noch unklar. Es könnte sein, dass finanzielle Schwierigkeiten oft Anlass für eheliche Auseinandersetzungen bieten oder es Frauen schwerer machen, aus gewaltträchtigen oder unbefriedigenden Beziehungen auszubrechen. Gewalt könnte aber auch das Ergebnis anderer mit Armut einhergehenden Faktoren sein, beispielsweise durch beengte Wohnverhältnisse oder das Gefühl der Hoffnungslosigkeit ausgelöst werden.

Günther Gugel

Handbuch Gewaltprävention II
Für die Sekundarstufen und die Arbeit mit Jugendlichen.
Grundlagen – Lernfelder – Handlungsmöglichkeiten.
Tübingen 2010, 736 Seiten, 24 x 16 cm, vierfarbig, gebunden, 300 Fotos, zahlreiche Schaubilder.

38,80 Euro, ISBN: 978-3-93244452-4

Eine PDF-Version dieser Seite herunterladen

Aktuelles / Blog

Veranstaltungen

Peace Counts School