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Kapitel 2.4: Jugendgewalt

In diesem Baustein wird das Phänomen Jugendgewalt diskutiert. Zentrale Fragen sind dabei: was ist Jugendgewalt, wie weit ist sie verbreitet, welche Ursachen für Jugendgewalt sind bekannt und welche Gegenstrategien sind erfolgversprechend? Dabei werden Jugendliche nicht nur als Täter, sondern auch als Opfer gesehen.

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Kapitel 2.4

Was ist Jugendgewalt?
Jugendgewalt ist von Jugendlichen ausgeübte Gewalt. Im strafrechtlichen Sinne fallen die Täter dabei unter das Jugendstrafrecht, sind also zwischen 14 und 18 Jahre bzw. 21 Jahre alt. Psychologisch bzw. soziologisch wird die Jugendphase weiter gefasst, nämlich zwischen Pubertät und abgeschlossener sozialer Reifung. Jugendgewalt ist ein unspezifischer Sammelbegriff für viele verschiedene jugendspezifische Deliktformen, wobei in der öffentlichen Wahrnehmung die körperliche Gewalt dominiert.

Hierzu gehören verbale Attacken, Sachbeschädigungen, Mobbing, Erpressungen, Raufereien, Körperverletzungen ebenso wie ausländerfeindliche Übergriffe, die in der Regel von Cliquen und Gruppen oder in deren Kontext ausgeübt werden. Gewalt bei Sportereignissen durch Hooligans und Ultras wird ebenso dazu gezählt wie Auseinandersetzungen zwischen Straßenbanden oder Straßenschlachten
mit der Polizei an Maifeiertagen oder politischen Großereignissen.

Jugendgewalt hat also viele Gesichter und muss sehr differenziert gesehen werden. Abzugrenzen ist Jugendgewalt von Jugendkriminalität. Jugendgewalt und Jugendkriminalität Jugendgewalt darf nicht verwechselt werden mit Jugendkriminalität. In der öffentlichen Diskussion werden häufig beide Begriffe und Phänomene synonym gebraucht. Dies ist jedoch falsch und bringt für Gewaltprävention Probleme mit sich.

Kriminalität von Kindern und Jugendlichen (also das Übertreten von Gesetzen) ist in der überwiegenden Zahl aller Fälle Kleinstkriminalität mit sehr geringen materiellen Schäden. Kaufhausdiebstahl mit geringem Wert und Schwarzfahren stehen an ersten Stellen der Kriminalstatistik, weitere Deliktarten sind u.a. einfache Körperverletzungen, Beleidigungen, Sachbeschädigungen (Sprayer), Konsum illegaler Drogen oder Verstöße gegen das Urheberrechtsgesetz (Raubkopien) (vgl. Maschke 2003, S. 19).

Im Sinne der Jugendkriminalität kommen ca. 7-8 % der Jugendlichen mit dem Gesetz in Konflikt, tauchen also als Tatverdächtige auf. Dunkelfeldstudien zeigen, dass bestimmte Delikte, wie z.B. Kaufhausdiebstahl oder Schwarzfahren von nahezu allen Jugendlichen verübt werden, wenngleich sie auch nur selten ertappt werden. Jugendgewalt im Sinne von Gewaltkriminalität wird nur von einer kleinen Gruppe Jugendlicher ausgeübt.

Günther Gugel

Handbuch Gewaltprävention II
Für die Sekundarstufen und die Arbeit mit Jugendlichen.
Grundlagen – Lernfelder – Handlungsmöglichkeiten.
Tübingen 2010, 736 Seiten, 24 x 16 cm, vierfarbig, gebunden, 300 Fotos, zahlreiche Schaubilder.

38,80 Euro, ISBN: 978-3-93244452-4

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