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Kapitel 2.1: Gewalt

Dieses Kapitel diskutiert verschiedene Gewaltbegriffe, macht auf Ursachen und Zusammenhänge von Gewalt aufmerksam und lenkt die Aufmerksamkeit darauf, das eigene Gewaltverständnis zu reflektieren.

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Kapitel 2.1

Gewalt ist ein kulturelles Phänomen, das die Menschheit auf ihrem Weg begleitet. Gewaltprävention ist davon abhängig, was unter Gewalt verstanden wird und wo die Ursachen von Gewalt gesehen werden. Im Kontext von Gewaltprävention wird Gewalt häufig als physische Gewalt verstanden. Alltagsvorstellungen von Gewalt haben in der Regel eher beschreibenden Charakter. Solche Vorstellungen spiegeln sich auch bei Umfragen wider, z.B. wenn gefragt wird: „Ist diese Handlung für dich Gewalt?“ Abgesehen davon, dass bei solchen Fragen weder die Motive, noch die Ziele oder Folgen des Handelns einbezogen werden, wird schnell klar: Gewalt kann nur kontextgebunden verstanden werden.

Die Schwierigkeiten einer Begriffsbestimmung

Gewalt ist ein Phänomen, das nicht klar definiert und abgegrenzt ist, weder in der Wissenschaft, noch im Alltag. In der öffentlichen Diskussion werden oft verschiedene Dinge gleichzeitig als Gewalt bezeichnet: Beschimpfungen, Beleidigungen, Mobbing, Gewaltkriminalität (Raub- und Morddelikte), Vandalismus, gewalttätige Ausschreitungen bei Massenveranstaltungen, fremdenfeindliche Gewalt gegen Menschen, Gewalt zwischen „Streetgangs“ (Bandenkriege), politisch motivierte Gewalt – von Befreiungsbewegungen oder staatlichen Sicherheitskräften bis zu militärischen Operationen.

Der Begriff Gewalt ist jedoch nicht nur schwer zu fassen, unscharf und unpräzise, er hat darüber hinaus auch (zumindest im deutschen Sprachraum) verschiedene Bedeutungsinhalte: Er ist eine Bezeichnung für Staatsgewalt und deren Träger, benennt Verfügungs- und Besitzverhältnisse und stellt eine Kennzeichnung für Gewaltanwendung als physische Verletzung und Zwangseinwirkung auf Personen dar (vgl. Imbusch 2002, S. 26 ff.).

Im englischen Sprachgebrauch wird dagegen klar unterschieden zwischen „Power“ als neutrale Fähigkeit etwas zu tun, bzw. Etwas zu bewirken und „Violence“, als problematische Ausübung physischer Stärke mit dem Ziel, Personen zu verletzen oder Sachen zu schädigen. Je nachdem, ob ein enger oder weiter Gewaltbegriff verwendet wird, lässt sich eine Gesellschaft (oder eine Organisation) als „eher gewaltarm“ oder als „eher gewalthaltig/gewalttätig“ klassifizieren. Abhängig davon, ob die Ursachen und Bedingungen von Gewalt eher beim Individuum oder in gesellschaftlichen Lebenslagen gesehen werden, werden unterschiedliche Verantwortlichkeiten angesprochen.

Günther Gugel

Handbuch Gewaltprävention II
Für die Sekundarstufen und die Arbeit mit Jugendlichen.
Grundlagen – Lernfelder – Handlungsmöglichkeiten.
Tübingen 2010, 736 Seiten, 24 x 16 cm, vierfarbig, gebunden, 300 Fotos, zahlreiche Schaubilder.

38,80 Euro, ISBN: 978-3-93244452-4

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