Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

Home / Materialien / Gewaltpräventio... / Kapitel 1.2: Grundlagen der Gewaltprävention

Kapitel 1.2: Grundlagen der Gewaltprävention

In diesem einführenden Kapitel werden grundsätzliche Anfragen an das Konzept Gewaltprävention benannt und zusammenfassend skizziert. Erste grundlegende Erkenntnisse über die Gewaltbelastung in der Schule sowie Thematisierungswege werden eingeführt. Die angesprochenen Gesichtspunkte und Problemfelder werden in späteren Kapiteln vertieft und ausführlich diskutiert.

Hier finden Sie das ganze Kapitel als PDF Datei:

Kapitel 1.2

Gewaltprävention fußt auf der Überzeugung, den Erfahrungen und Erkenntnissen, dass es Handlungsmöglichkeiten gegen Gewalt gibt, die der Anwendung von Gewalt vorbeugen. Prävention bedeutet, durch Vorbeugen spätere Kosten zu sparen, bzw. Schlimmeres zu verhindern. Dies will auch Gewaltprävention: durch rechtzeitiges Handeln Gewalt verhindern. Über diese allgemeine Aussage hinaus gibt es jedoch keine gemeinsam anerkannte Definition, was unter Gewaltprävention zu verstehen ist und wie Vorbeugung zu geschehen habe, obwohl der Begriff ständig in vielfältigen Zusammenhängen verwendet wird.

Der Hinweis, Gewaltprävention zu betreiben, dient der Handlungslegitimation (im Dienste der öffentlichen Sicherheit), der Forderung nach Mitteln (hier ist finanzielle Förderung dringend geboten) und der Produktion von Konsens (wir sind doch alle für Gewaltprävention).

Geklärt sind jedoch weder der Gegenstandsbereich noch die genauen Ziele und Methoden, die mit Gewaltprävention gemeint sind. Gewaltprävention, wie sie oft diskutiert wird, bezieht sich vor allem auf die Verhaltensbeeinflussung von Personen. Sie orientiert sich vorwiegend an Normübertretungen Jugendlicher und ist – zumindest im Kontext westlicher Industrieländer – vor allem auf das Phänomen Jugendkriminalität ausgerichtet.

Der Begriff muss aber neben dieser individuellen Dimension, die Verhalten im Blick hat, auch eine strukturelle und institutionelle Dimension erhalten, die die Verhältnisse, die dieses Verhalten (mit-)bedingen, berücksichtigt und darüber hinaus auch eine kulturell- gesellschaftliche Dimension, die Legitimationsebenen dieser Verhältnisse einbezieht.

In den letzten Jahren hat sich die Verwendung des Begriffs Gewaltprävention geradezu inflationär ausgeweitet, mit er Gefahr einer Entgrenzung der Gewalt- und Präventionsbegriffe. Deshalb ist es wichtig, von einem kinder- und jugendspezifischen Verständnis von Gewalt und einem engen Verständnis von Gewaltprävention auszugehen, das die Reduzierung und die Verhinderung von Gewalt zum Ziel hat (Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalprävention 2007; Steffen 2007, S. 208).

Günther Gugel

Handbuch Gewaltprävention II
Für die Sekundarstufen und die Arbeit mit Jugendlichen.
Grundlagen – Lernfelder – Handlungsmöglichkeiten.
Tübingen 2010, 736 Seiten, 24 x 16 cm, vierfarbig, gebunden, 300 Fotos, zahlreiche Schaubilder.

38,80 Euro, ISBN: 978-3-93244452-4

Eine PDF-Version dieser Seite herunterladen

Aktuelles / Blog

Veranstaltungen

Peace Counts School