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J. Banscherus: Asphaltroulette

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Banscherus_Asphaltroulette

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Zum Inhalt

Die Gymnasiastin Anne, 17 Jahre, aus gutbürgerlichem Elternhause, trifft im Arbeitsamt auf den gleichaltrigen Sven, einen Sonderschüler, der aus zerrütteten Verhältnissen kommt. Sven füllt sie mit spontanem Lebensgefühl und wird der Gegenpol zu ihren früheren Freunden, deren angepasstes und auf Wirkung bedachtes Verhalten Anne langweilt und abstößt. Sven und Anne suchen und verlieren sich in dieser Geschichte immer wieder aufs Neue. Menschliches Interesse und Zuneigung lassen sie sich flüchtig finden, aber das Wissen um ihre unterschiedliche Sozialisation und die daraus entstehenden Ängste brechen die Bindung immer wieder auf. Diese Widersprüche führen letztlich zur Katastrophe. Sven verstrickt sich immer tiefer in kriminelle Kreise und Aktivitäten und landet schließlich bei einer Gruppe Jugendlicher, die das „Asphaltroulette“ spielen. Sie fahren, praktisch blind, über eine unübersichtliche Kreuzung. Wer bremst, verliert, wer Gas gibt, gewinnt: ein bisschen Geld, geneidetes Ansehen und Alpträume. Sven gewinnt ein paar Mal, bis er auf dieser Kreuzung stirbt. Anne weicht vor der Gewaltandrohung der Jugendgruppe zurück und schweigt bei der Vernehmung durch die Polizei; aber sie ist auch die Person, die einen Autor sucht und findet, der ihr Sprachrohr wird, der ihre Hilflosigkeit und Trauer formuliert, indem er die Geschichte eines Menschen erzählt, dem zu spät geholfen wurde und den Zuneigung und Liebe nicht retten konnten. 

Zur Problematik des Buches und Konseuqnzen im Unterricht

Bevor man beginnt dieses Buch zu lesen, stößt man auf den Auszug einer Buchbesprechung, den ich meinen Überlegungen voranstellen möchte. Die Geschichte, die Jürgen Banscherus in diesem Buch erzählt, ist keine erfundene, er hat sie erfahren durch das Mädchen Anne. Ein Stück Jugendliteratur, das gewiss nicht zu den leicht konsumierbaren gehört, dafür aber sich auszeichnet durch einen packenden, glaubwürdigen Erzählstil und durch die zurückhaltende, aber nichtsdestotrotz überzeugende sozialkritische Darstellungsweise des Autors. (H. Rothhämel/WDR (S. 2))

Hier wird auf das Verhältnis von erfundener Geschichte und Beschreibung eines authentischen Falls hingewiesen und damit auf die Frage nach dem Schreiben von Büchern überhaupt. Es ist eine besondere Würdigung, dass zu einem Jugendbuch so viel über die Form und so wenig über den Inhalt geschrieben wird. Im Unterricht sollten daher besonders die Faktoren berücksichtigt werden, die den Zugang Jugendlicher zu diesem Buch erschweren. Das sind vor allem die komplizierten Zeitstrukturen und die laufend wechselnden unterschiedlichen Perspektiven, aus denen das Geschehen betrachtet und erzählt wird. Dazu kommt die verunsichernde, zuweilen surreal anmutende Figur des allwissenden Erzählers. Diese Klippen machen nicht zuletzt die Qualität des Buches aus, sie dürfen also nicht umschifft, sondern sollen möglichst lustvoll erforscht werden. Folgt man diesem Zugang, so nähern sich die Schülerinnen und Schüler dem Buch über kurze Auszüge, ohne die ganze Handlung zu kennen. Die Auszüge sind so ausgewählt, dass die angesprochenen narrativen Strukturen ins Blickfeld geraten und Grundlage für eine spielerische Auseinandersetzung mit ihrer Funktion und Leistung werden können. Analytische Aufgaben bereiten die produktiven Verfahren zuweilen vor. Das Ziel der schulischen Arbeit besteht darin, Handlungs- und Rezeptionskompetenz zu vermitteln und auf das Buch neugierig zu machen.

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