Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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B. Bobel: Du hast aber Mut!

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Blobel_Du hast aber Mut

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Zum Inhalt

Mathematik gehört nicht zu den Stärken des neunjährigen Niko. Als die nächste Klassenarbeit ansteht, verlangen die Eltern eine befriedigende Leistung von ihm. Als zusätzlichen Anreiz darf er dann zwei Freunde mehr zu seinem zehnten Geburtstag einladen. Niko, der sich nicht auf die Arbeit vorbereitet hat, vertraut auf seinen Spickzettel und die Mitschülerin Svenja, bei der er meist abschreiben durfte. Doch es kommt anders: Der Spickzettel enthält die falschen Aufgaben und Svenja lässt ihn hängen. Niko ist verzweifelt und löst keine Aufgabe. Nach der Stunde erklärt ihm Svenja, dass sie nicht mehr auf seine Hilfe in Englisch angewiesen sei und auch ihm deshalb nicht mehr helfe, verrät ihm jedoch zwei Ergebnisse der Arbeit. Der Zufall kommt Niko zu Hilfe. Er sieht, dass sein Mathelehrer Krause in der nächsten Stunde Sport unterrichtet und die Arbeiten in der Lehrerkabine unbeaufsichtigt zurückbleiben. Der Junge täuscht seiner Deutschlehrerin Übelkeit vor und schleicht in den Umkleideraum des Lehrers. Dort schreibt er nachträglich die Ergebnisse in seine Arbeit. Eigentlich hätte sein Plan funktioniert, wäre er dabei nicht zufällig Zeuge geworden, wie der ältere Schüler Matti mit seinen Freunden Jule aus der Parallelklasse verprügeln. Jetzt bekommt es Niko mit der Angst zu tun, da die Jugendlichen ihn ebenfalls gesehen haben. So fangen ihn die Freunde auf dem Heimweg ab und drohen auch ihm Prügel an, wenn er irgendetwas verraten würde. Jule hingegen sucht auf dem Schulweg verstärkt Nikos Schutz. Doch dieser will nichts mit ihr zu tun haben. Die Rückgabe der Mathematikarbeit lässt Niko für kurze Zeit seine Panik vergessen – er hat eine Drei. Freudig geht er mit seinem Freund Till nach Hause und wird erneut von Matti aufgehalten und bedroht. Am nächsten Tag erzählt ihm das Mädchen die Hintergründe der Überfälle: Sie war Zeugin, als Matti und seine Gang ein Auto knackten. Als Niko sieht, dass ein Krankenwagen auf dem Schulgelände hält und ein verletztes, blutendes Mädchen eingeladen wird, erkennt er Jule. Endlich kommt der Tag seiner Geburtstagsfeier. Während der ausgelassenen Stimmung bei McDonald’s taucht Matti auf und schüchtert ihn erneut ein. Zu Hause findet Niko ein Geschenk von Jule und auf Drängen seiner Mutter besucht er sie. Das Mädchen ist in einem schlimmen Zustand. Sie hat Schmerzen und große Angst. Endlich entschließt sich Niko ihr zu helfen und nicht länger zu schweigen. Er vertraut seinem Mathelehrer den Betrug und die damit verbundene Beobachtung an. Herr Krause weiß es zu schätzen, dass Niko die Wahrheit sagt, und lobt ihn vor der ganzen Klasse: „Du hast aber Mut!“ 

Zur Thematik

Das Buch „Du hast aber Mut!“ von Brigitte Blobel beschäftigt sich in anschaulicher und einfühlsamer Weise mit dem Phänomen Gewalt an Schulen. Auf dem Schulhof, dem Schulweg, den Toiletten oder dem Schulbus kommt es heute fast täglich zu Auseinandersetzungen zwischen den Schülern. Meist sind es ältere, die die vermeintlich schwachen und jüngeren bedrängen, erpressen oder bedrohen – hier dargestellt an dem Konflikt Matti – Jule. Zuschauer oder Mitwisser solcher Taten befinden sich wie das Opfer selbst in einer misslichen Lage. Sie wollen nicht mit hineingezogen werden oder selbst zum Angriffspunkt werden und schweigen. Sie können ihren Freunden keine Hilfe sein – hier dargestellt durch die Verbindung Matti – Niko. Ist der Zeuge selbst angreifbar oder erpressbar, verstärkt sich seine Notlage. Er kann sich nicht nur aus Angst vor Prügel, sondern auch aus Furcht vor der Konsequenz seiner Tat einer Vertrauensperson offenbaren. Er steckt in einer doppelten Zwickmühle. Brigitte Blobel zeigt durch Nikos Entschluss, die Wahrheit der Angst vor Strafe vorzuziehen und damit seine Freundin vor weiteren Angriffen zu schützen, einen Weg aus der Misere auf. Die Autorin macht Mut, zu den eigenen Fehltritten zu stehen, um zum einen sein Gewissen zu erleichtern und zum anderen einem Mitschüler eine echte Hilfe sein zu können. Eine angenehme Nebenerscheinung ist außerdem die Bestrafung der wirklichen Täter. Die Konsequenz, die sich für Niko durch die Fälschung der Arbeit ergibt, tritt für ihn durch die Bestätigung des Lehrers „Du hast aber Mut!“ und die Rettung Jules in den Hintergrund. Brigitte Blobel zeigt, dass eine egoistische und egozentrische Haltung im Umgang mit Gewalt kein Ende und keine Lösung bringen kann. Gerade hier sollte die Behandlung der Thematik im Unterricht über das Buch hinaus ansetzen. Frei nach dem Motto „Wer wegsieht, macht mit!“ sollen die Schüler motiviert werden von ihren Erlebnissen zu berichten und Lösungswege aufzuzeigen. Eine Ich-Stärkung, um Erpressbarkeit und Bedrohungen die Grundlage zu entziehen, muss logische Konsequenz dessen sein.

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