Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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2. Preis: Grundschule Süd Landau – Projekt „Kinder haben Rechte“ (Altersgruppe bis 14 Jahre)

Preis: 1.125,00 EURO, keine Vergabe eines ersten Preises
Demokratische Streitkultur für Kinder

„Partizipation und Verantwortung“ lautet das Leitbild an der 2001 gegründeten Grundschule Süd Landau. Von Anfang an war es dem Kollegium ein Anliegen, Demokratie, Menschenwürde und soziales, respektvolles Zusammenleben zu fördern. Durch das Ausprobieren verschiedener Ideen hat sich an der Grundschule Süd eine beispielhafte demokratische Schulkultur etabliert.

Jedes Halbjahr finden an der Schule zwei Demokratietage zu Themen wie Kommunikation, Konfliktstrategien und Partizipation statt. Klassenstufenspezifisch werden dann diese Fähigkeiten spielerisch erprobt. Die demokratischen Werte kommen aber nicht nur an den Demokratietagen zum Einsatz, sondern werden konsequent im Schulalltag gelebt. In jeder Klasse findet wöchentlich ein Klassenrat statt, in dem von den Schülern vorgeschlagene Themen diskutiert und Projekte entwickelt werden. Beispielsweise äußern Schüler ihre Frustration darüber, dass viele Eltern die Park- und Verkehrsregeln vor dem Schulgebäude nicht einhalten, und somit oft gefährliche Situationen für die Kinder entstehen. Der Klassenratschef leitet die Diskussion und nimmt die Kinder in der Reihenfolge der Meldungen dran. Ab der zweiten Klasse findet der Klassenrat sogar ohne Unterstützung der Lehrerin statt.

In den Abgeordnetenversammlungen bringen die Schülerabgeordneten der Klasse die Anliegen der Mitschüler ein. In den Treffen, die zweimal im Monat stattfinden, besprechen die Abgeordneten wie und ob Belange und Ideen der Klassen lösbar bzw. umsetzbar sind. Nach einigem Für und Wider findet sich auch zum Problem des Verkehrschaos vor der Schule eine Lösung. Die Schülerabgeordneten werden einen Brief an die Eltern schreiben, in dem sie die Eltern bitten, die Verkehrsregeln zu respektieren und somit mehr Rücksicht auf die Kinder zu nehmen. Doch hier ist der Prozess noch nicht beendet. Die Lösungsvorschläge der Abgeordneten werden anschließend an die monatliche Schulversammlung weitergeleitet, wo sie nochmals diskutiert, ggf. modifiziert und dann bewilligt werden. Die Partizipation an wichtigen Entscheidungsprozessen macht den Kindern viel Spaß, sie fühlen sich in ihren Problemen und Anliegen ernst genommen.

Einige Ideen, die im Laufe der Zeit von den Schülern umgesetzt wurden, sind z.B. der Spieldienst, der für die Herausgabe von Spielmaterialien in den Pausen verantwortlich ist und den Fußballplatz überwacht, und der Toilettendienst, der kontrolliert wer für Verschmutzungen in der Toilette verantwortlich ist.

Gemeinsame Regeln spielen an der Schule eine große Rolle. Schüler und Lehrer haben zusammen konkrete Konfliktregelungsmechanismen entwickelt. Ältere Schüler bringen den Jüngeren bei, wie Konflikte friedlich gelöst werden und wie das Stopp-Zeichen bei aggressivem Verhalten gezielt eingesetzt wird. Als letzte Lösung einer Auseinandersetzung wird eine Lehrerin herbeigeholt und anschließend der Konflikt im Klassenrat mit Hilfe von Rollenspielen oder im Gespräch gelöst. Danach folgt immer eine wiedergutmachende Maßnahme des Täters. Gleiches gilt, wenn jemand etwas auf dem Schulgelände beschädigt. Somit lernen die Kinder Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.

Ein weiteres Konzept, das auf Wunsch der Schüler eingeführt wurde, ist das Lesecafé, in dem Kinder anderen Kindern vorlesen. Das Lesecafé sowie die Abgeordnetenversammlung sind in die tägliche eigenverantwortliche Arbeitszeit integriert. Während dieser Zeit können die Kinder auch forschen oder Gelerntes vertiefen, und lernen dabei selbständig zu arbeiten und ihre Zeit sinnvoll zu nutzen. Paten der zweiten Klassen zeigen den Erstklässlern in der offenen Arbeitsphase wie sie eigenverantwortlich mit dem Lernmaterial umgehen können. Auf diese Weise kann jeder neue Jahrgang natürlich in die demokratische Schulgemeinschaft hineinwachsen.

Im Rahmen dieser demokratischen Schulkultur entstand an der Grundschule Süd im Jahr 2007 das Projekt „Kinder haben Rechte“, das im Unterricht intensiv inhaltlich vorbereitet und anschließend in der Themenwoche umgesetzt wurde. Zusammen mit dem Künstler Rüdiger Steiner wurde das Konzept „Himmelsleitern für Kinderrechte“ eingesetzt, in dem Kinder die für sie wichtigen Kinderrechte künstlerisch darstellen, und somit greifbar machen. In zahlreichen weiteren Aktivitäten wurde auf vielfältige Weise auf Kinderrechte und Kinderrechtsverletzungen aufmerksam gemacht. Beispielsweise wurde in Gruppenarbeit ein Kinderrechtsrap geschrieben. Der Erlös von selbstgemachten Karten und T-Shirts und einem Sponsorenlauf wurde an UNICEF gespendet.

Die Jury hat das Projekt als eine beispielhafte Initiative beeindruckt, die schrittweise eine demokratische Schulkultur von unten aufbaut und zugleich auf den völkerrechtlichen Rahmen der UN-Kinderrechtskonvention Bezug nimmt. Streitkultur und demokratische Schulkultur gehören zusammen. Sie können nur Hand in Hand
entwickelt werden.

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