Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Die Preisträger 2004

Bilder der Preisverleihung

Alterstufe I (bis zu 14 Jahren)

Mediationskonzept „Kinder lösen Konflikte selbst“

Der Grundschule Siedlungsschule Speyer wird für ihr Mediationskonzept „Kinder lösen Konflikte selbst“ der Hans-Götzelmann-Preis für Streitkultur 2004 in der Alterstufe bis 14 Jahre verliehen.
Der Preis ist mit 2.500 EURO dotiert.
„Anders streiten lernen“ heißt das Programm der Grundschule Speyer auf dem Weg zu einer „friedlicheren Schulkultur“. Streiten lernen soll wie schreiben und rechnen lernen zum Bestandteil der schulischen Ausbildung gehören. Den Anlass zum Erarbeiten und Umsetzen eines auf vier Grundschuljahre angelegten Konzeptes, bilden Konflikte an einer im sozialen Brennpunkt liegenden Schule, mit denen die Lehrer im Unterricht umzugehen haben und Konflikte, unter denen die Kinder leiden. Um diese Konflikte nicht unzufriedenstellend zwischen „Tür und Angel“ regeln zu müssen, wurden das „streiten Lernen“ in den Stundenplan mit aufgenommen, nicht nur in Form von Mediationsstunden, in denen konkrete Konflikte geregelt werden, sondern auch in den Unterricht, in dem der „präventive“ Teil der Arbeit stattfindet. Hier lernen die Schülern durch einen ausgebildeten Lehrkörper in 8 Bausteinen über die vier Grundschuljahre hinweg das Trainingsprogramm kennen und werden diesen Problemlösungsmechanismus integriert. Daneben soll „soziales Lernen“ und die „Stärkung sozialer Kompetenzen“ ein fester, fachübergreifender Bestandteil des Unterrichts werden. „Mit Hilfe eines Hosentaschenbuches lernen unsere Schüler am Ende des Trainings sogar den Streit ohne die Hilfe von Erwachsenen zu regeln“.
Im Rahmen von Informationsveranstaltungen wurden auch die Eltern von beginn an in das Projekt miteinbezogen und mit den gleichen Ritualen und Impulsen vertraut gemacht. Neben den Eltern sprachen die Informationsveranstaltungen der Schule auch andere Interessierte an. So kam es zur Einführung des Projekts in umliegenden Kindergärten, was zur Folge hat, dass nun auch schon Schulanfänger mit den Regeln des Projektes an der Schule vertraut sind, was für sie „ein großes Stück Sicherheit auf dem neuen Terrain Schule“ bedeutet. Finanzielle Hilfe für Materialien und Literatur bezieht die schule von einem Förderverein.
Innerhalb des Lehrkörpers wurde nach „drei kontinuierlichen Jahren der Mediation“ eine positive Veränderung festestellt. Ein Erfolg unter vielen ist, dass die Kinder selbst um Streitschlichtung bitten. „Nicht nur die Erwachsenen, die Kinder beginnen umzudenken. Die denken über das nach, was sie selbst getan haben und weisen anderen weniger Schuld zu. Sie beginnen Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen“.
Kontakt: Grundschule Siedlungsschule Speyer, Günther Zimmermann, Birkenweg 10, 67346 Speyer, Tel.: 06232 / 34041

Alterstufe II (14 bis 22 Jahre)

Videodokumentation „Hallo Krieg“

Dem Medienprojekt Wuppertal e.V. wird für ihre Videodokumentation „Hallo Krieg“ der Hans-Götzelmann-Preis für Streitkultur 2004 in der Alterstufe von 14 bis 21 Jahre verliehen.
Der Preis ist mit 2.500 EURO dotiert.
Das Medienprojekt Wuppertal e.V. führt seit 1992 Projekte im Bereich der Jugendvideoproduktion durch. Jugendliche erhalten innerhalb dieser Projekte, welche der „aktiven Medienerziehung und dem kreativen Ausdruck jugendlicher Ästhetiken, Meinungen und Lebensinhalten dienen“, professionelle Unterstützung bei ihren eigenen Videoproduktionen. Dabei werden nicht abstrakte oder recherchierte Themen bearbeitet. Der Schwerpunkt liegtauf Bereichen, in denen Jugendliche selbst involviert sind. „Deswegen sind ihre Filme oft dynamischer, authentischer, direkter und kompromissloser als Fernsehproduktionen“.
„Hallo Krieg“ ist der Titel einer solchen Videoproduktion. Es handelt sich hierbei um eine fünfteiligen Dokumentationsserie zum Irakkrieg. „Deutsche, irakische und amerikanische Jugendliche dokumentierten in diesem weltweit einzigartigem Projekt mit der Videokamera ihr Leben und ihre Gedanken über mehrere Monate vor, während und nach dem Krieg“. Die Dreharbeiten fanden in Bagdad, Wuppertal, Iowa und Oklahoma statt. Den Kern der Gruppe bildeten im wesentlichen 8 Jugendliche aus Wuppertal (7 Mädchen, ein Junge) im Alter von 18 und 19 Jahren. Unter Anleitung von Medienpädagogen und Filmemachern wurden sie in unterschiedlichsten Bereichen von weiteren Jugendlichen, so zum Beispiel von zwei Austauschschülern in den USA, von irakischen Jugendlichen in Bagdad und von in Wuppertal lebenden Irakis unterstützt.
Mit der Serie richten sich die Jugendlichen an eine breite Öffentlichkeit. Die einzelnen 30minütigen Serienteile, wie auch ein 60minütiger Zusammenschnitt werden als Bildungsmaterial für Antikriegserziehung für Schulen, Jugendeinrichtungen und vielem mehr vertrieben. Daneben wurden Kurzfassungen als Vorfilm in Wuppertaler Kinos gezeigt und Ausschnitte der Filme und Making-of-Reportagen im Fernseher ausgestrahlt.
Kontakt: Medienprojekt Wuppertal e.V., Andreas von Hören, Hofaue 55, 42103 Wuppertal, Tel.: 0202 / 5632647, Fax: 0202 / 44 68 691

Anerkennungspreise (Sachpreise)

Altersstufe bis 14 Jahre: Jugendrechtshaus Kreuzberg – Berlin

Berlin – Kreuzberg ist allgemein bekannt als Brennpunkt sozialer Konflikte. Die Leitfrage des Jugendrechtshaus Kreuzberg ist die Frage danach, wie das nachbarschaftliche Zusammenleben friedlich, in Eintracht und zum Vorteil aller gestaltet werden kann. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen „Bildungs- und Aufklärungsarbeit zum Jugendrecht und zum Demokratieverständnis“. Darüber hinaus bietet das Jugendrechtshaus Jugendlichen Hilfe und Beratung in an, wenn diese mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, oder selbst Opfer von Straftaten wurden. Die Zielgruppe des Projektes sind Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 14 Jahren.
In Anbetracht der Tatsache, dass 80 % der ausländischen Kinder und Jugendlichen aus dem islamischen Kulturkreis stammen, ist man darum bemüht sich auch mit islamische Werten und Rechtsnormen auseinanderzusetzen. „Es müssen Gemeinsamkeiten gesucht gefunden und benannt werden, die ein demokratisches und pluralistisch – orientiertes Gemeinwesen möglich machen. Es müssen gemeinsame Rechtsgüter illustriert werden, für die es sich lohnt zu leben und die es gilt zu verteidigen“. Fünf in unserm Grundgesetz verankerten Rechtsgüter - Leben, Gesundheit, Freiheit, Ehre und Eigentum - sind Bestandteil der Wertevermittlung des Jugendrechtshauses in Projektwochen an Kreuzberger Schulen und der allgemeinen pädagogischen Arbeit.
Im Jahr 2002 hat das Jugendrechtshaus seine Arbeit aufgenommen und bekommt keinerlei Zuschüsse. Es ist eine „eigenständige Vereinigung von Menschen, die die Hoffnung nicht aufgegeben haben, Berlin – Kreuzberg zu einem Lebensraum zu führen, der eine multikulturelle, -konfessionelle und friedliche Kulturlandschaft bereitstellt“.
Kontakt: Jugendrechtshaus Kreuzberg, Wolfram Englert / Christine Baur, Reichenberger Str. 44/45, 10999 Berlin, Tel.: 030 / 22503090, Fax: 030 / 22503091.
Altersstufe 14 bis 21 Jahre: Friedensgruppe FREIeHEIDe der Jungen Gemeinde Neuruppin
Die Friedensgruppe FREIeHEIDe der JUNGEN GEMEINDE in Neuruppin setzt sich seit zwei Jahren in Form direkter und praktischer Aktionen gegen die Nutzung der Wittstock-Kyritz-Ruppiner Heide als Bombenabwurfplatz der Bundeswehr ein. Die Mitglieder der Gruppe sind meist Schüler zwischen 14 und 19 Jahren, die sich regelmäßig in einer der Neuruppiner Jugendeinrichtungen – dem Cafe Hinterhof – treffen. Zusammen mit der Berliner „Resist Now“ Gruppe bereiteten sich die Jugendlichen 2003 auf ein Camp vor, um mit andern Jugendlichen „friedlich und gewaltfrei eigene Widerstandsformen zu entwickeln“. Schwerpunkte lagen vor allem auf dem Erlernen von „kreativen und konstruktiven Umgang mit Konflikten“. Auch in diesem Sommer ist wieder ein Camp geplant. Um das Ziel der friedlichen Nutung der Heide zu erreichen, engagiert sich die Gruppe in unterschiedlichen Bereiche. „200 Gruppen in Heide“ ist beispielsweise eine neue Kampagne die zusammen mit Berliner Friedensaktivisten vorbereitet und durchgeführt wird. „Der Gedanke dabei ist, möglichst viele Menschen für einen Besuch in dieser Region zu gewinnen um ihnen vor Ort die Schönheit dieser Landschaft vorzuführen“. Öffentliche Anerkennung und Ermutigung zeigten den Jugendlichen, dass es sich lohnt, sich für etwas einzusetzen. „Sie geben anderen Mut, mitzumachen und ihre Sache selbst zu vertreten. Sie lernen mit Konfliktsituationen umzugehen, ihre Angst gegenüber Staatsgewalt abzubauen, eine konstruktive Streitkultur zu entwickeln und gewaltfreies Handeln in schwierigen Situationen. Sie lernen sich mit Argumenten auseinanderzusetzen, üben sich in Diskussionen und Auseinandersetzungen mit Gleich- und Andersdenkenden. Die vorhandenen Erfahrungen sollen genutzt und an andere Jugendliche weitergegeben werden.“

Kontakt: Cafe Hinterhof / Evangelisches Kinder- und Jugendzentrum, Gert Strohschneider, Rudolf-Breitscheid-Str. 38, 16816 Neuruppin, Tel.: 03391 Neuruppin

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