Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Transnationale Friedensarbeit

Vor dem Hintergrund der neuen Konflikte und Kriege in Europa auf der einen und den vielfach verbesserten grenzüberschreitenden Kommunikationsmöglichkeiten auf der anderen Seite stellt sich die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen transnationaler Friedensarbeit mit größerem Nachdruck als jemals zuvor: Was können BürgerInnen und Friedensgruppen, gesellschaftliche Organisationen und transnationale, nichtstaatliche Organisationen zur Entwicklung ziviler und friedensfördernder Strukturen in und zwischen den Gesellschaften beitragen, um Konflikten und Kriegen vorzubeugen? Was können sie tun, wenn es "zu spät" ist und Konflikte bereits gewalttätig ausgetragen werden?

Ziel des Projektes ist es, die Ansätze und Erfahrungen transnationaler Friedensarbeit, die sich von Projekten internationalen Lernens bis hin zu gewaltfreien Interventionen in Krisenregionen erstrecken, zu systematisieren und kritisch zu hinterfragen. Dabei geht es sowohl um das (Friedens-) Handeln, dessen übergreifendes Ziel die Beeinflussung und Mitgestaltung politischer Prozesse darstellt, als auch um die individuellen Lernmöglichkeiten oder Lernblockaden eines (Friedens-) Lernens: Welche Lernprozesse eröffnen sich für Individuen und Gruppen im Rahmen transnationaler Friedensarbeit hinsichtlich ihres Wissens, ihrer Meinungen, ihrer (Vor-) Urteile? Bei der Auseinandersetzung mit den Methoden transnationaler Friedensarbeit nimmt die Frage eine besondere Stellung ein, welche Rolle Vorstellungen und Ansätze von Mediation spielen. Die erfaßten Daten über Projekte transnationaler Friedensarbeit werden in einer speziell zu konzipierenden Datenbank erfaßt und können von der interessierten Öffentlichkeit abgerufen werden. Zivile Konfliktbearbeitung als Kern transnationaler Friedensarbeit. 1995 wurden Ansätze und Erfahrungen mit ziviler Konfliktbearbeitung als Teil transnationaler Friedensarbeit systematisch erfaßt und für einen speziell für die Bildungsarbeit konzipierten Band aufbereitet. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema hat noch kaum Eingang in den Schulbereich und die außerschulische Bildungsarbeit gefunden. Eine solche Auseinandersetzung ist jedoch unter pädagogischen und didaktischen Aspekten notwendig und sinnvoll:

In der Publikation werden wichtige Ansätze ziviler Konfliktbearbeitung vorgestellt, wie sie von Basisinitiativen, Nichtregierungsorganisationen, internationalen Organisationen und Regierungen erprobt und praktiziert werden. Hierzu gehören u.a. die Vermittlung zwischen Konfliktparteien, Friedensmissionen und Friedensdienste in Konfliktregionen, Sanktionsmaßnahmen und Boykotte, humanitäre Hilfe für Kriegsopfer oder auch Initiativen zur Förderung ziviler Gesellschaften. Der Band bietet viele Vorschläge für einen handlungsorientierten Unterricht. Er eignet sich jedoch auch zur Vorbereitung auf Einsätze im Rahmen von Friedensdiensten. Im Anhang werden Ausbildungsmöglichkeiten in ziviler Konfliktbearbeitung vorgestellt. Der Band wird 1996 erscheinen. Uli Jäger: Soft-Power. Wege ziviler Konfliktbearbeitung. Ein Lern- und Arbeitsbuch für die Bildungsarbeit und den handlungsorientierten Unterricht.

Gewaltfreiheit als Grundlage transnationaler Friedensarbeit

Der Verzicht auf tötende und verletzende Gewalt als Kern von gewaltfreiem Handeln stellt die Grundlage transnationaler Friedensarbeit dar. Die vielfältigen Ansätze und Erfahrungen zusammenfassend darzustellen und auf Problembereiche aufmerksam zu machen, ist deshalb ein weiterer Teilbereich des Projektes. Diese Ergebnisse werden ebenfalls in einem für die Bildungsarbeit konzipierten Band zusammengefaßt. Dieser Band informiert aus unterschiedlicher Perspektive über 25 gewaltfreie Aktionen und stellt wichtige Persönlichkeiten aus der Geschichte der Gewaltfreiheit vor. Er zeigt die Problematik des Verhältnisses von Gewalt und Gewaltfreiheit auf persönlicher und staatlicher Ebene auf und macht die Voraussetzungen für gewaltfreies Handeln deutlich. Anfragen an das Konzept der Gewaltfreiheit, Probleme und Kontroversen bieten einen Einblick in die Diskussion. In einem eigenen Kapitel wird Gewaltfreiheit als Thema von Bildungsarbeit mit vielfältigen methodischen Ansätzen und Hinweisen aufgegriffen. Der Band wird 1996 erscheinen. Günther Gugel: Wir werden nicht weichen. Erfahrungen mit Gewaltfreiheit. Materialien für die Bildungsarbeit.

Einführung für Friedensdienste

Freiwillige in Friedensdiensten sind mit vielfältigen Problemen und Schwierigkeiten konfrontiert. Ihnen eine Reflexions- und Handlungshilfe anzubieten, ist ein weiteres Ziel des Projektes Transnationale Friedensarbeit. In diesem Teilbereich werden die Voraussetzungen für Hilfeleistungen reflektiert sowie der Frage nach der Motivation für und den Auswirkungen des Helfens nachgegangen. Problembereiche wie "Sprachschwierigkeiten" , "Umgang mit Gewaltopfern" oder "Was heißt nun interkulturelles Lernen" werden aufgegriffen und bearbeitet. Diese ersten Projektergebnisse machen die Richtung deutlich, in der das Projekt 1996 weitergeführt wird. Projektbearbeitung: Günther Gugel, Uli Jäger.

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