Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Krieg im Fernsehen

Die Untersuchung über die Kriegs- und Krisenberichterstattung des Fernsehens wendet sich vor allem an LehrerInnen und MedienpädagogInnen, die einen fundierten Zugang zur aktuellen Diskussion über die Wirkungsweise des Fernsehens suchen.
Das umfangreiche dokumentarische Material aus der Fernsehpraxis (mit zahlreichen Originalbeiträgen der "Macher" und vielen Fotos) ermöglicht im Zusammenhang mit didaktischen Vorschlägen für Schule und Erwachsenenbildung einen wichtigen Einstieg in die aktuelle "Gewalt-Diskussion" in den Medien. Der Band ist vor allem für die Anforderungen in der Sekundarstufe II konzipiert.

Das Projekt wurde unterstützt vom Ausschuß für entwicklungsbezogene Bildung und Publizistik (ABP) und vom Bildungswerk für Friedenserziehung und Jugendarbeit, Jena (aus Mitteln des Thüringer Kultusministeriums). Ein Sonderdruck des Buches wurde von der Schulstelle Dritte Welt/Eine Welt, Soest angekauft. Das Buch beschreibt die Kriegs- und Krisenberichterstattung des Fernsehens in einigen wesentlichen Aspekten. Es soll den Leser zu einem kritischen Umgang mit dem Nachrichtenmedium Fernsehen befähigen. Die didaktischen Materialien sind so angeordnet und konzipiert, daß sie gegebenenfalls auch ohne den Film zum Einsatz kommen können; gleichwohl empfiehlt sich im Unterricht die Koppelung von Film und schriftlicher Handreichung. Buch und Film befähigen Leser und Zuschauer, sich ein eigenes Bild über die Berichte aus Ex-Jugoslawien und der sogenannten Dritten Welt zu machen. Das Material ist so geordnet, daß es Einblicke in den Produktionsprozeß des Fernsehens eröffnet und darüber hinaus auch die übrigen Massenmedien (Presse und Funk) hinreichend berücksichtigt. Die Eingrenzung auf Konfliktherde wie Ex-Jugoslawien und Somalia dient vor allem der Übersichtlichkeit und ermöglicht den Vergleich zwischen einer "Süd-Berichterstattung" im Fernsehen und der Reportage über Kriege, die sich direkt vor unserer Tür abspielen. Der Berichtszeitraum 1991 - 1995 steht im Mittelpunkt. Prominente Journalisten und Wissenschaftler wie Nikolaus Brender, Detlef Kleinert, Albrecht Reinhardt, Kurt Stenzel und Volker Matthies geben in dem Buch Auskunft über ihre jeweilige Arbeit und diskutieren in Originalbeiträgen die Auslandsberichterstattung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.
In einem exemplarischen Fernsehalphabet von "Abenteuer" bis "Zivilist" gibt der Autor Hinweise auf archetypische Bild- und Informationsmuster des Fernsehens und eröffnet den PädagogInnen damit eigene medienpädagogische Fragestellungen. Der Raster beschreibt - verallgemeinernd und aus einer Pro- und Kontrasicht - typische Reflexionen des Mediums auf Krisen, Konflikte und gesellschaftliche Fragen. Stichworte sind beispielsweise: "Eurozentrismus", "UNO", "Armut", "Frauen", "Katastrophen", "Kolonialismus", "Manipulation", "Mitleid", "Opfer" u.a. Im Zusammenhang mit Film und Buch lassen sich folgende Thesen zur aktuellen Fernsehberichterstattung formulieren:

  1. Das "ethnische" Krisenmodell hat das Freund-Feind-Modell aus dem Kalten Krieg abgelöst. Für eine kritische Berichterstattung ist auch dieses Modell untauglich.
  2. Die zugespitzte und sensationelle "Ware Bild" beherrscht auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Die europäische Katastrophen-Meldung hat absoluten Vorrang vor der Berichterstattung gleichwertiger Ereignisse aus südlichen Ländern.
  3. Der "elektronische Medienkrieg" findet bei geeigneter militärischer Lage weiterhin im Fernsehen statt. Das Militär bestimmt in solchen Fällen die Auswahl und Dramaturgie der Bilder.
  4. Die Redaktionen nutzen zu wenig die künstlerischen und ästhetischen Möglichkeiten der Bildmontage. Die aktuelle Berichterstattung bleibt hinter den technischen Möglichkeiten des Mediums zurück.
  5. Durch schnelle Schnittfolge wird der Eindruck von Kompetenz und Aktualität vermittelt. Die Bilder transportieren dabei oft nur marginale und redundante Informationen und lenken von dem zentralen Thema der Krise ab.
  6. Rassismus ist bei der Berichterstattung aus afrikanischen Regionen nicht gebannt.
  7. Exotische Bildergeschichten der "Dritten Welt" verdecken die Hintergründe der Armut und des aktuellen Leids.
  8. Die Sprache im Fernsehen erliegt immer wieder stereotypen Mustern und ist weit entfernt von einem "objektiven" Selbstverständnis. Mit Schlagworten werden neue Feindbilder errichtet.
  9. Die Anmoderation wird ihrem Anspruch, sachkundig und zuschauerorientiert in ein Thema einzuführen nur selten gerecht.
  10. Über Friedensinitiativen der Bevölkerung wird zu selten berichtet. Dies verstellt den Blick für konstruktive Lösungsansätze von unten. Projektbearbeitung: Christian Hörburger

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