J. Banscherus: Novemberschnee

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Banscherus_Novemberschnee

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Zum Inhalt

Lina, Jurij und Tom sind eine verschworene Gemeinschaft und verbringen den Großteil ihrer Freizeit miteinander. Aus dem Wunsch nach Australien abzuhauen, entsteht ein anfangs harmloses Spiel, das die Drei immer detailverliebter perfektionieren. Überraschend wird eines Tages aus dem Spiel tödlicher Ernst. Bei einem realen Bankraub erbeuten die Jugendlichen 50 000 Euro, eine unbeteiligte Frau stirbt dabei, und die Drei befinden sich plötzlich auf einer dramatischen Flucht. Dabei überschlagen sich die katastrophalen Ereignisse und die angeblich so innige Freundschaft hält der Extremsituation nicht stand. In einer nicht restlos zu rekonstruierenden Situation kommt es zu einer Schießerei unter den beiden Jungen. Der eine ist sofort tot, der andere so schwer verletzt, dass er wenig später seinen Verletzungen erliegt, obwohl das Mädchen Hilfe geholt hat. Lina gerät in Verdacht, die Jungen erschossen zu haben, um die Beute nicht teilen zu müssen, wird letzten Endes in einem Indizienprozess aber „nur“ wegen Bankraubes und Autodiebstahls verurteilt.

Zur Thematik/Problematik

„Novemberschnee“ ist ein eindrucksvoll erzählter Kriminalroman, der weit mehr zu bieten hat als die Frage, wer was verbrochen hat, wie „er“ überführt wird und zum Schluss nach Schwarz-Weiß-Schema seine verdiente, angemessene Strafe erhält. Jürgen Banscherus versteht es meisterhaft, die Charaktere der Hauptpersonen lebendig werden zu lassen, in mehreren Schichten ihre Persönlichkeit und ihre Geheimnisse wie eine Zwiebel abzuhäuten und so stetig zum Kern der Figur vorzudringen. Gegen die Träume der drei Jugendlichen und ihre (bei näherem Licht besehen) oberfl ächliche Freundschaft ist die knallharte Wirklichkeit gesetzt, die ungewollte, katastrophale und sehr schnell nicht mehr von den handelnden Personen beeinfl ussbare Entwicklung der Ereignisse. Jürgen Banscherus forciert durch die realitätsnahe Beschreibung eines möglichen Verbrechens und seiner Entstehung die Identifi kation der jugendlichen LeserInnen mit den Tätern; die Tat wird aufgrund der Persönlichkeiten der Täter nachvollziehbar. Er fordert die LeserInnen heraus, mit Regelverstößen umzugehen und normierte Rollenzuschreibungen zu hinterfragen. Man leidet nicht nur mit der weiblichen Hauptperson mit, kann sich in ihre Zweifel und Schuldgefühle ebenso hineinversetzen wie in ihre Wut, ihren Mut und ihre Entscheidungen. Durch die beinahe gnadenlose Fortschreibung von Linas Schicksal (immerhin sterben eine unbeteiligte Person und ihre zwei besten Freunde, sie selbst wird als Mörderin verdächtigt und für andere Straftaten rechtskräftig verurteilt) folgt Jürgen Banscherus seiner Überzeugung, dass es nur zu oft kein Happyend gibt, keine Instanz, die regelt, dass jemand nun genug gelitten hat und es ihm ab sofort wieder gut gehen wird. Der Autor nimmt seine jugendlichen Adressaten ernst und erzählt ihnen vom Ende der Unschuld. Genau das macht den Erfolg dieses Buches aus.

 

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