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Überleben im Dritten Reich

Wolfgang Benz (Hg.)
Überleben im Dritten Reich
Juden im Untergrund und ihre Helfer
Mit 28 Abbildungen

C.H. Beck Verlag, München 2003
349 S.; 24,90 €

ab 14 Jahre


Die Autoren haben Überlebenswege von Juden recherchiert und beschreiben das couragierte Handeln ihrer Helfer, hinter dem sowohl selbstlose als auch eigennützige Motive stehen konnten. Am Beispiel von individuellen Schicksalen bietet das Buch einen unmittelbaren Einblick in den dramatischen Alltag der Verfolgten und ihren Helfer, die mit Erfindungsreichtum und unter großem Risiko handelten.

Eingehend werden die Bedingungen des Überlebens von Juden zur Zeit des Dritten Reichs anhand von Einzelschicksalen geschildert. Die Autoren gehen der Frage nach, was einige Menschen dazu bewegte, trotz massiver Gefahren Juden zu helfen. Die genaue Zahl dieser „stillen Helfer" lässt sich allenfalls schätzen, weil sie lange Zeit von der Öffentlichkeit und der Geschichtswissenschaft unbeachtet blieben. Von 10.000 bis 15.000 Juden, die im nationalsozialistischen Deutschland untertauchen konnten, um sich der drohenden Versschleppung „in den Osten" zu entziehen, haben etwa 3.000 bis 5.000 überlebt - rund 1.500 in Berlin. Um einen Verfolgten zu retten, waren fast immer mehrere Personen nötig, denn die Versteckten mussten ihr Quartier häufig wechseln. Nicht selten wurden die Untergetauchten und ihre Helfer verraten und schließlich von der Gestapo gefasst.
Es waren wenige, aber mehr als bisher bekannt: Nichtjüdische Deutsche aus allen gesellschaftlichen Schichten und mit unterschiedlichen politischen und religiösen Überzeugungen gewährten Juden Unschlupf. Wer waren diese Menschen, die sich dem Deportationsbefehl widersetzten? Und wer leistete ihnen Hilfe? Das Buch berichtet von diesen Helfern, die nicht wie Millionen andere Deutsche einfach wegsahen oder sich sogar an der Judenverfolgung beteiligten. Die Motive der Helfer waren höchst unterschiedlich. Unter ihnen waren überzeugte Gegner der Nationalsozialisten, etwa der Danziger Kapitän Gustav Pietsch, der rund 400 Juden heimlich auf Schiffen außer Landes schleuste und ihnen so die Flucht nach Palästina ermöglichte. Ebenso uneigennützig handelte das Berliner Ehepaar Helmrich: In ihrem Haus fanden verfolgte Juden Schutz; anderen verschafften sie mit gefälschten Ausweispapieren eine neue Identität.
Andere Helfer verlangten jedoch Gegenleistungen von den Juden. Wer in einem protestantischen Pfarrhaus Zuflucht fand, musste oft hart im Haushalt schuften oder wurde sogar zur christlichen Taufe gezwungen. Besonders perfide klingt der Fall von einem SS-Mann, der vom Versteck einer jüdischen Verwandten erfahren hatte: Er ließ sich sein Schweigen mit hohen Summen bezahlen.

Im Anhang befinden sich Anmerkungen, Literatur, Bildnachweis und Autoren.

Wolfgang Benz, Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung und sein Team haben diesen Sammelband herausgegeben, in dem mehrere Historiker das oftmals vergessene Schicksal der untergetauchten Juden im „Dritten Reich" und ihre Helfer rekonstruieren. „Die meisten Judenhelfer gerieten schnell in Vergessenheit. Sie selbst machten wenig Aufhebens von ihren Taten. Die übrige Gesellschaft wollte nichts von ihnen wissen. Die Retter der Juden vergaß man, nicht nur weil sie selbst kein Aufheben von ihren Taten machten, sondern weil ihr Engagement die Behauptung der Anspruchslosen, man habe nichts machen können gegen den Terror, als Legende entlarvt", schreibt Wolfgang Benz.

Seit 1997 wird am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin die Datenbank „Rettung von Juden im nationalsozialistischen Deutschland" aufgebaut, in der Informationen über untergetauchte Juden, ihre Helfer und deren Rettungsbemühungen gesammelt und analysiert werden.


Autor(en):
Wolfgang Benz (Hrsg.)
Titel:
Überleben im Dritten Reich - Juden im Untergrund und ihre Helfer
Erscheinungsjahr:
2003
Umfang/Format:
349 Seiten
Ort:
München
Verlag:
C.H. Beck
Auflage:
1. Auflg.
Schlagworte:
Gesamtdarstellungen
Judenverfolgung
Nationalsozialismus
Widerstand
Signatur:
ISBN:


© Ria Proske
Nationalsozialismus und Neonazismus. Ausgewählte Kinder- und Jugendbücher

Kommentiertes Verzeichnis
15., aktualisierte, erweiterte Online-Auflage, Köln 2010

Diese Sammlung wurde 1987 als Projekt des Vereins "Beratung und Weiterbildung in der Friedensarbeit e.V." an der FH Düsseldorf von Prof. Christiane Rajewsky, Ria Proske und Adelheid Schmitz erarbeitet. Seitdem wird sie von Ria Proske fortlaufend aktualisiert und mit Kinderbüchern für die Altersgruppe 3 bis 10 Jahre ergänzt.

Kontakt:
Ria Proske, Hunsrückstr. 16, 50739 Köln, Tel.: 0221-176808
Email: ria@proske.de

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