Stellungnahme des Instituts für Friedenspädagogik Tübingen e.V. angesichts von Missbrauch und Gewalt in pädagogischen Einrichtungen
Es gibt nichts zu beschönigen, zu bagatellisieren oder gar zu rechtfertigen: Missbrauch, Gewalt und Unrecht müssen wo immer sie vorkommen aufgedeckt, verfolgt und geahndet werden. Sie stellen Straftaten dar, die das Leben von anvertrauten Kindern und Jugendlichen zerstören oder zumindest auf lange Zeit (wenn nicht für immer) stark belasten. Es sind nicht nur Einzelpersonen die ihren Neigungen nachgehen, sondern immer auch Strukturen, Abläufe und Organisationsformen, die dies ermöglichen und Mitwisser, die dies dulden und decken.
Glaubwürdigkeit und Vertrauen, die höchsten Güter in der Erziehung, werden so zerstört.
Es kann jetzt nur darum gehen, die Opfer zu stützen und zu unterstützen, Taten aufzudecken und Täter zur Rechenschaft zu ziehen, auch wenn dies aus Gründen der Verjährung eine Strafverfolgung nicht mehr möglich ist, gibt es hierfür eine moralische Pflicht.
Gewaltfreiheit, Selbstbestimmung und Glaubwürdigkeit sind das Fundament jeder Erziehung und dürfen keine leeren Worthülsen sein. Indoktrination, Zwang und Übergriffe dürfen nicht geduldet werden. Mitwisser die schweigen machen sich mit schuldig. Es darf keine falschen Rücksichtnahmen geben. Deshalb ist es auch an der Zeit sich von unglaubwürdig gewordenen Vorbildern zu emanzipieren.
Zur Professionalität in der Pädagogik gehört es eigene und fremde Grenzen zu kennen, anzuerkennen und zu respektieren. Wo dies Schwierigkeiten bereitet, ist Rat und Hilfe zu suchen und anzunehmen. Zur Professionalität gehört es, aufmerksam und achtsam zu sein und wo immer Kindern und Jugendlichen Unrecht geschieht, sich auf ihre Seite zu stellen. Und zur Professionalität gehört es auch, sich den Schattenseiten zu stellen, diese aufzuarbeiten und alles zu tun, damit Missbrauch, Übergriffe und Gewalt nicht mehr möglich werden.
Tübingen, 19.3.2010
Geschäftsführung und Vorstand des Instituts für Friedenspädagogik Tübingen e.V.
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