Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. hat soeben einen Forschungsbericht über “Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt” vorgelegt. In dieser für Deutschland repräsentativen Untersuchung wurden 44.610 Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren befragt. Einbezogen wurden dabei Schüler neunter Klassen aus allen Schulformen.
Zentrale Ergebnisse sind u.a.:
- Für mehr als drei Viertel aller Jugendlichen gehörte Gewalt in den zwölf Monaten vor der Befragung nicht zu ihrem persönlichen Erfahrungsbereich. Von den befragten Schülerinnen und Schüler sind 16,8 % in dieser Zeit mindestens einmal Opfer einer Gewalttat geworden, bei 3,9 % sind es fünf und mehr derartiger Opfererfahrungen. Am häufigsten werden einfache Körperverletzungen berichtet (11,1 %).
- Zur Entwicklung der Jugendgewalt zeigen die Befunde der Dunkelfeldforschung seit 1988 ingesamt betrachtet eine gleichbleibende bis rückläufige Tendenz.- Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Rechtsextremismus prägen das Weltbild einer Minderheit von Jugendlichen; in einigen Gebieten fällt deren Anteil allerdings alarmierend hoch aus. 14,4 % der Jugendlichen haben in hohem Maß ausländerfeindliche Einstellungen offenbart. Als eindeutig rechtsextrem (ausländerfeindlich gekoppelt mit entsprechendem Verhalten) sind 5,2 % einzustufen. Zu diesen Quoten kommt jeweils ein deutlich höher Prozentsatz von deutschen Jugendlichen hinzu, die ausgeprägte Sympathien zu solchen Einstellungen und Verhaltensweisen aufweisen (”zu viele Ausländer” 34,8 %, Ausländerfeindlichkeit 26,2 %, Rechtsextremismus 11,5 %, Antisemitismus 8,4 %).
- 3,8 % der Jugendlichen deutscher Herkunft (Jungen 4,9 %, Mädchen 2,6 %) geben an Mitglied einer rechten Gruppe oder Kameradschaft zu sein.
Dirk Baier/Christian Pfeiffer/Julia Simonson/Susann Rabold: Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt. Erster Forschungsbericht zum gemeinsamen Forschungsprojekt des Bundesministeriums des Innern und des KFN. Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. Forschungsbericht 107. Hannover 2009, 132 S.
Der Forschungsbericht als PDF-Datei (2 MB): fb107.pdf

