Abschlussveranstaltung im Rahmen der Vorlesung „Deutschland/EU in der internationalen Politik“ von Prof. Dr. Volker Rittberger
„Rückblick auf 20 Jahre Deutschland/EU in der internationalen Politik“
Begrüßung und Einführung von Prof. Dr. Volker Rittberger
Mit Gastbeiträgen von
- Prof. Dr. Michael Zürn (Hertie School of Governance/Berlin): „Deutsche Außenpolitik zwischen Anspruch und Wirklichkeit“
- Prof. Dr. Peter Mayer (Universität Bremen): „Deutsche Außenpolitik und internationale Interventionen“
- Prof. Dr. Frank Schimmelfennig (ETH Zürich): „Die EU – Eine normative Macht?“
Datum: Mittwoch, 22.07.2009, 15 c.t. – 17 Uhr
Ort: HS 24, Kupferbau, Universität Tübingen
Informationen zu den Gastbeiträgen:
Peter Mayer - Deutsche Außenpolitik und internationale Interventionen
Der Kurzvortrag analysiert am Beispiel der von Debatte über die außenpolitische Identität Deutschlands die Natur konstitutiver Erklärungen in der Außenpolitikforschung. Epistemologisch geht es um die Bestimmung des Verhältnisses von konstitutiven zu kausalen Erklärungen, die nicht relativ stabile Dispositionen, sondern Zustandsveränderungen zum Gegenstand haben; empirisch steht die in den vergangenen beiden Jahrzehnten gewachsene Bereitschaft Deutschlands, sich an Militärinterventionen inner- und außerhalb Europas zu beteiligen, im Vordergrund.
Michael Zürn - Deutsche Außenpolitik zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Die Grunddeterminanten bundesrepublikanischer Außenpolitik erscheinen zeitgemäßer denn je. Die Adenauersche Außenpolitik zielte im Kern darauf, einseitige Kontrollen der Siegermächte in multilaterale Regime zu überführen. Dies prägte sich in das außenpolitische Entscheidungssystem tief ein. Legendär ist Hans-Dietrich Genschers Credo deutscher Außenpolitik, wonach Deutschland keine nationalen Interessen hat — das europäische Interesse sei das deutsche Interesse. Diese Formel verweist auf eine Tradition bundesrepublikanischer Außenpolitik, die den Sachverhalt internationaler Interdependenz anerkannt und daher eine ausgeprägte Bereitschaft zum Autonomieverzicht und zum internationalen Kompromiss mit sich bringt. Aber trifft dieses Selbstbild zu? Was sagen objektive Indikatoren zur deutschen Außenpolitik?
Zur Person: Michael Zürn ist seit 2004 Dean der Hertie School of Governance und Leiter der Abteilung “Transnationale Konflikte und Internationale Institutionen” am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Michael Zürn studierte Internationale Beziehungen an der University of Denver (Colorado) und Politikwissenschaft und Germanistik an der Universität Tübingen, wo er 1991 auch promoviert wurde. Von 1994 bis 2004 war er Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Bremen. Zürn ist seit 2004 Mitglied des Senats der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und seit 2007 Ordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
Frank Schimmelfennig – Die EU - eine normative Macht?
Ein einflussreicher Zweig der Literatur über die EU-Außenpolitik analysiert die EU als “normative Macht”. Der Beitrag setzt sich kritisch mit diesem Konzept und seiner empirischen Tragfähigkeit auseinander. Was heißt “normative Macht”? Verhält sich die EU tatsächlich wie eine “normative Macht”? Wie lassen sich die Unterschiede im außenpolitischen Verhalten der EU erklären? In meinem Beitrag argumentiere ich, dass die Ziele und Machtressourcen der EU in erster Linie ökonomischer Natur sind und dass sie diese Ressourcen in höchst unterschiedlichem Ausmaß und in inkonsistenter und unterschiedlich wirksamer Weise zur Förderung normativer Ziele (vor allem Demokratie und Menschenrechte) einsetzt. Ein zentraler Unterschied ist zwischen der Erweiterung und anderen Feldern der Außenbeziehungen zu beobachten. Dieser Unterschied ist zum einen darauf zurückzuführen, dass die EU in der Erweiterungspolitik eine herausragende Machtposition besitzt und der institutionelle Kontext der Erweiterungspolitik normative Einflüsse besonders fördert.

