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Frieden riskieren

zumach_p1110139.jpgGedanken und Lieder für den Frieden. 

Der Fachjournalist Andreas Zumach fordert Rückzug amerikanischer Soldaten aus Irak und Afghanistan

Für einen politisch-kulturellen Spätnachmittag sorgten der Journalist Andreas Zumach und der chilenische Liedermacher Sergio Vesely am Sonntag im Evangelischen Gemeindezentrum Rottenburg.

„Frieden riskieren“ lautet das Motto der 29. ökumenischen Friedensdekade, die bundesweit von Kirchengemeinden und Friedensgruppen organisiert wird. Am Sonntagabend hatten das Institut für Friedenspädagogik Tübingen und die evangelische Kirchengemeinde Rottenburg Zumach und Vesely eingeladen.

Andreas Zumach arbeitet als freier Journalist in Genf. Er ist Experte für Völkerrecht und die Entwicklung internationaler Organisationen. „Was kann der neue Präsident Barack Obama tun?“, fragte er in seinem Vortrag. Er nannte als kurzfristig wichtige Ziele für Amerikas Politik die ökologische Modernisierung des Landes sowie intensive Förderung der regenerativen Energien. Pläne und Ideen gebe es genug, nur an der Umsetzung fehle es. Des Weiteren sollten in den Vereinigten Staaten die marode Verkehrsinfrastruktur sowie der öffentliche Nah- und Fernverkehr ausgebaut werden.

Als die größten außenpolitischen Herausforderungen für Obama sieht Zumach den Iran, Afghanistan und den Irak, Amerikas Verhältnis zu Russland sowie den Konflikt zwischen Israel und Palästina. Wichtigstes aktuelles Ziel sei es, den Atomstreit mit dem Iran zu entspannen. Aus dieser Situation dürfe kein Krieg entstehen; er hätte verheerende globale Auswirkungen. Zugleich müssten laut Zumach die Interventionen in Afghanistan und dem Irak beendet werden, denn solange Amerikas Truppen im Lande bleiben, könne sich die Lage dort nicht beruhigen. Für die Verbesserung der Beziehung zwischen Amerika und Russland sei die Unabhängigkeit Amerikas von Energieexporten unumgänglich, da Russland einer der größten Zulieferer von Erdöl und Erdgas ist.

vesely_p1110175.jpgDer zweite Teil des Abends gehörte dem chilenischer Liedermacher Sergio Vesely. Nur mit seiner Gitarre, seiner Ausstrahlung und seiner Stimme zog der Allroundkünstler die etwa 50 Zuhörer/innen in seinen Bann. Bewusst suchte er den Kontakt zum Publikum, während er musizierte und passende kleine Anekdoten erzählte. Viele seiner Lieder und Texte entstanden in den zwei Jahren, die er als politischer Häftling in Gefängnissen der chilenischen Militärdiktatur Pinochets verbringen musste. Trotz dieser Erlebnisse war in seiner Stimme keine Bitterkeit zu hören; vielmehr fesselte er seine Zuhörer/innen mit bildhaften und oft humorvollen Texten über eine sehr schwere Zeit.

1976 aus Chile verbannt, fand er Asyl in Nellingen, heute wohnt er in Denkendorf. Die Erfahrungen des lebensfrohen Chilenen im bürgerlichen Schwaben hat er auch in seinen Liedern verarbeitet, und ihnen dabei eine gehörige Portion Witz verliehen („Esslingen – nie kanntest du das Meer“). Seine einfache Botschaft sind Menschlichkeit und Nächstenliebe, die er unaufdringlich und charmant an seine Zuhörer heranträgt.

Kristin Schmoock in: Schwäbisches Tagblatt / Rottenburger Post, 18.11.2007, S. 27

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