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Nichtregierungsorganisationen sind immer dabei – mit oder zu Recht?“

Prof. Dr.Helmut K. Anheier 15.12.2008. Ein Vortrag im Rahmen des Studium Generale an der Universität Tübingen im WS 2008/09. Video-DVD, 57 Min. 
Produktion: wingert-film. ISBN: 978-3-932444-40-1

Seit nunmehr über 25 Jahren ist ein Anwachsen von Nichtregierungsorganisationen oder NGOs in Zahl, wirtschaftlicher Größe und politischer Bedeutung zu beobachten - und dies sowohl auf nationaler als auch auf transnationaler Ebene. Welche Gründe lassen sich für diese Entwicklung anführen, und welche Implikationen ergeben sich daraus für Politik, Wirtschaft und die internationale Zusammenarbeit in einer Zeit der globalen Finanzkrisen und des oft beschworenen Kampfes der Kulturen? In diesem Kontext wird zunächst insbesondere das so genannte Global-Governance-Problem thematisiert, d.h. die Steuerungsdefizite, welche durch die Globalisierung vieler Lebensbereiche und des gleichzeitigen Verbleibs anderer in nationalstaatlicher Kontrolle, entstehen.

Aber es geht um mehr als um ein Versagen transnationaler und internationaler Steuerung. Ebenso geht es auch um mehr als nur einen bloßen Hinweis darauf, dass nichtstaatliche Träger verstärkt dort zum Einsatz kommen, wo staatliche und innerstaatliche Maßnahmen nicht mehr greifen.

Vielmehr liegt der Fokus auf der Bestärkung und Betonung einer zivilisatorischen Basis oder einer modernen Zivilität, welche globalisierte Gesellschaften zur Nachhaltigkeit einer funktionierenden internationalen Gemeinschaft brauchen.  NGOs erscheinen dabei als ein wesentlicher Mechanismus, als Zivilisationsgenerator, in einer Welt, in der institutionelle Unverantwortlichkeiten, gewaltsame Problemlösungen, Interessenver-härtungen und Kurzfristigkeit der Entwürfe leichter erreichbar und eher tragbar erscheinen als Verantwortung, Kompromiss, Koordination und Weitsichtigkeit. Diesem Gedanken soll in dem Vortag nachgegangen werden.

Helmut K. Anheier geb. 1954 in Mülheim, ist seit 2006 Professor für Soziologie an der Universität Heidelberg und Wissenschaftlicher Direktor des Heidelberger Centrums für soziale Investitionen und Innovationen. Nach dem Studium der Soziologie an der Universität Trier wurde er 1986 an der Yale University, New Haven (Connecticut) im Fach Soziologie promoviert. Nach der Promotion arbeitete Professor Anheier zunächst als Social Affairs Officer bei den Vereinten Nationen. Von 1986 bis 1994 war er als Assistant Professor, ab 1994 als Associate Professor an der Rutgers University tätig. Gleichzeitig leitete er ab 1990 ein Forschungsprojekt am Institute for Policy Studies der Johns Hopkins University, an der er von 1992 bis 1996 auch als Gastprofessor lehrte. 

An der London School of Economics and Political Science gründete Helmut Anheier das Centre for Civil Society, das er von 1998 bis 2002 leitete und an dem er als Centennial Professor lehrte. Seit 2001 ist er Direktor und Professor am Center for Civil Society und dem Center for Globalization and Policy Research der School of Public Affairs der University of California, Los Angeles (UCLA).

Die Forschungsschwerpunkte von Professor Anheier liegen auf den Gebieten Zivilgesellschaft, Nonprofit-Sektor, Philanthropie, Organisationen und Strategieanalyse. Er ist Autor von über 300 Publikationen, darunter befinden sich über 20 selbst verfasste und herausgegebene Bücher. Seine Artikel sind in Zeitschriften wie dem American Journal of Sociology, Social Forces, Annual Review of Sociology, Contemporary Sociology, Sociological Forum, British Journal of Sociology, International Sociology, World Development und der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie erschienen.

Gegenwärtig erforscht Professor Anheier die Rolle von Stiftungen im internationalen Vergleich und ist an wissenschaftstheoretischen Fragen an der Schnittstelle von Globalisierung, Zivilgesellschaft und Kultur interessiert. Er ist Mitglied verschiedener Gremien und Aufsichtsräte in nationalen und internationalen Organisationen sowie Träger mehrerer nationaler und internationaler Forschungspreise.

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