Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Legitimes Weltregieren durch inklusive, multipartistische Institutionen?

Prof. Volker Rittberger, Ph.D., 9.2.2009 Ein Vortrag im Rahmen des Studium Generale an der Universität Tübingen im WS 2008/09. Video-DVD, 63 Min. Produktion: wingert-film. ISBN: 978-3-932444-47-0

Weltregieren ohne Weltstaat ist nicht nur möglich, sondern findet auch tatsächlich statt.Weltregieren lässt sich längst nicht mehr (nur) als ein normativ-idealistisches Projekt begreifen. Vielmehr handelt es sich (auch) um ein vielgestaltiges empirisches Phänomen, das zeit- und problemfeldspezifisch in unterschiedlichen institutionellen Ausprägungen mit variierenden Graden der Effektivität und Legitimität zu beobachten ist. Der Vortrag beleuchtet das vermehrte Auftreten sowie die Entstehungs-, Effektivitäts- und Legitimitätsbedingungen einer noch relativ jungen institutionellen Form von Weltregieren: ein Weltregieren durch inklusive, multipartistische Institutionen. In inklusiven, multipartistischen Institutionen – wie z.B. dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, dem Globalen Pakt oder dem Kimberley-Prozess zur Zertifizierung von Rohdiamanten – sind neben staatlichen und/ oder zwischenstaatlichen Akteuren auch nichtstaatliche (zivilgesellschaftliche und/ oder privatwirtschaftliche) Akteure Mitglieder und mitentscheidungsberechtigt.

In verschiedenen Problemfeldern haben sich inklusive, multipartistische Institutionen gebildet. Diese Beobachtung wirft eine Reihe von Fragen auf, mit denen sich der Vortrag auseinander setzt: Worin liegen die Ursachen für das Auftreten von inklusiven, multipartistischen Institutionen? Sind inklusive, multipartistische Institutionen in der Lage, die Problemlösungseffektivität von Weltregieren zu steigern? Können sie das häufig beklagte Partizipationsdefizit von Weltregieren verringern? Wie ist es also um ihre Problemlösungseffektivität (oder Output-Legitimität) und ihre Input- oder Prozess-Legitimität bestellt? Schließlich: Wie lassen sich inklusive, multipartistische Institutionen konzeptionell einbetten in ein Modell einer heterarchischen Weltordnung, die sich sowohl von einem anarchischen Selbsthilfesystem als auch von einer hierarchischen weltstaatlichen oder einer quasi-hierarchischen Hegemonial-Ordnung unterscheidet?

Volker Rittberger, geb. 1941 in Karlsruhe, ist Professor für Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen und Leiter der Abteilung Internationale Beziehungen / Friedens- und Konfliktforschung im Institut für Politikwissenschaft der Universität Tübingen. Nach dem Studium der Rechts- und Politikwissenschaften an den Universitäten Freiburg und Genf folgte 1967 ein mehrjähriger Studienaufenthalt an der Stanford University, USA, wo ihm 1972 für seine Dissertation zum Thema „Evolution and International Organization. Toward a New Level of Sociopolitical Integration“ der akademische Grad des Ph.D. verliehen wurde.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im November 1971 ging Volker Rittberger zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), Frankfurt/Main. Daneben übte er die Tätigkeit eines Lehrbeauftragten am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Heidelberg aus. Zum Sommer-Semester 1973 wurde er auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen/Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Tübingen berufen.

Volker Rittberger übte gastweise Lehr- und Forschungstätigkeiten an einer Reihe in- und ausländischer Hochschulen aus, unter anderem als Theodor Heuss-Professor an der Graduate Faculty of Political and Social Science der New School University in New York City 1992/93, als Thyssen Visiting Lecturer an der Georgetown Universität (Washington, D.C./USA) 1997, als Gastprofessor am Institut d‘Etudes Politiques de Paris 1999/2000 sowie als Inhaber des Jean Monnet Chair am Robert Schuman Centre for Advanced Studies des European University Institute in Florenz im Frühjahr 2000.

Neben seinen akademischen Tätigkeiten war Volker Rittberger von 1978 bis 1998 dem  Ausbildungs- und Forschungsinstitut der Vereinten Nationen (UNITAR) als Senior Special Fellow verbunden. Von 1996 bis 2000 fungierte er als Koordinator einer Arbeitsgruppe im Rahmen des Projekts der Universität der Vereinten Nationen (UNU) über "The United Nations System in the 21st Century". Er gehörte von 1998 bis 2005 dem VN-politischen Beirat des Auswärtigen Amtes an und war von 1993 bis 1996 Mitglied des Governing Board und 1995/96 Vizepräsident der International Studies Association. Seit 2003 ist Volker Rittberger Vorsitzender des Stiftungsrates und des geschäftsführenden Vorstands der Deutschen Stiftung Friedensforschung.

Neben mehr als 120 wissenschaftlichen Zeitschriftenaufsätzen und Buchbeiträgen in deutscher und englischer Sprache hat Volker Rittberger über 20 Monographien, Lehrbücher und Sammelbände veröffentlicht. Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen zählen die Sammelbände „German Foreign Policy Since Unification. Theories and Case Studies” (2001), „Authority in the Global Political Economy” (zusammen mit Martin Nettesheim, 2008), “Strategies for Peace. Contributions of International Organisations, States and Non-State Actors” (zusammen mit Martina Fischer, 2008) sowie das Lehrbuch “International Organization – Polity, Politics and Policies” (zusammen mit Bernhard Zangl, 2006). Zudem ist er Mitherausgeber der Zeitschrift „Die Friedens-Warte. Journal of International Peace and Organization“, der ältesten Zeitschrift im deutschsprachigen Raum für Fragen der Friedenssicherung und der internationalen Organisation.

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