Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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GewaltAuswegeSehen

Eva Maringer / Reiner Steinweg

Anregungen für den Abbau von Gewalt mit CD-ROM:

Ausstellung „Wege aus der Alltagsgewalt“ edition lex liszt 12, Oberwart/Österreich und Institut für Friedenspädagogik

Januar 2002, broschiert, 95 Seiten im Format 24 x 17 cm, mit zahlreichen Fotos; Abbildungen und anderen Gestaltungselementen; Preis: 25,- Euro. ISBN: 978-3-932444-08-1

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Buch und CD-ROM dokumentieren das engagierte Projekt, interessierten Laien wie beruflich mit dem Thema Gewalt befaßten Menschen mittels einer Ausstellung Möglichkeiten eines konstruktive(re)n Umgangs mit alltäglichen Gewalterfahrungen sinnlich näher zu bringen, also gangbare „Wege aus der Alltagsgewalt“ sichtbar, hörbar, tast- und fühlbar zu machen. Das Experiment besteht/bestand dabei darin, ein normalerweise kaum sichtbares Beziehungsgeschehen – nämlich ein inneres Ringen mit sich selbst sowie dessen äußere Umsetzung im Kontakt mit einem realen Gegenüber transparent und sinnfällig zu machen und im besten Fall sogar einzuleiten, also in den AusstellungsbesucherInnen neue Ideen für ihren alltäglichen persönlichen Umgang mit drohender und manifester Gewalt entstehen zu lassen. Die Ausstellung „Wege aus der Alltagsgewalt“ kann im Europäischen Friedensmuseum im österreichischen Stadtschlaining besichtigt werden. Buch und CD stellen jedoch ein zusätzliches Angebot dar, den Ertrag eines mehrjährigen Arbeitsprozesses einem größeren InteressentInnenkreis zugänglich und nutzbar zu machen.

CD-ROM: Wege aus der Alltagsgewalt

Systemvoraussetzungen: Intel Pentium Prozessor oder kompatibel, ab 200 MHz, Soundkarte, Windows 95/98, NT, Me oder XP

Buch und CD ergänzen einander:

Das Buch beschreibt im Detail alle Installationen - auch viele schließlich nicht realisierte - und gibt sämtliche Texte aus der Ausstellung wieder. Außerdem enthält es Hintergrundüberlegungen zu Konzeption und Umsetzung dieser Ausstellung sowie erfahrungsgestützte praktische Tipps für AusstellungsmacherInnen, die sich in Zukunft an diesem Thema auf ähnliche oder andere Weise versuchen wollen.

Die CD-ROM wiederum erlaubt es, auf dem Bildschirm gewissermaßen im eigenen Tempo und nach persönlichem Gutdünken durch die Ausstellung zu „wandern“ und so einen sinnliche(re)n und vielleicht auch lustvolleren Eindruck von den oftmals animierten Objekten und Installationen zu gewinnen.

Alle Texte des Buches finden sich auch auf der CD und können von dort direkt ausgedruckt werden.

Zu Absicht und Anlage des Buches

Kriminalität, Sicherheit im öffentlichen Raum, Verfolgung von ausländischen Mitbürgern usw. sind Themen, die einen nachhaltigen Einfluss auf die Politikgestaltung ausüben. Zwar erreichen diese Formen von Alltagsgewalt in den meisten europäischen Ländern nicht bürgerkriegsähnliche Zustände, aber ein hoher Gewaltpegel im Alltag ist in jedem Fall ein Indiz für die Kriegsbereitschaft einer Gesellschaft bzw. für ihre zu gering ausgeprägte Fähigkeit, Konflikte konstruktiv zu bearbeiten. Immer wieder erschrecken uns Berichte über tödliche Familiendramen, Gewalt gegen Frauen und Kinder, sexuellen Missbrauch und unfassliche Brutalität - manchmal auch von Exekutivbeamten. Über die vielfältigen Versuche, Abhilfe zu schaffen - und über die eigenen Möglichkeiten dabei - erfahren wir indessen aus den Medien sehr viel weniger. An dieser Stelle setzen das vorliegende Buch und die ihm zugrunde liegende Ausstellung an. Buch und CD-ROM dokumentieren den Bestand einer Ausstellung im Burgenland, Österreich, nahe der ungarischen Grenze, die wegen ihrer geografischen Lage für viele Menschen nur mit einigem Aufwand erreichbar ist. Sie sollen Lust machen, diesen Aufwand - z.B. einen kleinen Umweg bei einer Reise in den Süden - nicht zu scheuen, denn keine Dokumentation kann das Erlebnis der Originale in ihrem besonderen Ambiente ersetzen.

Zugleich aber soll das Buch wesentliche Erkenntnisse, die mit der Ausstellung transportiert werden oder bei deren Entwicklung entstanden sind, einem größeren Personenkreis zugänglich machen. Nach einem Überblick und der Darlegung der inhaltlichen und didaktischen Überlegungen beschreibt es - darin einem Katalog gleich - jedes einzelne Objekt im Detail und gibt sämtliche Texttafeln wieder. Mittels der beigefügten CD-ROM kann man zusätzlich durch große Teile der Ausstellung auf dem Bildschirm gewissermaßen hindurch schlendern, wobei dreidimensionale Objekte naturgemäß hie und da in andere Formen übersetzt werden mussten. Außerdem erfährt man jeweils am Ende der drei Raumbeschreibungen etwas über den Prozess der Ausstellungskonzipierung - in der Form, dass auch letztlich verworfene Alternativen sowie Bausteine beschrieben werden, die aus Platz-, Zeit- oder Geldmangel nicht realisiert werden konnten.

Trotz der doppelten Präsentation in Form von Buch & CD war eine vollständige Wiedergabe aller Inhalte der Ausstellung nicht möglich: Der Speicherplatz auf der CD-ROM hätte nicht ausgereicht, um alle Hörbeispiele und Spiele wiederzugeben, die der „Abwertungstisch“ - die aufwendigste Installation der Ausstellung - bietet (vgl. S. 63 Baustein 36 und die Beschreibung der Spielabläufe S. 87 - 94). Auch das Buch hätte einen nicht vertretbaren Umfang angenommen, wenn alle Szenen, Interviews und sonstigen Inhalte im „Inneren“ der Installationen vollständig dokumentiert worden wären. Bis auf den Abwertungstisch, der nur mit einem von sechs Spielen vertreten ist, dokumentiert die CD aber sämtliche Hörexponate (einschließlich der Musik im „Vorraum“, vgl. S. 28) und auch alle kürzeren und längeren exemplarischen Geschichten. Umgekehrt gibt es für die Vitrinen der Ausstellung und das Holzkreuz zur Erinnerung an die Gewaltopfer des Verkehrs auf der CD keine Entsprechung (Bausteine 4, 6, 10, 17 und 34). Die Zeitung „goodnews“ (Baustein Nr. 23, siehe S. 42) wird aus Kostengründen nicht im Buch, sondern nur auf der CD wiedergegeben; sie liegt aber den Versand-Exemplaren bei und kann darüber hinaus - auch in größerer Stückzahl - gegen eine Schutzgebühr angefordert werden (vgl. S. 43). Die CD enthält außerdem bei der Station „Anfänge der Gewalt: Gefühle unterdrücken“ sogar zwei aus unserer Sicht wesentliche Ergänzungen, für die in der Ausstellung kein Platz mehr vorhanden war. (Die Texte dieser neuen Teile sind auch im Buch S. 70 -74 nachzulesen.)

Am Anfang des Buches gibt es einen Überblick über den Kontext der Ausstellung „Wege aus der Alltagsgewalt“, d.h. über das „Europäische Museum für Frieden“, und am Ende für diejenigen LeserInnen, die vergleichbare Ausstellungsprojekte planen, einige Hinweise auf „essentials“, die in solchen Projekten beachtet werden sollten - sofern nicht bewusst eine ganz andere Richtung oder eine ganz andere Ausstellungsdidaktik angesteuert wird.

Inhalt

Absicht und Anlage von Buch und CD-ROM

Überblick über Konzept und Exponate der Ausstellung

Kontext: Das „Europäische Museum für Frieden“in Stadtschlaining

I. Gewaltverständnis und pädagogische Zielsetzung

1. Ziele und Grenzen der Ausstellung

2. Was die Ausstellung zeigt und was sie ausspart

3. Dimensionen der Alltagsgewalt

Alltagsgewalt - ein Phänomen

Opfer-Zuschauer-Täter - ein Zusammenhang

Gewalt als Wellenbewegung und die Rolle der Medien

Die ewige Diskussion um die Zunahme von Gewalt

4. Friedensfähigkeit und Alltagsgewalt

Individuelle Gewaltvermeidung und institutionelle Gewaltverringerung

Die Gewalt der „Großen“ und die Gewaltbereitschaft der „Kleinen“ oder wie „oben“ und „unten“ zusammenhängen

II. Beschreibung der Installationen und Bausteine

Die tägliche Dosis (Vorraum)

Rauminstallation „Gewalt um uns und Gewalt in uns“

Verworfene Alternativen

Nicht realisierte Bausteine

Gestaltungsmängel

Umgehen mit Bedrohungen (Hauptraum 1)
Tatort Straße
Tatort Wohnung
Tatort Betrieb
Initiativen gegen „Mißlingende Amtshandlungen“
Begehbare Szene „Täter, Opfer, Zuschauer“
Stehpultmappe (Auszug)
Verworfene Alternativen
Nicht realisierte Bausteine
Gestaltungsmängel

Anfänge der Gewalt (Hauptraum 2)
„Seelische Grundnahrungsmittel“ und „Starke Folgen des Mangels“
Anfänge der Gewalt: Kollektive Schuldzuweisung
Anfänge der Gewalt: Behindern
Anfänge der Gewalt: Abwerten
Anfänge der Gewalt: Gefühle unterdrücken
Zusätzliche Angebote auf der beiliegenden CD
Verworfene Alternativen
Nicht realisierte Bausteine
Gestaltungsmängel

III. Frieden in der Wehrburg
Zum Verhältnis von Raum, Ausstellungsarchitektur und Konzeptionsentfaltung

IV. Tips für Ausstellungen zum Thema Alltagsgewalt

Anhang
Monitor-Texte und Beschreibung der Abläufe am „Abwertungstisch"

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