Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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22.03.2010: Stellungnahme des Instituts für Friedenspädagogik Tübingen e.V. angesichts von Missbrauch und Gewalt in pädagogischen Einrichtungen

Gewalttaten und sexueller Missbrauch in pädagogischen Einrichtungen, die jetzt endlich ans Licht kommen zeigen, dass Pädagogik und Pädagogen nicht per se das Schöne, Gute und Liebenswerte schaffen. Auch sie müssen sich ihren dunklen Seiten stellen, die in den letzten Wochen für alle sichtbar geworden sind. Der lange Mantel des Schweigens und Wegschauens über Missbrauch und Gewalt in der Erziehung wird endlich weggezogen. Langsam, Stück für Stück, kommt die „Schwarze Pädagogik“, die offen oder subtil unterdrückt, ausbeutet, missbraucht und Macht auslebt zum Vorschein. Oft genug geschah und geschieht dies im Namen „des Guten“.

Es gibt nichts zu beschönigen, zu bagatellisieren oder gar zu rechtfertigen: Missbrauch, Gewalt und Unrecht müssen wo immer sie vorkommen aufgedeckt, verfolgt und geahndet werden. Sie stellen Straftaten dar, die das Leben von anvertrauten Kindern und Jugendlichen zerstören oder zumindest auf lange Zeit (wenn nicht für immer) stark belasten. Es sind nicht nur Einzelpersonen die ihren Neigungen nachgehen, sondern immer auch Strukturen, Abläufe und Organisationsformen, die dies ermöglichen und Mitwisser, die dies dulden und decken.

Glaubwürdigkeit und Vertrauen, die höchsten Güter in der Erziehung, werden so zerstört.

Es kann jetzt nur darum gehen, die Opfer zu stützen und zu unterstützen, Taten aufzudecken und Täter zur Rechenschaft zu ziehen, auch wenn dies aus Gründen der Verjährung eine Strafverfolgung nicht mehr möglich ist, gibt es hierfür eine moralische Pflicht.

Gewaltfreiheit, Selbstbestimmung und Glaubwürdigkeit sind das Fundament jeder Erziehung und dürfen keine leeren Worthülsen sein. Indoktrination, Zwang und Übergriffe dürfen nicht geduldet werden. Mitwisser die schweigen machen sich mit schuldig. Es darf keine falschen Rücksichtnahmen geben. Deshalb ist es auch an der Zeit sich von unglaubwürdig gewordenen Vorbildern zu emanzipieren.

Zur Professionalität in der Pädagogik gehört es eigene und fremde Grenzen zu kennen, anzuerkennen  und zu respektieren. Wo dies Schwierigkeiten bereitet, ist Rat und Hilfe zu suchen und anzunehmen. Zur Professionalität gehört es, aufmerksam und achtsam zu sein und wo immer Kindern und Jugendlichen Unrecht geschieht, sich auf ihre Seite zu stellen. Und zur Professionalität gehört es auch, sich den Schattenseiten zu stellen, diese aufzuarbeiten und alles zu tun, damit Missbrauch, Übergriffe und Gewalt nicht mehr möglich werden.

 

Tübingen,  19.3.2010

Geschäftsführung und Vorstand des Instituts für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

www.friedenspaedagogik.de

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