Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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16.12.1996: 20 Jahre Verein für Friedenspädagogik

Tübingen, 16. Dezember 1996:

"Das Gedächtnis der Menschheit / für erduldete Leiden / ist erstaunlich kurz / ihre Vorstellungsgabe / für kommende Leiden ist fast noch geringer"- auf diese Zeilen von Bertolt Brecht stützen sich Präambel und Satzung des Vereins für Friedenspädagogik. Engagierte LehrerInnen, SozialpädagogInnen und HochschulmitarbeiterInnen gründeten am 16. Dezember 1976 den Verein. Er hat sich die Aufgabe gestellt, Probleme des Friedens und Unfriedens - und das im weiten Sinn - in der Öffentlichkeit bewußt zu machen und Friedenserziehung in ganz praktischen Arbeitsfeldern zu unterstützen.

Das Verständnis von Friedenserziehung

Friedenserziehung ist keine modische Zeiterscheinung, sie ist so lange erforderlich, wie Menschen unterdrückt und Konflikte mit Gewalt ausgetragen werden. Friedenserziehung ist die ständige Mahnung an eine bessere, gerechtere Welt. Sie bleibt jedoch nicht dabei stehen, sondern gibt konkrete Hilfestellungen für die Erziehung in Familie und Kindergarten, in schulischem Unterricht, außerschulischer Bildung und im universitären Bereich. Friedenserziehung, wie sie der Tübinger Verein versteht, gründet in der Überzeugung, daß Einstellungen und Verhaltensweisen durch Erziehung und Bildung veränderbar sind und sich auf politische Entscheidungen und Strukturen auswirken. Friedenserziehung ist Hilfestellung für den Alltag, aber auch Aufforderung zur konstruktiven Einmischung in Gesellschaft und Politik. Sie sieht sowohl den einzelnen, als auch Gruppen, Organisationen und gesellschaftliche Strukturen.

Sachkompetenz und Verbreitung

In der Zeitspanne von 20 Jahre haben sich die Schlüsselthemen in der Arbeit des Vereins für Friedenspädagogik freilich modifiziert. So ist z.B. Ende der 80er Jahre das Problemfeld "Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit" zu den traditionellen Themen wie Sicherheits- und Friedenspolitik oder Gewaltfreiheit hinzugekommen. Seit den 90er Jahren wird dieses Themenspektrum erweitert mit der Frage nach der Notwendigkeit eines "Globalen Lernens", einem pädagogischen Ansatz, der die Nord- Süd- Konflikte besonders zu berücksichtigen sucht. Auch die Ansätze ziviler Konfliktbearbeitung und der kritische Umgang mit Medien spielt eine immer bedeutendere Rolle.

Über 120 Bücher und Materialien (ca. 20.000 Seiten) in einer Gesamtauflage von über 200.000 Exemplaren wurden publiziert. Besonderen Erfolg hatte die Verbreitung von Ratgebern über Jugendämter mit Themen wie "Augen auf beim Spielzeugkauf", "Gewaltfrei leben lernen" oder "Computerkids", die eine Gesamtauflage von über 400.000 Exemplaren erreichten. Hunderte von Seminaren und Vortragsveranstaltungen wurden in dieser Zeit durchgeführt. Mehrere Videoproduktionen, z.B. über die "Vormilitärische Erziehung in der DDR" oder über "Krieg im Fernsehen" sowie Angebote in Computernetzen ergänzen das traditionelle Angebot und zeigen auch ein Richtung zukünftiger Arbeitsschwerpunkte auf. Schulbuchverlage, Einrichtungen der Lehrerfortbildung, kirchliche Hilfswerke, Gewerkschaften, Volkshochschulen, Universitäten und Jugendämter sind in den letzten Jahren zu den Auftraggeben und Partnern des Vereins geworden. Heute arbeiten 4 MitarbeiterInnen und zwei studentische Hilfskräfte in der Geschäftsstelle. 260 Mitglieder aus der gesamten Bundesrepublik tragen den Verein.

Ein Rechtsstreit und seine Folgen

Doch die Arbeit war für den Verein gelegentlich steinig und nicht ohne Probleme: Der Entzug der Gemeinnützigkeit im Jahre 1984 und der folgende jahrelange Rechtsstreit stellten die Arbeit auf eine harte Probe. Die Welle der Solidarität und der finanziellen Unterstützung und schließlich das positive Urteil des Bundesfinanzhofes im Jahre 1989 stärkten die Vereinsarbeit. Der Verein ist heute eine bundesweit anerkannte Fachstelle für Fragen der Friedenserziehung. Der Verein finanziert sich durch Drittmittelprojekte (Bundes- und Länderministerien, private Stiftungen), Auftragsarbeiten und Beiträge der Mitglieder.

Im Rahmen des Tübinger Symposiums "Konstruktive Konfliktbearbeitung" vom 13. - 15. Juni 1996 wird die Tätigkeit des Vereins für Friedenspädagogik auch Gegenstand von Diskussionen und Analysen sein. "Der Regen von gestern macht uns nicht naß", betont der Verein mit Brecht und meint damit auch den langen Atem, den beharrliche und konstruktive Friedensarbeit in Zukunft braucht.

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